INTERNET: Kein Relax-TV aus Gaiserwald

Die Gemeinde Gaiserwald vertreibt ab nächstem Jahr keine eigenen Produkte mehr auf ihrem Netz. Telefon- und Internet-Dienstleistungen müssen dann bei den Technischen Betrieben Wil bestellt werden.

Adrian Lemmenmeier
Drucken
Teilen
Das Gaiserwalder Glasfasernetz bleibt im Besitz der Gemeinde. (Symbolbild: Carlo Reguzzi/Keystone)

Das Gaiserwalder Glasfasernetz bleibt im Besitz der Gemeinde. (Symbolbild: Carlo Reguzzi/Keystone)

Wer in Engelburg, Abtwil oder St. Josefen wohnt und eine schnelle Interverbindung haben will, kann beim gemeindeeigenen Anbieter gaiserwald.net ein entsprechendes Abonnement bestellen. Zumindest noch in diesem Jahr. Denn auf 1. Januar 2019 verzichtet die Gaiserwalder Gemeinschaftsantennenanlage darauf, eigene Produkte zusammenzustellen und zu verkaufen. Abonnemente für Internet, Telefon und Internet-TV müssen dann über die «Thurcom» bezogen werden, ein Anbieter der Technischen Betriebe Wil. Das Glasfasernetz bleibt weiterhin im Besitz der Gemeinde.

Zu klein für den Markt

«Wir sind ein kleiner, aber nicht unbedeutender Mitspieler im Telekom-Markt», sagt Marcel Rey, Präsident der Betriebskommission der Gemeinschaftsantennenanlage Gaiserwald. «Mit dem zunehmenden Preisdruck können wir nicht mithalten.» Denn die grossen Firmen würden ihr Angebot im Halbjahresrhythmus anpassen. Die Zusammenarbeit mit der «Thurcom» ermögliche den Kunden, weiterhin zeitgemässe Internetprodukte zu beziehen. «Sie erhalten eine schnellere Verbindung zum gleichen Preis oder die gleiche Verbindung zu tieferen Preisen», verspricht Rey. Die laufenden Abonnemente für Internet oder Relax-TV werden in der zweiten Hälfte dieses Jahres in ein passendes Thurcom-Produkt überführt. Der Wiler Anbieter bedient derzeit gut 35000 Kunden in 33 Gemeinden. «Analoges Radio und Fernsehen kann weiterhin über die gaiserwald.net bezogen werden», sagt Rey. Die Gaiserwalder Gemeinschaftsantenne hat 2180 Kunden. Gut 1000 davon nutzen das Internet und Relax-TV. Andere beziehen analoges Radio und Fernsehen.

Die Swisscom ist keine direkte Konkurrenz

Gaiserwald war in Sachen Glasfasernetz ein Frühstarter: Als 2006 die Cablecom damit begann, analoge Sender auszuschalten, nahm die Gemeinde das Heft in die Hand und stellte von Kupfer- auf Glasfasertechnologie um. In einem ersten Schritt zog man die Leitungen bis an die Häuser. Später musste man aber feststellen, dass nur wenige Einwohner den Anschluss auf eigene Rechnung bis in die Wohnung verlegen liessen. Für das Netz, das ohnehin 1,4 Millionen Franken mehr kostete als geplant, musste 2015 ein neuer Kredit von 3,65 Million beantragt werden. Damit wurden die Kabel bis in die Wohnungen gezogen. Mittlerweile sind 99,8 Prozent der Haushalte und Geschäfte ans Netz angeschlossen. «Wir sind praktisch fertig», sagt Rey.

Vor einem halben Jahr liess dann die Swisscom verlauten, ebenfalls Glasfaserkabel in Gaiserwald zu verlegen. Reagiert man mit der Auslagerung der Internetprodukte auf die Konkurrenz durch die Swissom? «Überhaupt nicht», sagt Rey. Denn die Swisscom verlege die Glasfaserkabel nur im FTTS-Bereich (Fibre to the Street). Für die Leitung in die Wohnungen sei sie nach wie vor auf Kupferkabel angewiesen. «Deshalb können wir schnellere Verbindungen anbieten als die Swisscom», sagt Rey. Derzeit kann man über das Gaiserwalder Glasfasernetz mit bis zu 250 Megabits pro Sekunde surfen. «Nächstes Jahr kann man auch ein Gigabit bestellen.» Dann allerdings nicht mehr bei der gaiserwald.net, sondern bei der Wiler «Thurcom».