Industrie braucht mehr Lehrlinge

REGION AM SEE. Auch im zweiten Teil der Umfrage bei grösseren Unternehmen in der Region Rorschach überwiegen positive Ergebnisse und Aussichten. Heimische Industrieunternehmen sehen Schulen aber in der Pflicht, den Stellenwert der technischen Berufslehre zu fördern und zu festigen.

Rudolf Hirtl
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Egal ob Steuerungstechniken wie bei der Computechnic AG oder anderswo: Heimische Unternehmen nehmen bei der Entwicklung von Produkten führende Rollen ein. (Bild: pd)

Egal ob Steuerungstechniken wie bei der Computechnic AG oder anderswo: Heimische Unternehmen nehmen bei der Entwicklung von Produkten führende Rollen ein. (Bild: pd)

Bei der Computechnic AG in Goldach waren Entwicklung und Produktion während des ganzen Jahrs gut ausgelastet. «In der Entwicklungsabteilung gab es enorme Druckphasen. Grund dafür sind entweder enge Terminpläne unserer Kunden oder aber Messen, an denen neue Produkte vorgestellt werden. An der Photokina in Köln waren wir mit mehreren Produkten vertreten. Eine Kamera von Alpa, mit unserer Elektronik, gewann den Designpreis», sagt CEO Urs Dätwyler.

Schule muss umdenken

Trotz guter Auslastung sei das Ergebnis über alles zwar positiv, jedoch bleibe es unter den Erwartungen. Die Gründe dafür seien vielfältig: der starke Schweizer Franken, grosse Investitionen in neue Technologien, der Ausbau der Verkaufsabteilung und dadurch kurzfristig steigende Lohnkosten. «Trotzdem wollen wir uns nicht beklagen – es kommt ja in erster Linie darauf an, wie es weitergeht. Und da haben wir im 2014 einiges bewegen können, das uns optimistisch in die Zukunft blicken lässt. Wir sind nun ein Jahr an der Rietlistrasse in Goldach, und die grosszügigen Platzverhältnisse erlauben ein effizientes Arbeiten in einem modernen Umfeld. Die Produktivität steigt, und es motiviert all unsere Mitarbeitenden.»

Urs Dätwyler wünscht sich, dass sich die Schulbildung wieder vermehrt an den Bedürfnissen von Industrie und Wirtschaft orientiert, da diese auf ein gutes technisches Grundverständnis angewiesen seien. Bei der Suche nach Elektroniker-Lehrlingen zeige sich beispielsweise, dass die Vermittlung von Naturwissenschaft und Technik entschieden zu kurz komme.

Computechnic habe in Goldach mehrere Millionen investiert und bekenne sich klar zum Standort, sagt der CEO und bezeichnet die Region als eine Wirtschaftsregion mit Wachstumspotenzial und einem attraktiven Lebensraum zwischen Bodensee und Alpstein.

Für 2015 hofft er auf mehr globale Stabilität. Die vielen Krisenherde seien erstens ein Elend für alle Betroffenen. In der zunehmend vernetzten Welt würden sie sich über das Wohlergehen der Wirtschaft aber auch auf jeden Einzelnen auswirken. Die Vermittlungsbemühungen der Schweiz als Vorsitzende der OSZE im vergangenen Jahr seien daher sehr zu begrüssen. Auch in Russland gebe es Märkte, die von Computechnic-Kunden bearbeitet würden. Bisher sei zwar noch kein Projekt gestoppt worden. Sollten diese Krisen aber anhalten, so erwarte er entsprechende Auswirkungen.

Rekordumsatz erwirtschaftet

«Das milde Wetter anfangs und Ende 2014 und die gute Baukonjunktur haben dazu beigetragen, dass die Business Unit <Bau> trotz hohem Preisdruck ein hervorragendes Resultat erzielt hat. Ebenfalls erfreulich entwickelt haben sich die Umsätze mit Druckerzeugnissen wie Selbstklebeetiketten, Sachetfolien und Tubenlaminaten für die Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie. Prozessoptimierungen haben unter anderem dazu beigetragen, dass sich nicht nur der Umsatz, sondern auch die Marge im Vergleich zum Vorjahr positiv entwickelt hat», schreiben Thomas Hansmann und Regina Villiger von der Permapack AG in Rorschach auf Anfrage. Die Permapack blickt laut CEO Thomas Hansmann auf ein erfreuliches 2014 zurück. «Zum ersten Mal in der bald 57jährigen Firmengeschichte wurde ein Umsatz von 120 Millionen Franken erzielt, was gegenüber 2013 einer Steigerung um rund 4 Prozent entspricht. Zu diesem Erfolg haben bei einer stabilen Beschäftigungslage schweizweit rund 470 Mitarbeitende beigetragen.»

Die Zunahme von Vorschriften und Gesetzen führe zu einer stärkeren administrativen und finanziellen Belastung. Für die Bewältigung dieser gesetzlichen Auflagen würden immer mehr Ressourcen der Mitarbeitenden gebunden. Hansmann wünscht sich daher von der Schweizer Politik, dass diesem Umstand in Zukunft bewusster Rechnung getragen wird, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft nicht durch unnötige Hürden einzuschränken.

Die Permapack ist zu rund 85 Prozent im Schweizer Markt tätig. Als Zulieferer Schweizer Exportunternehmen wirken sich die EU-Sanktionen und der Rubelzerfall indirekt auf das Rorschacher Unternehmen aus. Gravierende Massnahmen waren im vergangenen Jahr deswegen jedoch noch nicht nötig. Die Familien-AG ist seit der Gründung in Rorschach ansässig. Für Thomas Hansmann überwiegen die Vorteile der See-Region, und er wird auch künftig an diesem Standort festhalten.

Bezüglich der Hoffnungen für 2015 ist es ihm ein Anliegen, dass das duale Schweizer Bildungssystem weiterhin gefördert wird und die Berufslehre ihren Stellenwert wieder festigen kann. «Permapack unterstützt dieses System und bildet 25 Lernende als Kaufmann, Flexo-Drucker, Polygraphen und Logistiker aus.» Und wie steht es bezüglich Wünsche für das neue Jahr? «Zur Steigerung der Attraktivität der Ostschweiz ist ein sinnvolles Verkehrskonzept für den öffentlichen und privaten Verkehr notwendig, dessen Planung im Kanton bereits läuft. Damit der Pendlerverkehr nicht noch mehr zunimmt, sollten wir die Regionen, wie z.B. die Ostschweiz, weiter stärken und nicht nur die grossen Zentren wie Zürich, Genf und Basel fördern.»

Die Unternehmen Frisco-Findus, Starrag, Nouvag und Amcor haben sich an der Umfrage nicht beteiligt.

Egal ob Bauprodukte wie bei der Permapack AG oder Steuerungs- techniken wie bei der Computechnic AG, heimische Unternehmen nehmen bei der Entwicklung von Produkten führende Rollen ein. (Bilder: pd)

Egal ob Bauprodukte wie bei der Permapack AG oder Steuerungs- techniken wie bei der Computechnic AG, heimische Unternehmen nehmen bei der Entwicklung von Produkten führende Rollen ein. (Bilder: pd)

High Life Reisen bietet Kroatien im Sommer neu auch mit Abflug ab Altenrhein an. Die People's-Group hat trotz eines schwierigen Umfeldes ein gutes Resultat erzielt. (Bilder: cot/die)

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