Jodeln zum Birchermüesli

Am ersten Schweizer Kulturenabend im Löwenstrasse-Quartiertreff erzählen sechs Quartierbewohner von Schweizer Bräuchen und servieren landestypische Gerichte. Die Besucher ihrerseits übten sich im Jodeln und Talerschwingen.

Daniela Huber-Mühleis
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Die Besucher des Schweizer Kulturenabends wurden fachkundig in den Brauch des Talerschwingens eingeführt. (Bild: Daniela Huber-Mühleis)

Die Besucher des Schweizer Kulturenabends wurden fachkundig in den Brauch des Talerschwingens eingeführt. (Bild: Daniela Huber-Mühleis)

RORSCHACH. Schon beim Betreten des ansprechend dekorierten Treffs erahnt man, welches Land an diesem Abend Thema sein wird. Das Schweizer Emblem ist allgegenwärtig, und auch die Kantonswappen deuten untrüglich darauf hin. Mit viel Liebe zum Detail haben sechs Quartierbewohner den Schweizer Abend vorbereitet. Erwartungsvoll nehmen die eintreffenden Quartierbewohner Platz, sie sind neugierig auf die folgenden Darbietungen. Als Erster referiert Walter Meier über die Bräuche in unserem Land. Seine Ausführungen über den Alten Silvester oder die Schwing- und Trachtenfeste untermalt er mit einer Power-Point-Präsentation. Er erklärt, dass es nur in der Schweiz die Landsgemeinde gibt, so wie sie in Appenzell oder Glarus abgehalten wird. Und er erzählt den staunenden Kindern und Erwachsenen, dass am Zibelemärit in Bern jährlich 50 Tonnen Zwiebeln angepriesen werden.

Die Geschichte der Schweiz

Johannes Weiss berichtet von der Entstehung der Schweiz. Auch davon, dass es in der Helvetischen Republik 1802 einen Kanton Säntis und einen Kanton Linth gab. Den Quartierbewohnern mit Migrationshintergrund erklärt er das Mehrparteiensystem und erzählt, dass das Frauenstimmrecht erst seit 1971 existiert. Das Kerngehäuse eines Apfels dient ihm zudem als Beispiel für die Vielfältigkeit der Schweizer Dialekte. Was bei uns «Bitzgi» heisst, nennt man im Kanton Aargau das «Güürbsi».

Museen, Literatur und Sprachen

Die Kunsthistorikerin und Museologin Christine Musits will wissen, wie viele Museen es in der Schweiz gibt. Die Anwesenden rätseln, liegen mit ihren Antworten aber weit daneben. Umso überraschender reagieren sie als sie erfahren, dass es 1146 sind. Davon befinden sich allein 70 im Kanton St. Gallen. Die zoologischen und botanischen Gärten gehören genauso dazu wie auch thematische Ausstellungen wie beispielsweise das Bierflaschen- oder Froschmuseum. Christine Musits legt den Rorschachern ans Herz, ihre beiden Museen – im Kornhaus und im Forum Würth – wieder einmal zu besuchen.

Referentin Beatrice Ziltener erklärt, wie sich durch die Völkerwanderungen die Sprachgebiete gebildet haben, und zeigt die Sprachgrenzen auf. Als Lesestoff empfiehlt sie das Nachschlagewerk «Schweizer Literaturgeschichte» von Peter Rusterholz und als Nachttischlektüre «Das Kalb vor der Gotthardpost» von Peter von Matt.

Alphorn, Jodel, Talerschwingen

Stefan Inauen und Esther Denzler-Beerli lockern den Themenabend mit Musikeinlagen auf. Die Anwesenden kommen in den Genuss von Alphornklängen, Jodelgesang und der Kunst des Talerschwingens. Das Publikum wird in die Unterhaltung mit einbezogen und übt sich gleich selbst im Jodeln und im Versuch, dem tönernem Becken einen Klang zu entlocken. Ein paar Besucher amüsieren sich zudem köstlich über ihr Talent als Alphornbläser.

Fondue, Raclette, Birchermüesli

Das Kulinarische darf natürlich nicht fehlen. Sibylle Bühlmann zählt die verschiedenen Spezialitäten auf und zeigt, wie Pizzoccheri, Rösti, Birchermüesli, Soupe de chalet und das ursprüngliche Sennengericht Älplermagronen aussehen. Natürlich darf bei der Aufzählung auch die bekannte St. Galler Bratwurst nicht fehlen. Das appetitlich dekorierte Buffet lockt zudem zum Degustieren.

Durchwegs positive Reaktionen

Das Echo auf den Schweizer Kulturabend ist durchwegs positiv. «Ich habe viel über die Schweizer Gepflogenheiten gelernt», freut sich Sarah Soosaipillai. Bei Tamar Seyranian kamen die Geschichte und die Kochrezepte am besten an. «Die Musik hat mich am meisten berührt», antwortet Nadja Bandulet. Für Ajete Maligi war der Abend bestens organisiert und sehr informativ.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer tragen gut sichtbar ihr Namensschild. Zusätzlich sind sie mit dem Namen einer Schweizer Persönlichkeit beschriftet. So ist es durchaus möglich, dass man an diesem Abend neben Liselotte Pulver oder Sepp Blatter sitzt. Bevor die gemütliche Runde ihren Abschluss bei Raclette und Fondue findet, gibt Stefan Inauen einen Schnellkurs im Erlernen des Innerrhoder Dialekts. Zur Belustigung aller Anwesenden erzählt er einen urchigen Appenzellerwitz.

Anna Dietsche, Leiterin des Quartierbüros Rorschach, hofft auf eine Wiederholung. Sie wünscht sich, dass beim nächsten Mal der Anlass in einem grösseren Rahmen durchgeführt werden kann.

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