Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Jetzt spinnt der Sutter ganz»

HÄGGENSCHWIL. «Kultur im Bären», Häggenschwil: Eine Erfolgsgeschichte in zehn Akten. Mit Endo Anaconda, Simon Enzler oder Vera Kaa ist das Jubiläumsprogramm 2010 so hochkarätig wie nie zuvor.
Michael Hasler
Walter «Walti» Sutter, Gründervater von «Kultur im Bären». (Bild: Urs Bucher)

Walter «Walti» Sutter, Gründervater von «Kultur im Bären». (Bild: Urs Bucher)

Das Wort schwierig beflügelt ihn und der Begriff unmöglich scheint im Universum von Walter «Walti» Sutter gar nicht erst zu existieren. Anders ist die aussergewöhnliche Erfolgsgeschichte dieses beharrlichen Architekten und umsichtigen Kulturbetreibers kaum zu erklären. Nur ganz wenige hätten ihm im November 2000, anlässlich des ersten Kultur-Events mit dem Lynne Arriale Trio im «Schnittlauch», wie er Häggenschwil liebevoll selbstironisch bezeichnet, zugetraut, einen ausdauernd-veritablen Kulturbetrieb aufzubauen.

Mut und etwas Wahnsinn

«Als ich mich im August 2000 entschloss, den <Bären> zu kaufen, hielten mich viele für einigermassen verrückt», erinnert sich Sutter genüsslich. In nur gerade sechs Wochen hatte er den von Lore Schwarz übernommenen Betrieb liebevoll saniert und zu einem Event- und Kulturlokal umfunktioniert. Einige Jazzveranstaltungen und Hochzeiten habe er damals angedacht gehabt, noch habe ihm aber das schlüssige Konzept gefehlt, erinnert sich der gelernte Zimmermann und spätere Architekt heute.

«Jetzt spinnt der Sutter ganz, haben wenige gesagt, aber sicher viele gedacht», blickt der Stadtsanktgaller zurück. Mehr als zwei Jahre hatte ihm und seinem Team damals kaum jemand zugetraut, sagt Sutter – inzwischen sind es zehn erfolgreiche Jahre geworden und ein Ende ist bei weitem nicht in Sicht.

Ohne öffentliche Kulturgelder

Die Erfolgsgeschichte des «Kultur im Bären»-Programms überrascht umso mehr, als dass Sutter und sein mittlerweile vierköpfiges Team von allem Anfang an ohne öffentliche Kulturgelder auskommen mussten.

«Dafür hätten wir uns als Genossenschaft oder als Verein organisieren müssen. Das wollte ich nicht. Was uns nebst unseren wunderschönen Räumen so erfolgreich macht, sind die enorm schlanken Entscheidungswege», betont der Gesamtverantwortliche. Und korrigiert sich gleich selbst, indem er es nicht unterlässt, sein Team, die sechs Hauptsponsoren, seine drei Veranstaltungssponsoren sowie seine mittlerweile 65 Gönner als Gelingstützen für seinen Kulturbetrieb anzufügen.

Das gewagte Konzept klappe überdies nur, weil der gesamte Betrieb hierarchisch schlank und letztlich familiär organisiert sei. Seit zehn Jahren kann sich Walter Sutter nebst der Unterstützung seiner Frau Alice (Dekoration) auch auf die Dienste seines Küchenchefs und Mitorganisators Mike Brunner verlassen. Marianne Signer als Halbtagssekretärin ergänzt das «Bären»-Team.

Dreiviertel Stadtsanktgaller

Dass sich «Kultur im Bären» hervorragend in der Kulturlandschaft etablierte, hatte zwar diverse, aber vor allem zwei Gründe. Zum einen war für Walter Sutter unumstösslich, die Messlatte für sein Kulturprogramm sehr hoch anzusetzen, und zum anderen konnte der Kulturbetreiber dank seines riesigen Kontaktnetzes als selbständiger St. Galler Architekt von allem Anfang an auf ein Stammpublikum zählen. Noch heute rekrutiert sich etwa Dreiviertel des Publikums aus St.

Gallen. Aber auch Stammkunden aus Rorschach, Konstanz, Schaffhausen, Zürich, Rapperswil oder Sargans sind inzwischen im «Bären» keine Rarität. Unverständlich hingegen ist für Sutter die Tatsache, dass relativ wenige Thurgauer den Weg nach Häggenschwil in Angriff nehmen: «Wir haben deshalb auf unser Jubiläumsjahr hin eine Inserate-Offensive im Thurgau gestartet und hoffen, damit mehr Kulturinteressierte aus dem Nachbarkanton erreichen zu können», sagt er.

Bereits 60 Prozent verkauft

Auch ohne das publikumsmässige Zutun des Nachbarkantons erfreut sich der Betrieb des «Bären» gesunder Finanzen. Möglich macht dies eine interne Quersubventionierung der 20 Kulturanlässe einerseits durch die parallel zu den Kulturveranstaltungen angebotenen Nachtessen und andererseits durch rund 70 Events wie Geburtstage, Hochzeiten, Wahlveranstaltungen, Seminare oder auch Ausstellungen. «Bei einem Kulturbudget von um die 100 000 Franken müssen wir jeweils eine Mischrechnung machen.

Bei maximal 140 Tickets und 105 Nachtessen pro Kulturveranstaltung ist es schlicht nicht möglich, Künstler unserer Qualitätsvorstellungen kostendeckend zu programmieren», rechnet Walter Sutter laut vor. Und dies, obwohl bereits jetzt 60 Prozent aller verfügbaren Tickets des Programmes 2010 – die Jahresauslastung liegt jeweils bei über 90 Prozent – verkauft sind.

Zukunft noch offen

Noch ist trotz immensen finanziellen Aufwands kein Ende des «Bären»-Märchens abzusehen. Und doch macht sich Sutter Gedanken über eine längerfristige Zukunft des Kulturlokals: «Küchenchef Mike Brunner und ich haben kürzlich darüber geredet, dass wir den <Bären> im Idealfall weitere 15 Jahre betreiben wollen. Was dann sein wird, ist offen. Es ist mir aber enorm wichtig, dass der <Bären> auch über mich hinaus weiterexistieren wird.»

Programminformationen zu den Jubiläumsaktivitäten unter www.kulturimbaeren.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.