«Jedermann ist willkommen, aber als Gast»

In den Wäldern der ganzen Waldregion St. Gallen werden derzeit Plakate aufgestellt. Sie sind Teil einer Sensibilisierungskampagne, mit der die Bevölkerung darauf hingewiesen werden soll, dass 60 Prozent der Waldfläche privaten Eigentümern gehören.

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Raphael Lüchinger Regionalförster Waldregion 1 St. Gallen (Bild: pd)

Raphael Lüchinger Regionalförster Waldregion 1 St. Gallen (Bild: pd)

In den Wäldern der ganzen Waldregion St. Gallen werden derzeit Plakate aufgestellt. Sie sind Teil einer Sensibilisierungskampagne, mit der die Bevölkerung darauf hingewiesen werden soll, dass 60 Prozent der Waldfläche privaten Eigentümern gehören. Regionalförster Raphael Lüchinger erklärt, warum es eine solche Kampagne sonst noch braucht.

Herr Lüchinger, was soll diese Sensibilisierungskampagne bewirken?

Wir haben festgestellt, dass vielen Leuten nicht bewusst ist, dass Wälder grösstenteils im Besitz privater Eigentümer sind. Viele denken, dass sie der öffentlichen Hand gehören und Allgemeingut sind. Mit dieser Aktion wollen wir der Bevölkerung aufzeigen, welche Leistungen die Waldbesitzer für die Öffentlichkeit erbringen.

Rund ums Siedlungsgebiet besteht seit Jahren eine Tendenz, alles anzuschreiben. Muss jetzt ausgerechnet die Waldregion den Schilderwald im Wald vorantreiben?

Für die ganze Waldregion 1 wurden 50 Tafeln angefertigt, in St. Gallen werden vier bis fünf aufgestellt. Wir werden sie nicht mitten in die Wälder plazieren, sondern dort, wo bereits Informationen angebracht sind. Und nach zwei bis drei Jahren werden sie wieder entfernt.

Ist es auch eine Präventionskampagne zum Schutz der Wälder?

Nicht in erster Linie. Wir wollen allerdings darauf hinweisen, dass Wälder zwar öffentlich sind, aber dass man bestimmte allgemeingültige Regeln befolgen sollte. Jedermann ist im Wald willkommen, sollte sich aber wie ein Gast verhalten.

Haben mutwillige Zerstörung von Pflanzen oder Littering in den St. Galler Wäldern in den vergangenen Jahren zugenommen?

Nein, das stellen wir nicht fest. Tatsache ist aber, dass man sich im Wald anonymer bewegen kann als in der Stadt. Die Sozialkontrolle ist wesentlich kleiner. An Feuerstellen beispielsweise wird immer wieder Abfall liegen gelassen. Dieses Problem gab es jedoch schon früher, und es ist nicht generell, sondern lokal.

Aber werden Wälder heute mehr beansprucht als früher?

Der Druck auf die Wälder hat durch das Freizeitverhalten der Bevölkerung eher zugenommen. Immer mehr Leute, seien es Sportler oder sonstige Waldbesucher, haben in den vergangenen Jahren den Wald für ihre Aktivitäten entdeckt. (dag)