Jassen, bis die Abrissbirne kommt

Das Bauprojekt der Raiffeisenbank Waldkirch ist ins Stocken geraten. So hat das «Pöstli» heute noch offen. Allerdings nur, wenn die Jasser kommen. Fürs Trumpfen, Stechen und Schiebern gehen im Dorf allmählich die Alternativen aus.

Sebastian Schneider
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Solange die Baubewilligung nicht erteilt ist, kann im Restaurant Post in Waldkirch gejasst werden. (Bild: Sebastian Schneider)

Solange die Baubewilligung nicht erteilt ist, kann im Restaurant Post in Waldkirch gejasst werden. (Bild: Sebastian Schneider)

WALDKIRCH. Die meterhohen Bauvisiere versinken im Nebel und sind kaum noch zu erkennen. Klare Sicht gibt es auch beim Bauvorhaben nicht, das die weissen Ständer rund um das Restaurant Post in Waldkirch ankünden. «Ich weiss wohl am wenigsten», sagt Marcel Studerus, Pächter des «Pöstli». Das Restaurant öffnet er nur noch aus Wohlwollen den Jassern gegenüber, die hier vormittags ihre Runden spielen. Studerus hat gehofft, dass im Herbst alles vorbei ist. Doch das Bauvorhaben ist ins Stocken geraten, der Abriss des ehemaligen Postgebäudes verzögert sich. «Ich will keine Gerüchte in die Welt setzen», sagt Studerus, der nun immer mehr «auswärts» arbeitet.

Widerstand gegen Projekt

Gleich vis-à-vis des «Pöstli», auf der anderen Seite der Dorfstrasse, befindet sich die Raiffeisenbank. Sie will das in die Jahre gekommene Gebäude abreissen und ein Geschäfts- und Wohnhaus bauen. Im Frühjahr hat das Geldinstitut ein Baugesuch eingereicht. «Wir sind am Warten», heisst es bei der Bank. Im Moment gebe es nicht mehr zu sagen.

Franz Müller, Gemeindepräsident von Waldkirch, weiss, warum es zu Verzögerungen gekommen ist: «Gegen das Projekt sind zwei Einsprachen erhoben worden», sagt Müller. Der zu knappe Abstand zur Strasse sei bemängelt worden. Die Einsprachen werden nun bearbeitet. Anfang Dezember soll über die Beanstandungen entschieden sein. Bis die Baubewilligung aber erteilt wird, kann es noch länger dauern. Denn bei einer allfälligen Zurückweisung der Einsprachen besteht immer noch die Möglichkeit, beim Kanton gegen den Entscheid zu rekurrieren.

Exodus der Jasser

Wie lange Marcel Studerus im «Pöstli» noch wirtet, ist also unklar. Bis dahin kommen die Jasser, pünktlich um 10.30 Uhr. Wohin gehen sie, wenn das «Pöstli» nicht mehr ist? Studerus zuckt mit den Schultern. «Nach Hauptwil vielleicht oder nach Andwil.» In Waldkirch selber gibt es nicht mehr viele Alternativen. Das «Dorfkafi», ebenfalls an der Dorfstrasse, ist tagsüber nicht jederzeit geöffnet. Ohnehin werde hier nicht oft gejasst, sagt die Kellnerin. Dafür würden vor allem junge Waldkircher hier abends viel Zeit verbringen.

Als «konventionelles» Restaurant sieht der Wirt Ruedi Eilinger sein Restaurant, den «Sennhof» in Edlischwil. Er habe tagsüber jederzeit offen, weshalb es möglich sei, sich auch ausserhalb der Essenszeiten zu treffen und eben auch zu jassen. Allerdings gebe es immer weniger Jasser, sagt Eilinger. Und am Dienstag sei es bald auch nicht mehr möglich, auf einen «Schieber» vorbeizukommen, weil ab 2015 an diesem Tag der «Sennhof» geschlossen sein wird (siehe Zweittext).