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Ins Stadion statt vor die Glotze

GOSSAU. Der FC Gossau kämpft mit sinkenden Zuschauerzahlen. Zwei Fangruppen wollen dem entgegenwirken und einen Tag des Amateurfussballs lancieren. Kleine Stadien hätten viel zu bieten: Packende Spiele etwa oder die Nähe zu den Spielern.
Rafael Rohner
Mitglieder der Fangruppe Gossau-fen verpassen kaum ein Heimspiel, auch nicht jenes 2008 in der Challenge League gegen den FC St. Gallen. (Bild: Urs Jaudas)

Mitglieder der Fangruppe Gossau-fen verpassen kaum ein Heimspiel, auch nicht jenes 2008 in der Challenge League gegen den FC St. Gallen. (Bild: Urs Jaudas)

Bratwürste brutzeln, Stadtbühler-Bier schäumt, und unter den Füssen der Zuschauer knarrt die Holztribüne. Wenn auf dem Sportplatz Buechenwald die Flutlichter angehen, wird es heimelig. An solch einem Abend ist für Fans selbst eine Niederlage einfacher zu verkraften.

Höchstens ein Blick in die Zuschauerränge könnte die Stimmung trüben. Denn die Besucherzahlen sind in jüngster Zeit stark rückläufig. Vor vier bis fünf Jahren seien im Durchschnitt noch rund 400 bis 600 Zuschauer an ein Heimspiel gekommen, sagt Gossaus Vereinspräsident Christian Kühni. «Bei Spitzenspielen bis zu 1000.» Heute seien es noch 200 bis 250 Zuschauer.

Aktion aus Deutschland

Für die erste Mannschaft einer Stadt mit 18 000 Einwohnern ist diese Besucherzahl gering. Zum Vergleich: Auch Heimspiele des FC Winkeln im Gründenmoos verfolgen jeweils rund 200 Zuschauer. Der Gossauer Erstligaclub ist jedoch nicht der einzige Amateurverein, der mit stetig sinkenden Zuschauerzahlen zu kämpfen hat. Fussballfans aus Deutschland haben aus diesem Grund die Aktion «Glotze aus, Stadion an» ins Leben gerufen. In den unteren Ligen sei eine Notlage entstanden, schreiben die Initianten auf ihrer Internetseite. Der chronische Mangel an Zuschauern destabilisiere die Finanzen. Inzwischen wird die Aktion von rund 45 Fangruppen aus Deutschland unterstützt. Mit dabei sind seit kurzem auch zwei Schweizer Vereine, der FC Kreuzlingen und der FC Gossau.

Verantwortlich für die Gossauer Unterstützung ist Florian Kobler. Er ist Mitglied der Gruppe Gossau-fen und besucht seit sieben Jahren nahezu sämtliche Heimspiele. «Die Zuschauerzahlen haben sich in diesem Zeitraum ungefähr halbiert», sagt er. Früher habe jeder in der Stadt gewusst, wann der FC spielt. Jung und Alt seien ins Stadion gekommen. Heute treffe man dort «nur» noch den harten Kern.

Profifussball im Fokus

Die Gründe für den Zuschauerschwund sind gemäss Kobler vielfältig. Einer davon ist, dass der Fokus immer mehr auf dem Profifussball liege, «auch medial». Eine Rolle spiele zudem die ständige Präsenz von Fussball im Fernsehen. «Statt einen Match vor der Haustüre zu verfolgen, schalten viele den Fernseher ein und sehen sich ein Spiel aus England oder Italien an. Das ist schade.»

FC-Gossau-Präsident Christian Kühni beobachtet diese Entwicklung ebenfalls. «Die Spiele sind kein Treffpunkt mehr.» Man kommuniziere lieber online, als am Spielfeldrand. Für den Verein sei das ein Problem. Denn die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern und der Gastronomie flössen in die Vereinskasse und kämen so auch den zahlreichen Junioren zugute. Um die Leute auf das Problem aufmerksam zu machen, unterstütze er die Aktion «Glotze aus, Stadion an».

Die Fangruppen des FC Gossau und des FC Kreuzlingen setzen sich im Rahmen der Aktion zudem für einen Tag des Amateurfussballs ein. Daniel Kessler, Vorstandsmitglied des FC Kreuzlingen, hat sich im Namen der beiden Vereine kürzlich per Brief an den Schweizerischen Fussballverband gewendet. Dieser will sich gemäss Kobler Anfang April mit dem Thema befassen.

Arsenal leiht Bus aus

Vorbild der Idee eines speziellen Tages für die Amateure ist der Non-League-Day in England. Dabei geht es gemäss Kessler darum, Amateurfussball positiv zu präsentieren. Die englischen Profivereine unterstützten diesen Tag. Der FC Arsenal etwa, indem er seinen Mannschaftsbus ausleihe. Auch in Deutschland sei ein spezieller Tag für Amateurvereine geplant. Laut Kobler soll dieser am 12. Oktober erstmals stattfinden.

Die Beteiligten sind sich einig, Amateurfussball bietet einiges: Nebst packenden Spielen auch eine familiäre Atmosphäre, freie Sicht auf den Rasen, und nach dem Match kann man den Spielern im Clubhaus persönlich die Meinung sagen. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich morgen Mittwoch. Der FC Gossau spielt um 20 Uhr zu Hause gegen den FC Balzers.

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