Joey Kelly rennt und rennt und rennt

Joey Kelly ist heute Freitag, 18.30 Uhr, zu Gast in der FHS. Er referiert unter dem Titel «No Limits» über seine Wettkämpfe und was ihn zu seinen Höchstleistungen antreibt.

Elisabeth Reisp
Merken
Drucken
Teilen
Am Ultramarathon in Libyen rannte Joey Kelly 190 Kilometer durch die Wüste – die Mütze voller Fliegen. (Bild: pd)

Am Ultramarathon in Libyen rannte Joey Kelly 190 Kilometer durch die Wüste – die Mütze voller Fliegen. (Bild: pd)

Joey Kelly ist heute Freitag, 18.30 Uhr, zu Gast in der FHS. Er referiert unter dem Titel «No Limits» über seine Wettkämpfe und was ihn zu seinen Höchstleistungen antreibt. Der irisch-amerikanische Sportler ist den Ü30ern von der Band Kelly Family bekannt, die Jüngeren kennen ihn als Teilnehmer von Stefan Raabs Spasswettbewerben. Wie aber kommt es, dass einer, der in einer Hippie-Grossfamilie aufgewachsen ist, heute als Einzelmaske läuft? Ein persönliches Treffen war nicht möglich, also rufen wir ihn an und erwischen ihn, als er in einem Münchner Hotel ankommt. Übers Handy gibt der Läufer klar und konzentriert Auskunft über sein Leben. Keine Frage, dieser Mann ist ein (Medien-)Profi.

Ironman, Ultraman, Südpol

Joey Kelly ist Extremsportler. Er nimmt an Ironman- und Ultraman-Wettbewerben teil (Ultraman ist die fast unmenschliche Steigerung vom bereits abenteuerlich strengen Ironman), läuft 200 Kilometer durch die Wüste und kämpft sich 500 Kilometer durch eisige Kälte zum Südpol.

«Was mich antreibt? Nach wie vor die Leidenschaft und Herausforderung.» Aber eigentlich ist es eine ganze Palette an Gründen: «Es ist das Abenteuer, an Orte zu kommen, die man sonst nicht sehen würde.» Hier kann man fast so etwas wie Schwärmerei aus seiner Stimme filtern. Den Südpol beschreibt er als «unvorstellbar», die libysche Wüste sei einfach «wunderschön».

Letzter Kilometer ist einfach

Unter grosser körperlicher Anstrengung durchquert er die schönsten, bisweilen abgelegensten Landschaften der Erde. Ob er davon überhaupt etwas mitbekommt, wenn die Füsse voller Blasen, die Muskeln verhärtet sind? «Natürlich. Erst gegen Ende des Wettkampfs nimmt man nichts mehr wahr», sagt der Läufer. Das letzte Viertel sei immer der härteste Teil eines Rennens, egal ob man einen Marathon durch New York oder 217 Kilometer durch das Tal des Todes läuft. «Der letzte Kilometer geht hingegen wieder wie von alleine.»

Eine Karriere aus Zufall

Sein Deutsch ist gefärbt. Seine Wurzeln kann Joey Kelly auch am Telefon nicht ganz verbergen, seine Eltern waren Amerikaner, der Vater irischer Abstammung, geboren ist er in Spanien. Seine Kindheit hat er in der Grossfamilie reisend und erfolgreich musizierend in Europa verbracht. Seine eigentliche, eigene Karriere hat der 42-Jährige aber im Extremsport gemacht. Begonnen hat diese zweite Karriere per Zufall. «Ich habe im Ausdauersport einen Ausgleich zu meiner Tätigkeit für das Unternehmen Kelly Family gefunden – nicht gesucht», betont er.

Mittlerweile ist er der deutsche Vorzeige-Promi, wenn Teilnehmer an mehr oder weniger anspruchsvollen Spasswettbewerben gesucht sind. Er lässt sich für Fernsehproduktionen einspannen, wenn es darum geht, ohne eigenes Geld Amerika zu durchqueren oder ganz ohne Geld durch Deutschland zu marschieren. Die Stockcar-Rennen, Wettbewerbe im Turmspringen, oder Wok-Weltmeisterschaften, die sich der Entertainer Stefan Raab in den letzten Jahren hat einfallen lassen, sind für Kelly eine gute Mischung aus Spass und Wettkampfgeist. Die Teilnehmer seien teils Profis, teils Promis, teils «Dschungelcamp»-Kandidaten. Und dann kichert Joey Kelly zum ersten Mal durch den Hörer. «Diese Anlässe sind lustig und gut organisiert, aber man muss sie nicht ganz so ernst nehmen.»

Ernst nimmt er aber die Gefahren, die seine Leidenschaft mit sich bringt. Er könnte auf den Strecken erfrieren oder verunfallen. «Ein gewisses Risiko ist da.» Aber er springe ja nicht wie die Basejumper von Felswänden. Er kichert nicht mehr.