Jetzt steht der Stadtrat in der Pflicht

Die Vorlage des Stadtrates für eine Kongressstrategie war nicht das Gelbe vom Ei. Das ist höflich ausgedrückt. Das Aufheben, das um zusätzliche 30 000 Franken pro Jahr für die Förderung von Kongressen gemacht wurde, war immens.

Daniel Wirth
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Die Vorlage des Stadtrates für eine Kongressstrategie war nicht das Gelbe vom Ei. Das ist höflich ausgedrückt. Das Aufheben, das um zusätzliche 30 000 Franken pro Jahr für die Förderung von Kongressen gemacht wurde, war immens. Doch der stadträtliche Wirbel um die Vorlage und die Qualität des Inhalts derselben gingen diametral auseinander. Auch wenn Stadtpräsident Thomas Scheitlin in der Debatte im Stadtparlament sagte, der Stadtrat und die Standortförderung hätten alle Player ins Boot geholt und die Kongressstrategie sei so verkehrt nun auch wieder nicht – wenn die Geschäftsprüfungskommission die Vorlage für ungenügend hält und mit elf zu null Stimmen Nichteintreten beantragt, stellt das dem Verfasser und dem Absender gar kein gutes Zeugnis aus.

Das Stadtparlament hat gestern trotzdem einen klugen Entscheid gefällt mit der Rückweisung des Geschäfts an den Stadtrat. Es hat die Vorlage nicht beerdigt und bewiesen, dass Auffassungen während einer sachlich geführten Debatte und aufgrund neu gewonnener Einsichten korrigiert und im Fall der Kongressstrategie auch umgekrempelt werden dürfen. Die SP hat dem Stadtrat reinen Wein eingeschenkt: Sie wollte keine neue Vorlage und blieb auf ihrer Linie. Parlamentarierinnen und Parlamentarier jedwelcher politischer Couleur, die votierten, es brauche eine Kongressstrategie, aber eine sorgfältig ausformulierte, sind sich auch mit der Rückweisung des Geschäfts treu geblieben und haben nicht das Gesicht verloren. Im Gegenteil.

Hätte das Stadtparlament Nichteintreten beschlossen, hätte es St. Gallen im harten Wettbewerb mit anderen Kongressstädten einen Bärendienst erwiesen. Jetzt aber hat es den Stadtrat in die Pflicht genommen. Dieser darf die Vorlage überarbeiten und 2016 nochmals vorlegen. Der Stadtrat ist mit der Rückweisung gestern abend mit einem blauen Auge davongekommen. In der nächsten Runde in der Debatte um eine Kongressstrategie muss er viel besser vorbereitet sein, sonst gibt's einen Knockout.

daniel.wirth@tagblatt.ch