Jeder Zehnte braucht neue Arbeit

Trauriger Rekord für Rorschach: Obwohl weniger Einwohner stellensuchend oder arbeitslos sind, führt die Hafenstadt die kantonale Statistik an. Hauptverantwortlich dafür seien billiger Wohnraum und hoher Ausländeranteil, sagt der RAV-Leiter.

Dominik Bärlocher
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Rorschach. In Rorschach leben derzeit 915 erwerbsfähige Männer und Frauen, die eine Arbeitsstelle suchen. Unter ihnen sind 294 Arbeitslose, also Menschen, die derzeit weder in einer Kündigungsfrist oder einem Praktikum sind noch an einer längeren arbeitsmarktlichen Massnahme teilnehmen.

Dies geht aus der Arbeitslosenstatistik des Kantons hervor. Sie zeigt für Rorschach eine Stellensuchendenquote von 10 Prozent und eine Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent. Damit führt die Hafenstadt die Statistik an. Als Gemeinde mit der zweithöchsten Quote folgt St. Margrethen mit 8,9 Prozent Stellensuchenden und 5,4 Prozent Arbeitslosen.

Deutlicher Rückgang

Immerhin sind die Arbeitslosenquote und der Prozentsatz der Stellensuchenden im vergangenen Jahr auch in Rorschach zurückgegangen. Im Dezember 2009 lag die Quote der Stellensuchenden bei 11,3 Prozent, die der Arbeitslosen bei 6,9 Prozent. In Zahlen bedeutet das, dass jetzt 62 Rorschacherinnen und Rorschacher weniger auf der Suche nach einer Stelle und 24 weniger arbeitslos sind.

Ausländer stärker betroffen

Die Gründe für die hohe Zahl der Arbeitslosen und Stellensuchenden sieht Roland Schleith, Leiter des hier zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums Heerbrugg, in der Struktur der Hafenstadt: «In Rorschach gibt es viel billigen Wohnraum.» Dies ziehe Menschen an, die nur wenig Geld zur Verfügung hätten. «Dazu gehören Ausländer, die kaum Deutsch sprechen, und Menschen, die einfache und repetitive Jobs haben.» Ausländer seien drei Mal stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, «da bei ihnen oft auch Qualifikationsprobleme vorliegen», fügt er an. «Daher kann es gut sein, dass ein Ausländer Erfahrung in einem Beruf hat, diesen aber nach Verlust seiner Stelle nicht mehr ausüben kann.»

Diese Bevölkerungsgruppen seien zudem oft in «prekären» Arbeitsverhältnissen oder arbeiteten temporär. «Das führt zu schnellen Kündigungen, wenn ein Arbeitgeber seine Fixkosten senken will», sagt Schleith.