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INTEGRATION: Die Heimat wechseln ist nicht leicht

Der neue Schweizer Film «Non ho l’età» vereint Einheimische und Einwanderer aus Italien und Spanien und regt die Diskussion über Fragen der Migration an.
Justin Koller

Ein gemischtes Publikum verfolgte im Saal des evangelischen Kirchgemeindehauses in Rorschach mit Spannung den neuen Schweizer Film «Non ho l’età». Dieser bezieht sich auf den gleichnamigen Hit von Gigliola Cinquetti. 1964 gewann die damals 16-Jährige mit dem Lied am Festival von San Remo und kurz darauf triumphierte sie auch beim Eurovision Song Contest. Damit avancierte sie in Italien zur Heldin gleich mehrerer Generationen. Und für alle, die sich in den Jahren der Hochkonjunktur aus den vergleichsweise armen Mittelmeerländern Richtung Norden aufmachten oder bereits dorthin emigriert waren, wurde das Lied zum Symbol für die Sehnsucht nach der Heimat. Zu ihnen gehören auch Carmela, Gabriella und Lorella, heute alle zwischen 60 und 75 Jahre alt und Teil der zweiten grossen italienischen Einwanderungswelle in die Schweiz.

Im Film werden die drei Italo-Schweizerinnen eingehend über ihre Jugenderinnerungen befragt. So wird ein plastisches Bild geschaffen von einem kühlen Land, das die Immigranten damals alles andere als mit offenen Armen empfing. Die Erfahrungsberichte verknüpft der Dokumentarfilm mit der Präsenz von Don Gregorio. Auch er war damals ein Auswanderer. Aber als sozial engagierter italienischer Priester in einer Gemeinde am Zürichsee galt er als «Sonderfall». Der Regisseur begleitet die vier Protagonisten auf Reisen in ihre alte Heimat und schafft mit der Auswertung von Fanpost, die Gigliola Cinquetti damals von Zehntausenden von Verehrerinnen und Verehrern erhielt, eine anrührende, wie liebevolle Erinnerung an schwierige Zeiten, in der Freundschaften entstanden, die bis heute andauern.

Eine doppelte Herausforderung

Die Initiativgruppe «Begegnung und Dialog Rorschach und Umgebung» wählte den Film unter anderem aus, weil auch heute Schweizer und Flüchtlinge vor ähnlichen Herausforderungen stehen –sie sind menschlich, überzeitlich und universal. Mi-granten fordern die Bevölkerung auf doppelte Weise heraus: Ihre Andersartigkeit macht zum einen Angst oder führt zu Unbehagen, zum anderen fasziniert sie auch und erweckt Solidarität. In den sechziger Jahren war es die Bewegung um James Schwarzenbach, die mit diesem Unbehagen einseitig Politik machte. Viele Mi-granten erarbeiteten sich jedoch mit Einsatz und offenem Wesen einen Platz in der hiesigen Gesellschaft. Manche vereinten die doppelte Loyalität positiv, die zum Herkunftsland, und die zur neuen Heimat und wurden dadurch bereichert. Anderen gelang dies hingegen nur teilweise oder gar nicht. Hier und dort Heimat und Zugehörigkeit zu finden ist nicht leicht.

Als Fazit bleibt eine doppelte Herausforderung. Für die Mi-granten: sich öffnen, sich einbringen und sich anpassen, ohne sich zu verlieren. Und für die Einheimischen: Chancen geben, die Andersartigkeit als Bereicherung anerkennen, die Grundregeln des Zusammenlebens hochhalten und sie auch einfordern.

Justin Koller

redaktionot@tagblatt.ch

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