Interessenten sind noch in Deckung

Bauchef Willi Haag nimmt den Hut und kehrt der Politik den Rücken. Untätig wird er in Pension kaum sein – ganz sicher bleibt mehr Zeit fürs Lauftraining. Auf einen Langstreckenlauf müssen sich auch mögliche Aspiranten für seine Nachfolge einstellen.

Regula Weik
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Es war ein offenes Geheimnis, dass er nicht wieder antritt. Doch über den Zeitpunkt seines Rückzugs hat Willi Haag eisern geschwiegen. «Der Zeitpunkt wird kommen», war seine lakonische Antwort auf die bald schon rituelle Frage. Gestern ist er gekommen – der Zeitpunkt für die Verzichtsankündigung.

Seine Partei hat er damit nicht überrumpelt. Auch wenn sie ihn nie gedrängt hat – offiziell zumindest. Und so dürften in den vergangenen Wochen und Monaten die eine und der andere Freisinnige die Chancen einer allfälligen Kandidatur ausgelotet haben. In die Karten blicken lässt sich freilich niemand. Umgekehrt drängt sich heute kein Name derart auf, dass alle andern ihre möglichen Ambitionen gleich zu begraben brauchen.

Versucht es Tinner nochmals?

Einer, der schon einmal zum Sprung in die Pfalz angesetzt hat, ist Beat Tinner. Vor vier Jahren blieb er in der parteiinternen Ausmarchung gegen Martin Klöti chancenlos. Tinner ist seit bald 20 Jahren Gemeindepräsident von Wartau, seit 2000 Kantonsrat und Präsident der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidenten. Damit ist bereits sein Handicap angetönt: Hinter vorgehaltener Hand ist vielen bei Tinner nicht wohl; er habe zu viele Hüte auf – und diese erst noch einmal so herum, einmal anders herum.

Einer, dem immer mal wieder magistrale Ambitionen nachgesagt werden, ist Walter Locher. Der Stadtsanktgaller Anwalt und Kantonsrat ist Politroutinier genug, um sich nicht aufs Glatteis führen zu lassen. Seine Antwort überrascht deshalb wenig: «Ich sage heute weder Ja noch Nein.»

Findungskommission steht

Nächste Station: Marc Mächler, Parteipräsident und Kantonsrat. Karin Keller-Sutter hat ihm den Weg vorgezeichnet: Parteipräsidium, Pfalz, Bern. Mächler lacht: «Die Regierung ist eine Option, die ich prüfe.» Und als Parteipräsident fügt er an: «Die Findungskommission für die Nachfolge von Willi Haag ist bestellt.» Deren Leitung hat Vreni Wild; die Kantonsrätin und Gemeindepräsidentin von Neckertal fällt somit als Kandidatin weg.

Eine Frau mit Exekutiverfahrung wäre Imelda Stadler. Die Gemeindepräsidentin von Lütisburg und Kantonsrätin wurde bei den letzten Nationalratswahlen zweiter Ersatz hinter Kurt Weigelt. Stadler ist auch diesen Herbst bereit zum Sprung nach Bern. Anders der Direktor der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell. Spienzelt er auf den freien FDP-Regierungssitz? Mit seinen Ideen zu Spitälern auf der grünen Wiese oder ETH in Wil dürfte Weigelt Anhänger gewonnen haben – und nicht minder auch Kritiker.

Exekutiverfahrung brächte auch Robert Raths mit. Der Gemeindepräsident von Staad wird zwar als möglicher nächster Rorschacher Stadtpräsident gehandelt, falls Thomas Müller in Bern der Kammerwechsel glückt. Raths hätte wohl nichts dagegen, Rorschach zu überfliegen und direkt in St. Gallen zu landen.

Zusätzliche Gelüste

Apropos fliegen: Der Grabser Kantonsrat Paul Schlegel würde vermutlich lieber mit Bundesrat Schneider-Ammann im Helikopter nach Bern fliegen und im Nationalrat Platz nehmen. Doch falls Schlegel im Herbst nicht abzuheben vermag, dürfte er den St. Galler Klosterplatz als neuen Landeplatz ins Auge fassen. Bleibt Fraktionschef Reinhard Rüesch. Er hat in der Vergangenheit schon abgewinkt.

Nicht zu vergessen: die anderen Parteien. Der zweite freie Regierungssitz wird bei ihnen zusätzliche Gelüste wecken.