«Jetzt muss es endlich vorwärts gehen»

Wirtschaftsvertreter von beiden Seiten des Rheins fordern die seit 50 Jahren überfällige Verbindung der beiden Autobahnen im Tal – mit einer Guerilla-Aktion.

Max Tinner
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Eine kleine Guerilla-Aktion von Wirtschaftsvertretern von beiden Seiten des Rheins: Für das Plakat am Autobahnstumpen bei St. Margrethen haben sie keine Bewilligung eingeholt. Von links: Eugen Voit, Reinhard Frei, Mathias Burtscher, Brigitte Lüchinger, Karl Stadler. (Bild: Max Tinner)

Eine kleine Guerilla-Aktion von Wirtschaftsvertretern von beiden Seiten des Rheins: Für das Plakat am Autobahnstumpen bei St. Margrethen haben sie keine Bewilligung eingeholt. Von links: Eugen Voit, Reinhard Frei, Mathias Burtscher, Brigitte Lüchinger, Karl Stadler. (Bild: Max Tinner)

Wo man bei St. Margrethen in Richtung St. Gallen in einer weiten Kurve auf die Autobahn auffährt, sollte es eigentlich auch geradeaus weitergehen, nach Vorarlberg. Die Verbindung war bereits angedacht, als im Jahr 1964 der vierspurige Autobahnabschnitt Buriet-St. Margrethen dem Verkehr übergeben wurde. Es gibt sie noch heute nicht.

Eine seit vergangenem Jahr bestehende Arbeitsgemeinschaft von Wirtschaftsvertretern aus dem St. Galler und dem Vorarlberger Rheintal sowie dem Fürstentum Liechtenstein betont nun, wie wichtig der baldige Bau dieser Autobahnverbindung für die Region wäre, sowohl verkehrstechnisch als auch für die Wirtschaft. Vorgestern haben Vertreter der Gruppe ein Protestplakat montiert. In der Morgendämmerung. Dort, wo die Strasse ins Nirgendwohin führt. Sie fordern darauf den Bau der seit 50 Jahren überfälligen Strassenverbindung.

Mit dem Geruch einer Guerilla-Aktion

Das Plakat ist nicht sonderlich gross. Es wird wohl auch nicht besonders lange da stehen, weil es nicht amtlich bewilligt ist. Gerade deshalb hoffen die Wirtschaftsvertreter aber, dass die Aktion im Bewusstsein der Leute ankommt – so riecht sie nämlich ein wenig nach einer Guerilla-Operation. Ähnlich wie wenn Greenpeace mit Plakaten auf die Kühltürme von Kernkraftwerken klettert. Nur nicht gar so dramatisch. Die Gefühle der Bevölkerung berühren ist tatsächlich genau das, was Reinhard Frei, Inhaber der Werbeagentur Freicom und Initiant der Aktion, bezweckt. Im Besonderen das Zusammengehörigkeitsgefühl will die Gruppe wecken – indem sie daran erinnert, dass man im Rheintal längst grenzübergreifend denkt und lebt. Auch der Wirtschaft sei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Region wichtig, wurde vorgestern Morgen betont.

«Es ist längst an der Zeit, dass etwas geht», sagt Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg. Hinsichtlich der Autobahnverbindung sieht er nun vor allem die Politik Vorarlbergs gefordert. Nach dem jahrelangen Hin und Her fordert er ein Bekenntnis der Landesregierung zu dieser Strassenverbindung, einen sofortigen Entscheid für die Linienführung und ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren. «Wir sind ein Wirtschaftsraum und ein Lebensraum – wir brauchen nun auch die Infrastruktur dazu», stimmt die Präsidentin des Arbeitgeberverbands Rheintal, Brigitte Lüchinger, Burtscher zu.

«Die Strasse gäbe der Region gewaltigen Schub»

Er kenne nirgends in Europa ein mit dem Rheintal vergleichbares Gebiet, das nicht mit einer Autobahn verbunden sei, meint auch der Altstätter Unternehmer Karl Stadler. «Solche Hindernisse sind einfach nicht nötig.» Umgekehrt würde der Bau der Verbindung die Region noch wesentlich attraktiver machen, ist Eugen Voit von Leica Geosystems überzeugt. «Diese Verbindung gäbe der Region einen gewaltigen Schub», sagt er.

Richten soll es nun die Politik. Zu ihrer vorgestrigen Aktion hatte die Gruppe allerdings bewusst keine Politiker eingeladen – um zu vermeiden, dass diese gleich wieder beschwichtigen und auf irgendwann vertrösten.