Italienisch ist Teil der Schweizer Kultur

Viele Bereiche werden von den Entlastungsmassnahmen im St. Galler Finanzhaushalt betroffen sein, die nun dem Kantonsparlament vorgelegt werden. Es handelt sich um Beitragskürzungen, die natürlich nicht gerne gesehen werden.

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Renato Martinoni Professor für italienische Sprache und Literatur an der Universität St. Gallen (Bild: Quelle)

Renato Martinoni Professor für italienische Sprache und Literatur an der Universität St. Gallen (Bild: Quelle)

Viele Bereiche werden von den Entlastungsmassnahmen im St. Galler Finanzhaushalt betroffen sein, die nun dem Kantonsparlament vorgelegt werden. Es handelt sich um Beitragskürzungen, die natürlich nicht gerne gesehen werden. Deswegen ist es sehr schwierig, wenn nicht unangebracht, jetzt schon Bemerkungen darüber fallen zu lassen.

Aber unter den betroffenen Sektoren ist auch die italienische Sprache.

Meine Absicht ist nicht, die verantwortungsbewussten Projekte, die dazu dienen sollen, die Haushaltskosten einzudämmen, zu beanstanden. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass eine solche Entscheidung die italienische Sprache stark benachteiligen kann. Erstens, weil demjenigen, der Italienisch schon in der Schule lernen möchte, der Weg versperrt wird. Und zweitens, weil dies einen Domino-Effekt in den anderen schweizerischen Kantonen auslösen würde.

Im Tessin italienisch reden

Aber vor allem darum – und das ist das Wichtigste, kein Schweizer Staatsbürger darf es je vergessen –, weil das Italienisch keine gewöhnliche Sprache ist. Es betrifft nicht nur das Tessin und Graubünden, sondern die ganze Schweiz. Es ist unbedeutend, ob die italienische Sprache eine Modeerscheinung ist oder nur wenige sie als Schulfach wählen.

Wir sollten nicht vergessen, dass ihre spärliche Verbreitung vor allem davon abhängt, dass sie kein Schwerpunktfach für die Matura ist, ausser im Kanton Graubünden. Ich möchte nicht als Tessiner daran erinnern, dass viele St. Galler Bürger heute noch gerne ins Tessin reisen, entweder als Touristen oder auch nur weil sie dort einen zweiten Wohnsitz haben. Natürlich können sie es machen, indem sie deutsch oder St.

Galler-Dütsch reden; aber sie können es auch besuchen, indem sie, und dies wäre eine sehr schöne Vorstellung, ein bisschen italienisch reden können.

Ein verächtliches Zeichen

Wichtig erscheint mir aber, dass wir nicht vergessen sollten, dass Italienisch immerhin die dritte Landessprache ist. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des helvetischen Föderalismus: Wir sprechen hier nicht vom solidarischen Föderalismus, der in der Schweiz immer mehr abnimmt, sondern vom institutionellen.

Italienisch an den St. Galler Schulen abzuschaffen ist ein gefährliches und verächtliches Zeichen. Nicht unbedeutend ist zudem die Tatsache, dass die italienische Sprache ein Teil der St. Galler Geschichte und Kultur ist. Eine Entscheidung dieser Art würde die nationale Einigkeit schwächen. Diese Einigkeit, wesentlicher Bestandteil der schweizerischen Existenz, hat ihren Preis: Teil dieses Preises ist auch die Förderung der kulturellen Basis, die den Föderalismus gründet, seitens der Kantone.

Auch der Kanton Tessin investiert viel, damit in seinen Schulen Französisch und Deutsch gelehrt und gelernt wird. Wieso soll dies nicht auch in den anderen Kantonen der Fall sein?

Indem der Kanton St. Gallen Italienisch aus den Schulen verbannt, stellt er die Solidarität und den Geist des helvetischen Föderalismus in Frage. Würde Italienisch gerettet, wie erhofft, wäre das eine sehr mutige und weitsichtige Tat. U

nd wäre das nicht, in einer Zeit, in der die nationale Einigkeit in Gefahr ist, ein starkes Signal für die ganze Schweiz?

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