Jahre zu wenig verrechnet

Die Sekundarschule Arbon korrigiert eine Fehlrechnung ihrer früheren Behörde. Steinach zahlt pro Schüler statt 15 672 künftig 24 500 Franken. Was die Steinacher FDP verärgert.

Max Eichenberger
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Ein Staatsvertrag regelt die Beschulung der Steinacher Oberstufenschüler durch die Schulgemeinde Arbon. (Bild: Max Eichenberger)

Ein Staatsvertrag regelt die Beschulung der Steinacher Oberstufenschüler durch die Schulgemeinde Arbon. (Bild: Max Eichenberger)

STEINACH/ARBON. 600 000 Franken jährlich soll Steinach künftig mehr an die Sekundarschulgemeinde Arbon entrichten. Das ist happig, findet die FDP der sanktgallischen Nachbargemeinde. Die Erhöhung des Schulgeldes um 50 Prozent will sie so nicht einfach schlucken. FDP-Präsident Diego Studerus fordert, Alternativen zu Arbon als Schulort für die Steinacher Oberstufenschüler zu prüfen – und damit die Auflösung des Staatsvertrages.

Steinacher nach Arbon

Dieser Staatsvertrag zwischen den Kantonen St. Gallen und Thurgau regelt die Beschulung der Steinacher Schüler über der Kantonsgrenze durch die Sekundarschule Arbon. Unterrichtet werden Kinder in Steinach von der 1. bis zur 6. Klasse in der örtlichen Primarschule. Bis 2009 war es usus, aber nicht explizit Pflicht, dass Steinacher die Sekundarschule in Arbon besuchen. Seitdem finanziert die Schule Steinach allerdings keinen Schulbesuch mehr andernorts mit, etwa in der St. Galler «Flade». Das St. Galler Bildungsdepartement stützte diese Praxis. Dies nicht zuletzt zugunsten der leistungsschwächeren Schüler: «Die Vereinbarung monopolisiert den öffentlich finanzierten Besuch der Oberstufe in Arbon.» Seit Steinach den Hahnen zudrehte und öffentliche Schulgelder nur noch nach Arbon überwies, gab es weniger «Abtrünnige». Die SSG Arbon hatte diese Planungssicherheit im Hinblick auf ihre Bauinvestitionen beansprucht.

Ein Zückerchen indes verabreichte die damalige SSG-Behörde den Steinachern, um Goodwill für eine hohe Beschulungsquote zu schaffen: sie senkte das Schulgeld. Die 16 000 Franken je Schüler lägen «im Mittel der effektiven Kosten der letzten Jahre», hiess es damals. Es gab aber Stimmen, die diese Berechnung in Zweifel gezogen hatten.

Den «Dumping-Tarif»-Vorwurf wies der vormalige SSG-Präsident Hanspeter Keller jedoch zurück: Es werde «kein Steuergeld nach Steinach verschenkt». Und: «Steinach zahlt nicht zu wenig. Das Schulgeld deckt die Vollkosten.» Diese früheren Aussagen nimmt Diego Studerus in seiner Kritik zum Nennwert. Doch hat sich diese Rechnung als falsch herausgestellt, weil neue schulische Angebote im Berechnungsfokus vernachlässigt wurden.

Kanton moniert Unterdeckung

Zwar ist der Beitrag auf 17 652 Franken angepasst worden. Doch merkte die Finanzabteilung des kantonalen Amtes für Volksschule in ihrer im Frühling 2014 vorgelegten Finanzanalyse, welche die neue Schulbehörde in Auftrag gegeben hatte, eine deutliche Unterdeckung an. Dies sei jetzt, auch auf Geheiss des Kantons, zu korrigieren, begründet SSG-Präsident Robert Schwarzer die Anhebung des Steinacher Schulgeldes auf 24 500 Franken, was auch der Steinacher Schulrat anerkenne.

Es sei nicht so, wie FDP-Präsident Diego Studerus folgert, dass die Aufwendungen pro Schüler innert fünf Jahren um 50 Prozent gestiegen wären. Vielmehr hätten die Steinacher «während Jahren massiv zu wenig Schulgeld bezahlt». Was aber nicht ihnen anzulasten sei, betont Schwarzer, der 2013 Kellers Erbe angetreten hatte. Der Grund und das Versäumnis liege in Arbon bei der SSG: «Sie hat in der Vergangenheit nicht die Vollkosten pro Schüler in Rechnung gestellt.» Die Situation aber, dass die SSG quasi Steinach subventioniere, sei «nicht mehr haltbar». Insofern bestehe kein Grund zur Empörung.

«Ausgezeichnete Gegenleistung»

Studerus drängt trotzdem, alternative Lösungen zu sondieren. Angeblich würde eine Privatschule die Oberstufe in Steinach «fast 13 Prozent günstiger anbieten». Sollte Steinach neue Varianten der Beschulung prüfen, so könne die SSG das zwar nicht verhindern, sagt Schwarzer. Für ihn ist aber klar: «Steinach erhält für sein Geld eine qualitativ hochstehende und konkurrenzfähige Gegenleistung.» Er verweist auf die Nachbargemeinde Horn, wo 2012 die Schülerkosten 25 722 Franken betragen hätten. Der Preis sei nicht das allein entscheidende Kriterium. «Selbstverständlich freuen wir uns, die Steinacher Oberstufenschüler weiter beschulen zu dürfen. Bedauerlich fände ich es, wenn sie zum Spielball eines parteipolitischen Profilierungsgehabes würden.»

Diego Studerus Präsident der FDP Steinach

Diego Studerus Präsident der FDP Steinach

Robert Schwarzer Präsident Sekundarschule Arbon (Bild: Picasa)

Robert Schwarzer Präsident Sekundarschule Arbon (Bild: Picasa)

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