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Integration in der Mensaküche

Seit sechs Monaten arbeiten anerkannte Flüchtlinge in der Mensa der Firma Schott in St. Gallen. Sie besuchen auch Kurse, um fit für den Arbeitsmarkt zu werden. Das Personal profitiert ebenfalls, unter anderem von exotischen Gerichten.
Kathrin Reimann
Im Personalrestaurant der Firma Schott arbeiten seit einem halben Jahr Flüchtlinge. (Bild: Urs Bucher)

Im Personalrestaurant der Firma Schott arbeiten seit einem halben Jahr Flüchtlinge. (Bild: Urs Bucher)

Im Personalrestaurant der Firma Schott beim Friedhof Feldli herrschte gestern mittag emsiges Treiben. 530 Mitarbeiter beschäftigt die Firma, die Fläschchen, Karpulen sowie Spritzen aus Glas und Kunststoff für die Pharmaindustrie herstellt. Etwa ein Viertel der Belegschaft verpflegt sich in der hauseigenen Mensa und leistet somit auch einen Beitrag zur Integration und in die Ausbildung anerkannter Flüchtlinge aus Appenzell Ausserrhoden. Seit einem halben Jahr betreibt die Stiftung Förderraum (siehe Zweittext) das Personalrestaurant nämlich mit Flüchtlingen. Neun sind es derzeit, acht Männer und eine Frau im Alter zwischen 26 und 46 Jahren. Sie stammen aus Tibet, Eritrea und Sri Lanka. «Für mehr reicht der Platz in der engen Küche leider nicht», sagt Alma Mähr, Geschäftsleiterin des Förderraums.

Beliebte Gerichte aus der Heimat

Die Flüchtlinge erhalten vor Ort eine Gastronomie-Ausbildung; diese beinhaltet, dass sie von Montag bis Freitag im Personalrestaurant arbeiten, Essen kochen, die Essensautomaten für den Nacht- und den Schichtbetrieb füllen und das Catering für die Firma besorgen. Einmal pro Woche dürfen die Flüchtlinge ein Gericht aus ihrer Heimat auftischen, an diesem Tag sind es tibetische Teigtaschen, sogenannte Momo. «Die Heimatgerichte sind extrem beliebt, wir müssen immer besonders viele davon herstellen», sagt Michael Seale, der das Team im Personalrestaurant leitet. Das Ziel der halbjährigen Ausbildung ist, die Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt fähig zu machen. Aus diesem Grund besuchen die Teilnehmer auch Theoriekurse in Kochen, Küchenarbeit und Service. Ausserdem werden Hygiene und Systemgastronomie behandelt, und ein Deutschkurs steht auch auf dem Programm.

Echte Jobs und mehr Kunden

Für die Flüchtlinge bedeutet die Ausbildung auch das Eintauchen in die hiesige Kultur. «Für viele hat Pünktlichkeit einen anderen Stellenwert. Sie können es nicht nachvollziehen, weshalb sie um fünf vor acht Uhr hier sein sollen, wenn die Arbeit um acht beginnt», sagt Heinrich van der Wingen von der Beratungsstelle für Flüchtlinge Appenzell Ausserrhoden. Es sei wichtig, dass jemand sie wohlwollend darauf hinweise, wie das funktioniere. «Ausserdem können hier private Kontakte geknüpft werden.» Er betrachtet das innovative Projekt als einen «Türöffner für andere Betriebe» und «optimale Möglichkeit zur Integration von Flüchtlingen». Allerdings kämpft er gegen eine Arbeitsbewilligungspraxis, die Einsätze dieser Art behindere. So sei es für Flüchtlinge schwierig, überhaupt eine zu erhalten. Beim Bund gebe es aber Bemühungen, die Bewilligungs- in eine Meldepflicht umzuwandeln. «Aber politische Wege dauern immer länger, als uns lieb ist.» Da das Projekt in der Mensa als Ausbildung gilt, war dafür keine behördliche Bewilligung nötig: Die Teilnehmer erhalten keinen Lohn, lediglich Sozialhilfe.

Nach einem halben Jahr ziehen alle Beteiligte eine positive Bilanz. So haben drei Absolventen einen Job im freien Arbeitsmarkt gefunden. Und auch Jörg Kleinschmidt, Personalleiter der Firma Schott, welche die Mensa mitfinanziert, ist vom Projekt begeistert: «Seit einem halben Jahr haben sich die Besucherzahlen um 50 Prozent verbessert.»

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