INTEGRATION: Eine Kita für alle

Dank der Wittenbacher Stiftung Kronbühl können Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam eine Kita besuchen. «Peter Pan» überzeugt Eltern wie Experten.

Nina Rudnicki
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Die Kinder der Kita Peter Pan auf einem Ausflug mit Alpakas. (Bild: Benjamin Manser)

Die Kinder der Kita Peter Pan auf einem Ausflug mit Alpakas. (Bild: Benjamin Manser)

Nina Rudnicki

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@tagblatt.ch

Seit gut einem Jahr führt die Wittenbacher Stiftung Kronbühl die integrative Kindertagesstätte Peter Pan. Das Angebot ist weitherum einzigartig: Von den 19 Kindern haben rund die Hälfte eine Beeinträchtigung. Gemeinsam mit Kindern ohne Beeinträchtigung erleben und gestalten sie ihren Alltag und werden dabei professionell betreut. Durch diese integrative Form sollen sich die Kinder gegenseitig positiv beeinflussen. Kinder mit Beeinträchtigung können ihre Gspänli nachahmen. Kinder ohne Beeinträchtigung lernen von klein auf, mit Andersartigkeit umzugehen.

Doch wie wirkt dieses Konzept nach aussen? Wie sind die Rückmeldungen? Und wie beurteilen Eltern und Experten das Angebot? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, hat die Stiftung Kronbühl bei der Fachhochschule St. Gallen (FHS) ein Praxisprojekt in Auftrag gegeben. Während eines halben Jahres wurde die Kita Peter Pan wissenschaftlich beleuchtet, Eltern befragt und Experten interviewt. Die nun vorliegenden Ergebnisse erfreuen Marcel Koch, Gesamtleiter der Stiftung. «Sie bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagte er nach der Präsentation der Projektergebnisse am Montagabend in der Aula der Stiftung Kronbühl.

Vor allem die Reaktionen der Eltern würden ihn darin bestärken. Gemäss der FHS-Befragung begrüssen die Eltern vor allem das vielfältige Angebot der Kindertagesstätte Peter Pan. So reiten die Kinder etwa regelmässig auf Ponys oder Alpakas aus. Weitere Aktivitäten sind Besuche im Therapiebad, spielerisches Erleben und kreatives Tun. Positiv haben die Eltern ausserdem beurteilt, wie sich das Zusammensein von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung auswirkt. So zeige sich bei den Kindern innerhalb kurzer Zeit ein grosses soziales Talent. Die anfänglichen Bedenken der Eltern hätten sich hingegen gelegt, dass ihr Kind bei Peter Pan zu wenig Aufmerksamkeit seitens der Betreuenden bekommen könnte.

Integrative Kitas sind die Ausnahme

Wie wichtig integrative Institutionen wie die Kita Peter Pan sind, zeigt auch der Vergleich mit den europäischen Nachbarländern. In Deutschland beispielsweise wird bereits mehr als jede dritte Kita integrativ geführt. In der Schweiz befindet man sich diesbezüglich gemäss FHS-Auswertung noch auf einem lan­gen Weg. Integrative Kindertagesstätten sind ­hierzulande die Ausnahme. «Es braucht noch viel politische Arbeit und Druck», so ein Fazit der Präsentation. Die Kita Peter Pan könnte während dieses Prozesses als vorbildliches Anschauungsbeispiel dienen. Das belegen auch die Einschätzungen der interviewten Experten.

Eine Herausforderung sind allerdings die Kosten und die ­Finanzierung integrativer Kitas. Zwar bezahlen jene Eltern, die ihr Kind bei Peter Pan anmelden, nicht mehr als für reguläre Kindertagesstätten. Allerdings wird der Grossteil der übrigen erforderlichen Mittel mittels Spenden und Sponsoring von der Stiftung Kronbühl aufgebracht. Zu gering sind die Beiträge, mit denen sich Kanton und Gemeinden an der integrativen Kita beteiligen. «Die Finanzierung ist ein grosses Problem», sagt Marcel Koch. «Unsere tatsächlichen Kosten sind wesentlich höher als die üblichen Tagesansätze.»

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