Japan zu Gast im Kornhaus

RORSCHACH. Das zwölfte «Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender» reist nach Japan. Im Kornhaus zeigen Yoko Mroczek und Hans Jörg Bachmann ab 5. September in Bildern und Fotografien ihre Sicht auf das Leben im Land der aufgehenden Sonne.

Andrea Sterchi
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Diese Fotografie eines Shinto-Prozessionsteilnehmers zeigte Hans Jörg Bachmann an der Japan-Ausstellung. (Bild: Hans Jörg Bachmann)

Diese Fotografie eines Shinto-Prozessionsteilnehmers zeigte Hans Jörg Bachmann an der Japan-Ausstellung. (Bild: Hans Jörg Bachmann)

1864 unterschrieben die Schweiz und Japan einen Handels- und Freundschaftsvertrag und begründeten damit die diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern. Deren 150jähriges Bestehen wurde im vergangenen Jahr mit zahlreichen kulturellen Anlässen gefeiert. Das zwölfte «Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender» knüpft an diese Freundschaft an. Der veranstaltende Verein KulturFrühling stellt dazu die Arbeiten zweier Kunstschaffender aus den beiden Ländern gegenüber.

Sprache mit Farbe und Form

Beide Künstler sind keine Unbekannten in der Ostschweiz. Die Japanerin Yoko Mroczek lebte mehrere Jahre in St. Gallen bevor sie mit ihrer Familie nach Japan zurückkehrte. Als Tochter einer amerikanischen Krankenschwester und eines japanischen Arztes kam sie 1975 in Nagano zur Welt. In Tokyo studierte sie grafisches Design, danach Siebdruck und andere Drucktechniken an der Kunsthochschule Bergen in Norwegen sowie an der Bauhaus-Universität in Weimar und Szenografie an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie setze sich in ihrem vielschichtigen Schaffen mit der individuellen und kulturellen Prägung von Erinnerung und Wahrnehmung sowie mit Kernproblemen der japanischen Gesellschaft auseinander, heisst es in einer Mitteilung des KulturFrühlings. So thematisiert sie etwa im Bild mit dem Namen «Yamanote-sen» die langen Arbeitszeiten in Japan, indem sie eine märchenhafte Frauengestalt in der U-Bahn neben einen müden Reisenden setzt. Die geheimnisvolle Aura der Frau vermag aber die Aufmerksamkeit der Fahrgäste auf dieser wichtigsten U-Bahn-Linie Tokyos nicht zu wecken.

Fotos, Tusch und Lyrik

Hans Jörg Bachmann wurde 1949 in Arbon geboren, heute lebt und arbeitet er in Biel. Er erwarb das Sekundarlehrerdiplom in St. Gallen und studierte danach an der Hochschule der Künste in Berlin. Lange Jahre war er als Lehrer für bildnerisches Gestalten tätig. Und er ist Mitbegründer der Kunsthalle St. Gallen. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Hans Jörg Bachmann mit der japanischen Fotografie, Tuschemalerei und Literatur. Vor zwei Jahren reiste er das erste Mal nach Japan und verbrachte mehrere Monate in Kyoto. Auch dieses Jahr statte er dem Land, dessen Fotokunst ihn so fasziniere, einen Besuch ab. Im Rorschacher Kornhaus zeigt er grossformatige Landschaftszeichnungen und kleinformatige Ink-Aquarelle auf Reispapier. Als Vorlage für die mehrteiligen Arbeiten dienten ihm das während seiner Japanaufenthalte gesammelte Bildmaterial sowie dort entstandene Skizzenbücher und Fotodokumentation von Landschaften. Die visuellen Eindrücke aus der Erinnerung seien es, die den Bambuskiel intuitiv über die weissen Blätter führen liesse, schreiben die Veranstalter. Und: Die Suche nach der idealen Landschaft sei auch eine Suche nach der mythologischen Landschaft und somit auch Ausdruck einer persönlichen Befindlichkeit. Fotografien von Hans Bachmann waren 2014 auch an der Japan-Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen zu sehen.

Das zwölfte «Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender» im Projektraum am See im Kornhaus beginnt am kommenden Samstag, 5. September, und dauert bis am Sonntag, 20. September.

Der nie produzierte Prototyp einer Puppe diente Yoko Mroczek als Vorlage für diesen Siebdruck. (Bild: Archiv/Urs Bucher)

Der nie produzierte Prototyp einer Puppe diente Yoko Mroczek als Vorlage für diesen Siebdruck. (Bild: Archiv/Urs Bucher)