Inferno im Jägerhaus-Hafen

ALTENRHEIN. Kurz nach 9 Uhr bricht gestern auf einem Motorboot im Hafen beim «Jägerhaus» in Altenrhein ein Feuer aus. Die Flammen verbreiten sich über die Abdeckplanen derart schnell, dass Augenzeugen keine Chance haben, ein Übergreifen auf weitere acht Schiffe zu verhindern.

Rudolf Hirtl / Corina Tobler
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Die Feuerwehr kämpft mit Löschschaum gegen das Feuer. Die Boote brennen lichterloh; der brennende Kunststoff erzeugt eine dunkle Rauchsäule. (Bilder: Rudolf Hirtl)

Die Feuerwehr kämpft mit Löschschaum gegen das Feuer. Die Boote brennen lichterloh; der brennende Kunststoff erzeugt eine dunkle Rauchsäule. (Bilder: Rudolf Hirtl)

ALTENRHEIN. Dominik Noger spaziert gestern vormittag mit seiner zweijährigen Tochter Jacqueline am «Jägerhaus» vorbei in Richtung des naheliegenden Hafens, als er auf einem der Motorboote Flammen entdeckt. «Als wir näher gekommen sind, war sofort klar, dass es nicht möglich ist, das brennende Boot vom Steg zu lösen, um ein Übergreifen auf die anderen Boote zu verhindern», sagt der Altenrheiner. «Es war viel zu heiss und es waren auch Verbuffungen zu hören.»

Hafenmeister machtlos

Auch Alex Kehl, seit neun Jahren stellvertretender Hafenmeister beim «Jägerhaus», ist bereits zur Stelle, als erst eines der Schiffe brennt. «Das Motorboot stand derart schnell im Vollbrand, dass es unmöglich war, näher ranzugehen, ohne sich selber in Gefahr zu bringen», sagt er. Die Flammen hätten sich ausserdem über die Abdeckplanen aus Plastik rasend schnell auf weitere Schiffe ausbreitet.

Laut Felix Lindemann, er ist ebenfalls Augenzeuge des Infernos, werden beim Feuer acht Motorboote und ein Segelschiff zerstört. «Die meisten der Besitzer kenne ich persönlich. Sie haben sich auf eine schöne Ausfahrt am kommenden Pfingstwochenende gefreut, und jetzt das», sagt er mit Bedauern.

Christoph Baumgartner ist Besitzer des Restaurants Jägerhaus, dem Namensgeber des Bootshafens. «Deutsche Velotouristen sind in die Gaststube gestürmt und haben aufgeregt von einem brennenden Boot im Hafen erzählt», so der Wirt. Er habe sofort bei der Polizei angerufen. Diese sei aber bereits informiert gewesen, da Mitarbeiter des direkt am Hafen liegenden Unternehmens Stadler-Rail den Brand bereits bei der Kapo gemeldet hätten. Vorn im Hafen habe er sich dann selbst ein Bild gemacht und erleichtert festgestellt, dass sein eigenes Boot ausser Reichweite für die Flammern lag.

Beim Brand der Boote entwickelt sich dichter, schwarzer Rauch. (Bild: Kapo SG)
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Bei den Löscharbeiten stand auch die Seerettung im Einsatz. (Bild: Rudolf Hirtl)
Die Feuerwehr Thal musste ausrücken. (Bild: Rudolf Hirtl)
Das Feuer wurde mit Schaum bekämpft. (Bild: Kapo SG)
Zuerst brannte nur ein Motorboot. Dann griff der Brand auch auf benachbarte Schiffe über. (Bild: Michael Niederer)
Der Sachschaden beträgt mehrere 100'000 Franken. (Bild: Kapo SG)
Die Boote brannten lichterloh. (Bild: Rudolf Hirtl)
Die schwarze Rauchsäule war weit herum sichtbar. (Bild: Jeanette Herzog)
Ein Übergreifen des Feuers auf andere Schiffe konnte nicht verhindert werden. (Bild: Rudolf Hirtl)
Der Hafen war nach den Löscharbeiten mit Löschschaum bedeckt. (Bild: Rudolf Hirtl)
Weshalb es zum Brand kam, ist noch nicht klar. (Bild: Rudolf Hirtl)
Die Auswirkungen für die Umwelt sind noch unbekannt. Es wurde eine Barriere errichtet, damit sich der Schaum nicht ausbreiten kann. (Bild: Rudolf Hirtl)
Einige Boote waren so stark beschädigt, dass sie sanken. (Bild: Rudolf Hirtl)
Was von den Booten übrig bleibt. (Bild: Rudolf Hirtl)
Nicht mehr schiffbar - eines der acht verbrannten Motorboote. (Bild: Rudolf Hirtl)
Vor allem die Plastikplanen gerieten schnell in Brand und sorgten für den schwarzen Rauch. (Bild: Rudolf Hirtl)
Ein Schiffswrack wird abtransportiert. (Bild: Rudolf Hirtl)
Fassungslose Blicke auf das traurige Ergebnis des wild wütenden Feuers. (Bild: Rudolf Hirtl)
Die Boote aus Kunstoff sind in der Hitze des Feuers geschmolzen. (Bild: Rudolf Hirtl)
Die Atemschutztruppe der Feuerwehr war im Einsatz. (Bild: Rudolf Hirtl)
Schutz mit einer Atemschutzmaske gegen den Gestank und die Dämpfe des verbrannten Kunststoffs. (Bild: Rudolf Hirtl)
Verbranntes Motorboot. (Bild: Rudolf Hirtl)
Der Löschschaum wurde am Nachmittag aus dem Hafen abgepumpt. (Bild: Rudolf Hirtl)
Von den neun verbrannten Booten ist nicht mehr viel zu retten. (Bild: Rudolf Hirtl)
Jedes Boot wird nach allfälligen Passagieren untersucht. (Bild: Rudolf Hirtl)
Die Feuerwehr überwachte die Brandherde so lange, bis keine Gluten mehr zu finden waren. (Bild: Rudolf Hirtl)
Früher stolzes Boot, heute verkohltes Etwas. (Bild: Rudolf Hirtl)

Beim Brand der Boote entwickelt sich dichter, schwarzer Rauch. (Bild: Kapo SG)

«Eine traurige Geschichte»

Am Brandort ist auch Gemeindepräsident Robert Raths. «Ich war mit dem Gemeindeschreiber und dem Bauamt-Leiter am Buechberg unterwegs zu einer Baustellenbesichtigung. Wir haben die Rauchsäule aufsteigen sehen und sind sofort zum Hafen gefahren.» Raths selbst besitzt zwar kein Boot, aber: «Ich kenne die Leute, denen die ausgebrannten Boote gehören. Menschen, die viel Herzblut und Geld investiert haben. Eine traurige Geschichte.»

Eine der Bootsbesitzerinnen ist Marlen Niederer, die in Staad Lenli's Brot- u. Chäsbar führt. «Ich habe extra vor Pfingsten eine Aushilfe aufgeboten, damit ich vier Tage mit dem Boot auf dem See geniessen kann. Daraus wird nun leider nichts», sagt sie mit tränenerstickter Stimme. «Als ich hörte, dass auch mein Boot zerstört wurde, brach für mich eine Welt zusammen.»

Alex Fehr Stellvertretender Hafenmeister (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

Alex Fehr Stellvertretender Hafenmeister (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

Dominik und Jacqueline Noger Augenzeugen (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

Dominik und Jacqueline Noger Augenzeugen (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

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