Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

JAGEN IN DER STADT: Schiessen, wenn keine Jogger unterwegs sind

Herbstzeit ist Wildzeit. In manch einer Pfanne landet ein städtisches Rehschnitzel. Denn auch auf Stadtgebiet wird gejagt. Das ist aber besonders schwer, weil sich die Jäger den Wald mit Joggern und Bikern teilen.
Marlen Hämmerli
Jäger Christoph Martin ist mit seinem Hund häufig in Schaugen-Guggeien unterwegs. Beute zu machen sei aber nicht das Ziel. Bild: Benjamin Manser

Jäger Christoph Martin ist mit seinem Hund häufig in Schaugen-Guggeien unterwegs. Beute zu machen sei aber nicht das Ziel. Bild: Benjamin Manser

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Im Herbst wird geschlemmt: Kürbissuppe, Pilzragout und Rehrücken – es ist die Zeit der Ernte und der Jagd. Das werden auch die Anwohner des Hagenbuchwalds bald wieder merken, denn dort befindet sich mit Schaugen-Guggeien eines von drei Jagdgebieten auf städtischem Boden. Auf Grund der Siedlungsdichte ist die Jagd in St.Gallen eine besondere Herausforderung.

«Den Hagenbuchwald bejagen wir nur zweimal pro Jahr, weil dort besonders viele Leute unterwegs sind», sagt Peter Weigelt, Präsident des St.Gallischen Jägervereins Hubertus. Damit die Anwohner möglichst nicht gestört werden, führt die Jagdgesellschaft zwei Gesellschaftsjagden durch. «Wir bejagen das Gebiet mit mehreren Jägern. Bewusst je an einem Samstagmorgen im November und Dezember, wenn kaum Hündeler, Jogger und andere Personen unterwegs sind.»

In Stadtnähe nicht zu jagen, ist keine Lösung

Den Hagenbuchwald sowie den angrenzenden Achslenwald nicht zu bejagen, wäre keine Lösung, wie das Beispiel des Goldachtobels zeigt. «Erst jagten wird dort nicht, weil es sehr steil ist. Der Förster fragte dann aber, ob wir dort schiessen können», sagt der ehemalige FDP-Nationalrat. Der Wildbestand müsse reguliert werden, vor allem wegen der Rehverbisse bei Weisstannen.

«Das Hauptproblem sind die vielen Störungen», sagt Weigelt, der selbst im Revier Schaugen-Guggeien lebt. Im Jagdgebiet seien nicht nur Hündeler und Jogger unterwegs, sondern auch Reiter und Biker. Bei Gesellschaftsjagden stellen die Jäger deshalb Warntafeln auf und informieren die Stadtpolizei: «Manchmal rufen Anwohner dort an und sagen, im Wald werde geschossen.» Grundsätzlich seien die Leute aber verständnisvoll.

Biker fahren querfeldein und stören die Wildtiere

Die vielen Leute im Wald setzen die Wildtiere unter Druck. Zwar gebe es keine Probleme, solange die Leute auf den Wegen blieben. «Das Wild ist sich das gewohnt.» Problematisch seien hingegen die Biker: «Diese fahren quer durch den Wald und über Wiesen und Felder. Das verunsichert die Tiere.» Die Rehe trauen sich laut Weigelt kaum noch zum Äsen und Weiden raus: «Sie zeigen sich erst kurz vor Sonnenuntergang. Doch im Dunkeln können wir nicht schiessen.

» Insgesamt müssen dieses Jahr in den drei städtischen Jagdgebieten 80 Rehe erlegt werden. Im Jagdgebiet Schaugen-Guggeien sind es nach Vorgabe des Kantons 21 Rehe. Bisher gelang es laut Weigelt immer, die Tiere innerhalb der gesetzten Jagdzeiten zu erlegen.» Weil die Rehe kaum mehr austreten, brauche es aber immer mehr Aufwand, um das Soll zu erfüllen. Dem kann Christoph Martin, der ebenfalls im Gebiet Schaugen-Guggeien jagt, nur beipflichten: «Wenn ich am Abend ein Stück Fleisch essen möchte, gehe ich besser zum Metzger.»

Das Schiessen ist laut Martin aber auch nicht die Hauptsache. «Von der ganzen Zeit, die ich draussen bin, macht das Jagen keine zehn Prozent aus.» Denn die wichtigste Aufgabe der Jagdgesellschaften ist die sogenannte Hege und Pflege (siehe Zweittext). Im Gespräch mit Martin wird deutlich: Die Jäger pflegen den Lebensraum des Wilds aus Liebe zur Natur. «Ich bin oft ohne Waffe unterwegs. Mein Ziel ist es nicht, Beute zu machen.» Viel lieber sitzt er auf einen Baumstrunk, den Jagdhund neben sich, geniesst die Ruhe und beobachtet. «Wenn ich dann viele Tiere sehe, weiss ich, dass ich es richtig gemacht habe.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.