Jetzt ist die CVP im Zwiespalt

Margrit Wellingers (CVP) Kandidatur fürs Bernecker Gemeindepräsidium hat viele überrascht. Die CVP-Mitglieder nominierten zuvor sehr deutlich Rorschachs Stadtschreiber Bruno Seelos.

Gert Bruderer
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Der Blickwinkel der CVP ist anders, seit Margrit Wellinger als Chefin ins Rathaus (Bild) einziehen will. (Bild: Gert Bruderer)

Der Blickwinkel der CVP ist anders, seit Margrit Wellinger als Chefin ins Rathaus (Bild) einziehen will. (Bild: Gert Bruderer)

BERNECK. CVP-Präsident Peter Dietsche macht eine klare Ansage. Die Partei, für die Margrit Wellinger seit 2001 dem Gemeinderat angehört und seit elf Jahren als Vizepräsidentin tätig ist, wolle sich fair verhalten. Was das konkret bedeutet, ist indes noch offen. Nächste Woche wird der CVP-Vorstand zusammenkommen und über das weitere Vorgehen befinden.

CVP-Stamm: Name fiel nicht

Obschon Margrit Wellinger sich nicht auf regulärem Weg beworben, der Findungskommission also nicht ihre Unterlagen eingereicht hatte, wäre Peter Dietsche über die Bekanntgabe ihrer Kandidatur am CVP-Stamm vom 10. September nicht überrascht gewesen. Eine Aussage Dietsches ein paar Stunden vor diesem Stamm hatte gezeigt: Der CVP-Präsident war auf die Kandidatur eingestellt. Doch niemand brachte Wellingers Namen aufs Tapet.

FDPler in der Gunst der CVP

Die Dinge nahmen also ihren Lauf. Die von der Findungskommission ins Rennen geschickten Silvia Lenz, Werner Bolter und Rorschachs Stadtschreiber Bruno Seelos stellten sich vor – und die CVP-Mitglieder nominierten sehr deutlich Bruno Seelos. Zwei Dutzend Anwesende stimmten für ihn, ein halbes Dutzend enthielt sich der Stimme. Hätte auch Margrit Wellinger zu jenem Zeitpunkt bereits kandidiert, wäre ein ansehnlicher Teil der Stimmen – darin sind sich Beobachter einig – zu ihren Gunsten abgegeben worden. Ob es Margrit Wellinger allenfalls für die Stimmenmehrheit gereicht hätte, ist unklar.

Auf eigene Faust

Als Margrit Wellinger am 21. September bei der Gemeinde ihre Kandidatur einreichte, tat sie dies auf eigene Faust – und nicht im Namen der Partei. Andererseits ist und bleibt sie natürlich ein Aushängeschild eben dieser Partei. Obschon beidseitig beteuert wird, dass keine Unstimmigkeiten das Verhältnis trüben, befindet sich die CVP in einer ungemütlichen Lage. Der Grund ist offenkundig: Die Partei unterstützt seit dem 10. September offiziell einen FDP-Vertreter, obschon auch eine verdiente CVP-Lokalpolitikerin zur Wahl antritt.

Wähler nicht vor Kopf stossen

Eine der interessanten Fragen, die sich nun innerhalb der CVP stellen lassen, lautet so: Ist die Nominationsversammlung zu wiederholen? Damit ist nicht zu rechnen, zumal Margrit Wellinger die Möglichkeit gehabt hätte, sich vor dem CVP-Stamm zur Kandidatur zu entschliessen. Soll die CVP nun nicht nur Bruno Seelos, sondern zusätzlich Margrit Wellinger unterstützen und der (letztlich sowieso autonom entscheidenden) Wählerschaft den Rest überlassen? Oder tut die CVP gut daran, an ihrem Nominationsentscheid vom 10. September festzuhalten – und basta? Auf Wellingers Kandidatur nicht näher einzugehen, liesse sich aus Sicht der CVP begründen, stiesse aber einen Teil der CVP-Wählerinnen und -Wähler vor den Kopf.

Ganz gleich, was der CVP-Vorstand nächste Woche in dieser Sache beschliesst – keine Lösung des unliebsamen Problems wird wohl restlos befriedigen können.