INSTALLATION: Kunst zum Anfassen

Die «Militärkantine» ist seit ihrer Eröffnung auch Schauplatz für regionale Kunst. Dieser Tage wurde ein neues Werk enthüllt, ein anderes erhielt einen neuen Platz.

Luca Ghiselli
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Der hölzerne «Platzhalter» von Timo Müller dient seit kurzem als Eingangstor zur «Militärkantine» in der Kreuzbleiche. (Bilder: Ralph Ribi)

Der hölzerne «Platzhalter» von Timo Müller dient seit kurzem als Eingangstor zur «Militärkantine» in der Kreuzbleiche. (Bilder: Ralph Ribi)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Der «Platzhalter» hat den Platz gewechselt. Die Holzinstallation des St. Galler Künstlers Timo Müller stand ein Jahr lang im Gartenrestaurant der «Militärkantine». Zahllose Kinder kletterten durch den grossen Holzrahmen, und das war auch so erwünscht. Nun, aufs dreijährige Bestehen der Militärkantine hin, wich das Werk: Seit einigen Wochen steht die Konstruktion auf der Wiese neben dem Parkplatz auf der Kreuzbleiche. Der «Platzhalter» ist eines von vielen zeitgenössischen Werken, das in und um den Hotel- und Restaurantbetrieb zu sehen ist. Und es kommen immer wieder neue dazu.

Vom «Sprungbrett» bis zu Tuschzeichnungen

Für das Kunstkonzept der «Militärkantine» ist Richi Küttel verantwortlich. «Im Haus findet viel Kultur statt: Von Lesungen über Konzerte bis hin zu Slam Poetry bieten wir das ganze Jahr hindurch eine grosse Bandbreite. Da passt es zu uns, auch bildende Kunst zu zeigen.» Der rote Faden, der alle Werke verbindet, ist der regionale Bezug aller Kunstschaffenden. «Alle Werke, die bei uns zu sehen sind, stammen von Künstlerinnen und Künstlern aus der Region.»

Da ist zum Beispiel das «Sprungbrett» von Anastasia Katsidis. Die Widnauerin hat zuoberst im Treppenhaus eine Plattform mit rotem Geländer installiert. Etwas weiter unten im Treppenhaus sind die Tuschezeichnungen von Nina Trüssel angebracht. «Out of Bed» ist ein Archiv von Bildern, das stetig wächst. Hotelgäste werden nämlich dazu eingeladen, mit «Selfies von hinten» zum Projekt beizutragen: Die Künstlerin verfremdet die Selbstporträts nämlich in ihren Zeichnungen, und so verändert und erweitert sich die Sammlung kontinuierlich. Im Zimmer 13 des Hotels findet sich eine weitere, wenn auch sehr kleine Kunstinstallation: In den Parkettboden haben die beiden Künstler Asi Föcker und Jiajia Zhang zwei Aluminium-Ecken eingefügt.

Den Verantwortlichen ist es wichtig, dass in der «Militärkantine» auch Kunst zum Anfassen ausgestellt ist. «Der ‹Platzhalter› zum Beispiel war von Anfang an auch als Gebrauchsgegenstand gedacht», sagt Richi Küttel. Mit dem neuen Standort verändert sich auch die Funktion: «Er dient jetzt als Eingangstor zur «Militärkantine», durch das der Betrachtende hindurchblicken kann.»

Ein Betonblock fügt sich ein

Was an seine Stelle folgte, sei aber ebenfalls nicht nur symbolisch, sondern auch funktional und könne sogar als Tresen genutzt werden: Im Rahmen des Sommerfests vergangenes Wochenende wurde im Gartenrestaurant nämlich der «Purit» von Thomas Stüssi enthüllt. Schroff und wuchtig kommt der Betonblock daher, und steht damit einerseits im Kontrast zum filigranen Riegelbau der «Militärkantine», und harmoniert andererseits mit der zeitgenössischen Architektur des benachbarten Bundesverwaltungsgerichts. Das Kunstwerk steht, nicht wie bis vor kurzem noch der «Platzhalter», im Zentrum der Gartenbeiz, sondern etwas weiter am Rand, wo der Betrachter freie Sicht auf das Gerichtsgebäude hat. So werde die Beziehung zwischen Bau und Kunstwerk erst erfahrbar, sagt Küttel. Der «Purit» ist nicht das einzige Werk von Stüssi, das seit kurzem in der «Militärkantine» zu sehen ist. Der Künstler hat sich in den vergangenen Jahren stark mit anorganischen Strukturen auseinandergesetzt. Dazu passen auch die Kristalle, die an den Säulen im Restaurant angebracht wurden.

Nicht auf der Jagd nach neuer Kunst

«Wir haben schon immer Wert auf die bildende Kunst im Haus gelegt. Langsam wird diese aber auch von aussen stärker wahrgenommen», sagt Küttel. Das habe womöglich auch damit zu tun, dass nun auch Werke an prominenteren Orten installiert wurden. Wichtig sei, dass die verschiedenen Werke ins Gesamtkonzept und zum Haus passen. «In den meisten Fällen gehen wir auf Kunstschaffende zu und fragen, ob sie sich vorstellen könnten, bei uns ein Werk zu installieren», sagt Küttel. Dann ergäben sich solche Zusammenarbeiten relativ unkompliziert. «Es ist aber nicht etwa so, dass wir auf die Jagd nach neuen Kunstwerken gingen.»

www.militaerkantine.ch