Individuell auf Schüler eingehen

Die Kleinklasse des Oberstufenzentrums Grünau kommt in den Genuss einer ungewöhnlichen Schulform. In einem Drittel der Lektionen dürfen die Schüler grösstenteils selbständig arbeiten.

Tim Wirth
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Die Schüler der Kleinklasse des OZ Grünau dürfen ihren Unterricht selbständig gestalten. (Bild: Tim Wirth)

Die Schüler der Kleinklasse des OZ Grünau dürfen ihren Unterricht selbständig gestalten. (Bild: Tim Wirth)

WITTENBACH. Im Schulzimmer der Kleinklasse des Oberstufenzentrums Grünau treffen 16 Schülerinnen und Schüler mit grossem Alters- und Leistungsunterschied aufeinander. An einem Tisch liest ein Schüler Odysseus, an einem anderen verinnerlicht eine Schülerin gerade die Bestandteile der menschlichen Muskeln.

In Oberstufe unüblich

Die Schüler haben einen Drittel der Lektionen im Wochenplan-System. Was in der Primarschule eine gängige Schulform ist, gibt es in der Oberstufe und vor allem in Kleinklassen eher selten: Über eine Woche hinweg müssen die Schüler gewisse Ziele aus verschiedenen Fächern erreichen und dürfen diese selber einteilen und bearbeiten. Am Ende der Woche wird jeder Schüler mit einem Punktesystem bewertet. «Die Anforderungen sind individuell auf die Lernenden zugeschnitten», sagt die Lehrerin Karin Pirker. So gibt es für jede Klassenstufe einen anderen Plan und sogar innerhalb der Stufe Anpassungen. Weil alle Schüler beschäftigt sind, können die Lehrerinnen Karin Pirker und Donata Faust intensiver auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler eingehen. Dies sei in einer Kleinklasse besonders wichtig, da die Schüler sehr unterschiedlich begabt sind.

Selbständigkeit ist gefordert

«Mir gefällt diese Art von Unterricht», sagt ein Schüler. Wenn man in der Schule gut mitmache, müsse man zu Hause keine Arbeiten erledigen. Eine andere Schülerin schätzt, dass sie lernen kann, zu was sie gerade Lust hat. Auch die Lehrerinnen Karin Pirker und Donata Faust sind überzeugt vom Konzept. «Viele Kompetenzen des Lehrplans 21 sind im Wochenplan-System enthalten», sagt Pirker. Die Schüler müssten Verantwortung übernehmen und lernen, selbständig und diszipliniert zu arbeiten. Dies sei sehr wichtig, um nach der Oberstufe den Schritt ins Berufsleben zu meistern.