Jakobspilger auf Umwegen

Alois Ambauen hat bei der Stadt einen Antrag für eine neue Linienführung des Jakobswegs eingereicht. Der Weg soll die Pilgerscharen an mehr Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeiführen – und nur etwa zehn Minuten länger dauern.

Lea Müller
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Alois Ambauen beantragt, den Jakobsweg zwischen Jugendkirche und evang. Kirche hindurch zum Seminar Mariaberg hinauf «umzuleiten». (Bild: Lea Müller)

Alois Ambauen beantragt, den Jakobsweg zwischen Jugendkirche und evang. Kirche hindurch zum Seminar Mariaberg hinauf «umzuleiten». (Bild: Lea Müller)

Rorschach. Alois Ambauen weist Pilger wieder auf den rechten Weg. Unterhalb der Seminaranlage Mariaberg trifft er regelmässig ratlose Wanderer an, die nach dem Jakobsweg suchen und weit und breit keine Beschilderung mehr finden. Pilger, die im Hafen nicht genau auf die Signalisation achten, zieht es laut Alois Ambauen intuitiv hier hinauf. Doch das Mariaberg liegt wie so viele andere geschichtsträchtige Gebäude der Stadt gar nicht am offiziellen Jakobsweg. Das möchte Alois Ambauen jetzt ändern.

«Ich schlage einen einfacheren Weg vor, der an den Wahrzeichen unserer Hafenstadt vorbeiführt», sagt der Mitarbeiter der Technischen Betriebe der Stadt. «Rorschach als Startpunkt des Schweizer Jakobswegs hat eindeutig Verbesserungspotenzial.»

Mit Sicht auf den Bodensee

Der offizielle Jakobsweg verläuft momentan auf direktem Weg durch Rorschach in Richtung Untereggen.

Vom Hafen führt der Weg die Signalstrasse hinauf bis zum Bahnübergang direkt bei der Haltestelle Stadt. Dann geht es in südwestlicher Richtung weiter in die Feldmühlestrasse, wo die Jakobspilger rechts in den Grünhofweg abbiegen. Danach überqueren sie die Schulanlage Pestalozzi und erreichen über die Industriestrasse die Appenzellerstrasse, die schliesslich stadtauswärts führt.

Schon kurz nach dem Start lässt der Weg nach Meinung von Alois Ambauen zwei entscheidende Sehenswürdigkeiten aus: Das Kornhaus und den Jakobsbrunnen. Auf «seinem» neuen Weg schlägt er deshalb vor, beim Hafen nach rechts zum Jakobsbrunnen zu gehen. Danach geht es über den Marktplatz hinauf am BZR vorbei. Beim Bahnübergang soll dann eine entscheidende Neuerung erfolgen: Pilger biegen nicht in die Feldmühlestrasse ab, sondern gehen nach links die Signalstrasse hinauf. Rechts und links können die Pilger dabei die evangelische Kirche sowie die Jugendkirche betrachten.

«Auch die Sicht auf den Bodensee können wir hier viel besser geniessen als im Industriegebiet bei der Feldmühlestrasse», argumentiert Alois Ambauen. Der Weg geht unterhalb der Seminaranlage Mariaberg weiter und führt in die Franklinstrasse. Bei der Kreuzung Wiesenstrasse ist ein Bildstöcklein am Wegrand ein weiterer Blickfang für die Reisenden. Am Ende der Wiesenstrasse soll Alois Ambauens Weg schliesslich wieder in den offiziellen Weg, in die Appenzellerstrasse, münden.

Experten nehmen Stellung

Die Idee für eine neue Linienführung des Jakobswegs durch Rorschach entstand, als Alois Ambauen von seiner eigenen Pilgerreise zurückkehrte. «Mir fiel auf, dass der Weg in Rorschach wenig attraktiv ist für Pilger.» Er reichte seinen Antrag beim Bereich Bau und Stadtentwicklung Rorschach ein. Dieser leitete den Vorschlag zur Stellungnahme an die Schweizerische Jakobsgesellschaft und an Daniel Schöbi von der Fachstelle für Langsamverkehr des Kantons St. Gallen weiter.

Im Moment wird die Variante des neuen Jakobswegs von den Experten geprüft. Laut Daniel Schöbi würde die Umlegung des Weges einen Teilstrassenplan bedingen. Zur Diskussion steht laut Erika Pertzel von der Schweizerischen Jakobsgesellschaft noch eine weitere Variante, bei welcher lediglich der Jakobsbrunnen in die Strecke integriert wird und die Schulanlage Pestalozzi umgangen wird. «Auf dem Pausenplatz verlieren viele Pilger ihren Weg», begründet sie. Weitere Neuerungen erachtet sie nicht unbedingt als notwendig.

Alois Ambauen hingegen hofft, dass sein Vorschlag umgesetzt werden kann – auch wenn seine Variante für die Pilger einen «kleinen Umweg» von etwa zehn Minuten bedeuten würde.

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