INTEGRATION: Mehr Geld für Aida

Frauen mit tiefem Einkommen können sich kaum mehr Sprachkurse leisten, seit die kantonalen Beiträge gekürzt wurden. Der Stadtrat will die Frauen unterstützen.

Christina Weder
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Kursteilnehmerinnen in der Aida, der Schule für fremdsprachige Frauen: Sie sollen nicht mehr bezahlen als bis anhin. (Bild: Coralie Wenger (11.6.2012))

Kursteilnehmerinnen in der Aida, der Schule für fremdsprachige Frauen: Sie sollen nicht mehr bezahlen als bis anhin. (Bild: Coralie Wenger (11.6.2012))

Christina Weder

christina.weder@bluewin.ch

Aida, die Schule für fremdsprachige Frauen in St. Gallen, sieht einen Hoffnungsschimmer: Der St. Galler Stadtrat beantragt beim Parlament, die Subvention für die Sprachschule um 80000 Franken zu erhöhen. Damit würde sich der städtische Beitrag praktisch verdoppeln. Bis jetzt wurde Aida jährlich mit 76500 Franken unterstützt. Neu würde die Schule 156500 Franken erhalten. Zudem soll für das laufende Jahr mittels Nachtragskredit ein Subventionsbeitrag von 80000 Franken gewährt werden.

Einschneidende Kürzungen

Der Stadtrat begründet sein Vorhaben mit den Kürzungen in der Sprachförderung auf kantonaler Ebene. Diese hätten finanzielle Nachteile für Migrantinnen und Migranten zur Folge – insbesondere für solche mit tiefem Einkommen. Denn wer einen Sprachkurs besuchen will, muss seit Anfang Jahr deutlich tiefer in die eigene Tasche greifen. Statt 500 Lektionen werden nur noch 120 mitfinanziert. Zudem ist der maximale Beitrag pro Lektion von 10 auf 5 Franken halbiert worden. Für Kursteilnehmer der untersten Einkommensstufe betrage die Kürzung der finanziellen Beihilfe 88 Prozent.

Laut Stadtrat besteht damit die Gefahr, dass sich Personen mit tiefem Einkommen – insbesondere Frauen – keine Sprachkurse mehr leisten können. «Das wäre ein bedeutender Rückschritt in den Integrationsbemühungen der Stadt», schreibt er in der Vorlage. Er zeigt sich gewillt, in die Lücke zu springen. Einkommensschwache Frauen sollen die Kurse zu denselben Konditionen besuchen können wie bis anhin.

Aus diesem Grund will er die Subventionen für die Sprachschule Aida, die vor 25 Jahren gegründet wurde, erhöhen. Wie es in der Vorlage heisst, waren 90 Prozent ihrer Schülerinnen in den vergangenen Jahren in der niedrigsten Tarifstufe eingeteilt, was ihr steuerbares Einkommen anbelangt. Als Einzelperson verfügten sie über maximal 35000 Franken, als Familie über maximal 50000 Franken.

Derzeit besuchen rund 260 Frauen mit Wohnsitz in der Stadt einen Kurs der Sprachschule Aida an der Merkurstrasse 2. Das Angebot umfasst 40 Kurse auf allen Sprachniveaus. Dazu kommen Kurse für Kinder zwischen zwei und vier Jahren.

Mehr als nur ein Sprachkurs

Der Stadtrat gesteht ein, dass die Subventionierung der Aida-Kurse eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen kommerziellen Sprachschulen in der Stadt darstellt. Dennoch sieht er sein Vorhaben als gerechtfertigt. Denn Aida sei die einzige Sprachschule in der Stadt, die sich besonders an bildungsferne und sozial benachteiligte Frauen richte.

Sie fördere sowohl den Spracherwerb als auch die soziale Integration. Ihr Angebot umfasst neben Alphabetisierungs- und Sprachkursen auch Kinderbetreuung, Stadtrundgänge, Lernateliers, individuelle Beratungen und anderes. Auch Peter Tobler, Integrationsbeauftragter beim städtischen Amt für Gesellschaftsfragen, streicht die Integrationsbemühungen von Aida hervor und betont: «Integration ist mehr als ein Deutschkurs.» Gerade Migrantinnen mit Kindern seien gefährdet, in der eigenen Wohnung isoliert zu bleiben. Doch auch für einkommensschwache Männer gebe es ein Angebot. Die Stadt habe für sie Kursplätze bei der Integra Schule zugesichert bekommen.

Gemäss Brigitte Eigenmann, Schul- und Geschäftsleiterin von Aida, ist die Subventionserhöhung für das Fortbestehen der Sprachschule «grundlegend wichtig» – gerade weil die Schule zusätzlich zu den Deutschkursen Integrationsleistungen erbringe. Im Jahr 2016 haben insgesamt 383 fremdsprachige Frauen und 83 Kinder davon profitiert. Die Frauen stammten aus 79 verschiedenen Ländern und sprachen 50 verschiedene Muttersprachen. Die meisten Kursteilnehmerinnen und Familien verfügen laut Eigenmann nur über «ein sehr kleines Budget». Die Vorlage liegt derzeit zur Behandlung beim Stadtparlament.