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INSTRUMENTALROCK: Ein neues Gedicht des Basspoeten

Lorenz Niederer alias Silentbass hat ein neues Album aufgenommen. Darauf zeigt sich der St. Galler Musiker so vielseitig wie nie zuvor – auch dank neuem Mitmusiker. Heute wird «Circles» getauft.
David Gadze
Lorenz Niederer (rechts) hat mit Alessandro Cappilli ein tolles Album aufgenommen. (Bild: Benjamin Manser)

Lorenz Niederer (rechts) hat mit Alessandro Cappilli ein tolles Album aufgenommen. (Bild: Benjamin Manser)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Er bezeichnet sich selbst als «Basspoet». Dabei ist Lorenz Niederer, der Musiker hinter dem Pseudonym Silentbass, kein Mann der vielen Worte. Nicht im Gespräch, nicht in der Musik. Das hat nichts mit Verweigerung oder mangelnder Ausdruckskraft zu tun – ganz im Gegenteil. Er lässt seine Klanggedichte lieber für sich sprechen, oder genauer: klingen. Denn sie ist rein instrumental. Und wer ihr zuhört, taucht in eine klangmalerische Welt voller Überraschungen ein. Jetzt ist Silentbass mit der neuen Platte «Circles» zurück. Heute Abend tauft er sie im Palace.

«Circles» unterscheidet sich hörbar von den bisherigen drei Silentbass-Werken. Es ist düsterer, und elektronischer, aber auch dynamischer, kraftvoller und komplexer. Das hängt zum einen damit zusammen, dass Niederer als Musiker, Komponist und Arrangeur gereift ist. Und zum anderen hat es damit zu tun, dass er bei der Aufnahme der neuen Platte anders vorgegangen ist als sonst.

Der Silentbass ist nicht mehr leise

Auf den ersten beiden Alben «Missing Words» (2008) und «Light From A Black Star» (2013) war Silentbass eine Ein-Mann-Band mit Bass, Effektgeräten, Drumcomputer und Loop-Station, und Niederer machte Musik, die zum Namen passte: es dominierten ruhigere Bass-Klänge, eingebettet in eine sanft wabernde Klanghülle. Auf dem dritten Album «The Sound Of Violence» (2015) war der Bass plötzlich lauter, die Musik post-rockiger, die Stücke kompromissloser. Und mit Schlagzeuger Urs Kaufmann wurde Silentbass live zu einer Art Duo, mit Niederer als Herz und Gehirn. Kaufmann fügte der Musik neue Facetten hinzu. Die Arbeitsweise im Studio war aber die gleiche wie zuvor: Niederer komponierte die Songs im Alleingang, nahm sie auf und ersetzte am Ende einzelne Drumcomputer-Passagen durch richtiges Schlagzeug.

Inzwischen spielt Lorenz Niederer mit Alessandro Cappilli von der Zürcher Stoner-Rock-Gruppe Pariah. Cappilli habe seiner Musik neuen Schwung gegeben, sagt Niederer. Zwar hat er auch diesmal wieder alle Stücke alleine geschrieben. Doch vor den Aufnahmen haben er und Cappilli das ganze Album gemeinsam einstudiert – ein Novum. «Das hat vielen Stücken einen neuen Anstrich gegeben», sagt Niederer. Die beiden Musiker hätten sich gegenseitig aufgeschaukelt. «Das hatte auch einen Einfluss auf mein Bassspiel.» Es ist variantenreicher als auf den bisherigen Platten. Die Musik ist einen Zacken aggressiver und gleichzeitig herausfordernder. Was auch damit zu tun hat, dass Cappilli sein Spiel je nach Situation variieren kann. Mal peitscht er die Stücke vor sich hin, mal legt er einfach einen perkussiven Boden unter Niederers sphärische Soundcollagen. Oder er ergänzt es mit funkelnden Synthesizerklängen.

Die neue Klangvielfalt hat aber auch damit zu tun, dass Nieder mit der Zeit sein Instrumentenarsenal erweitert hat. Das gab und gibt ihm neue Möglichkeiten, seine vielfältige Klangwelt zu gestalten. Und das hat sich auf «Circles» hörbar ausgewirkt. «Ich habe begonnen, aus Sounds Songs zu erschaffen. Deshalb wollte ich diesmal die Sounds in den Mittelpunkt stellen», sagt der 32-Jährige, der in der Nähe des Bahnhofs Haggen wohnt und im Bahnhof Bruggen seinen Proberaum hat.

Mal hypnotisierend, mal mitreissend

Aus all diesen Sounds kreiert Niederer auf «Circles» weite Spannungsbögen. Er baut die Stücke behutsam auf und reiht dann Loops aneinander, ohne sich in der Monotonie zu verlieren oder die Musik unter immer wieder neuen Schichten zu erdrücken. Alles ist im Fluss, Musik wird zu Geräusch und wieder zu Musik. Wo bei anderen rein instrumentalen Künstlern die Musik auf Dauer oft ausfranst, zieht Silentbass während der rund 40 Minuten von «Circles» einen roten Faden durch die sechs Stücke, die praktisch nahtlos ineinander übergehen. Sie pulsieren mal sanft und hypnotisierend, mal druckvoll und mitreissend, immer im Einklang mit dem Bass, der jetzt nicht mehr so leise ist. Basspoet Lorenz Niederer hat mit «Circles» ein musikalisches Gedicht geschaffen, das sich bei jedem Hördurchgang anders liest.

Plattentaufe «Circles»

Heute Sa, 21.30, Palace;

Support: Oimjakon.

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