IN ITALIEN SIND DIE MEISTENTIERISCHE FREUNDSCHAFTIN ITALIEN SIND DIE MEISTEN: Sprühregen für Wasserbüffel

Alois und Lisbeth Gabler halten auf ihrem Hof 80 Wasserbüffel. Die Tiere sind genügsam, verlangen aber gerade im Sommer ab und zu eine kalten Dusche.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Alois und Lisbeth Gabler spritzen einen Wasserbüffel ab; sonst suhlen sich die Tiere, wenn ihnen heiss ist. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Alois und Lisbeth Gabler spritzen einen Wasserbüffel ab; sonst suhlen sich die Tiere, wenn ihnen heiss ist. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

redaktiongo@tagblatt.ch

Wasserbüffel sind vorwiegend in asiatischen Ländern zu sehen, wo sie beim Reisanbau als Zugtiere dienen. Reisfelder gibt es in Muolen zwar keine, Wasserbüffel hingegen schon. Alois und Lisbeth Gabler sind die Besitzer der «Büffeloase», wo eine Herde mit rund 80 Exemplaren lebt.

Seit 1986 führen die beiden einen Hof im Weiler Pfin. Alois Gabler musste schon früh Verantwortung für den Landwirtschafts­betrieb übernehmen. Als er 21 Jahre alt war, starb sein Vater. Anfangs gab es nur Braunvieh, später kamen Rotfleckkühe dazu. Auch konnte Alois Gabler von seinem Nachbarn einen Teil des Viehbestandes übernehmen. «Wir haben gewissermassen fusioniert», sagt Lisbeth Gabler-Egli und lacht. Alois Gabler hat nämlich nicht nur Vieh von Kilian Egli übernommen, sondern auch noch dessen Tochter geheiratet.

Neugierig, ruhig und intelligent

Neue Tierschutzverordnungen und der Tiefflug des Milchpreises, der damals bei 60 Rappen pro ­Liter lag, veranlassten Gablers, nach Alternativen zu suchen. 2010 entschieden sie sich, von der Milchwirtschaft mit Kühen auf Wasserbüffel umzustellen. Alois und Lisbeth Gabler kauften acht Büffelkälber, die sie selber auf­zogen. Die Tiere stammen ursprünglich aus Italien. «Drei Jahre später konnten wir bereits unsere ersten Wasserbüffel melken», erzählt Alois Gabler. Ein Grossteil der Milch wird seither von der Firma Züger Frischkäse in Oberbüren zu Büffelmozzarella verarbeitet. Während der Winter- monate gelangt auch eine kleine Milchmenge in die Käserei von Muolen. Dort wird seit einem Jahr der Halbhartkäse «Buffalo-Joe» produziert und verkauft.

«Zu Beginn mussten wir bei­nahe Büffelpsychologie studieren, um alles über diese Tiere zu erfahren», erinnert sich Lisbeth Gabler schmunzelnd. Wasser­büffel seien neugierige, ruhige und äusserst intelligente Tiere. «Sie hören sogar auf ihren Ruf­namen», erzählt sie. Eine grosse Herausforderung bei der Haltung sei die Rangordnung in der Herde. Es sei schwierig, ein fremdes Tier in eine bestehende Gruppe zu integrieren. Gablers integrieren die Jungtiere deshalb so früh wie möglich in die Herde.

Grundsätzlich sei die Haltung der genügsamen Tiere aber nicht sehr anspruchsvoll. «Sie bekommen nur Raufutter wie Heu und Gras – im Winter zudem Mais aus eigenem Anbau», sag Alois Gabler. Im Melkstand erhalten die Büffel Biertreber und wenig Getreidewürfel als Lockfutter. Sonst benötigen sie kein zusätzliches Kraftfutter. Auch sind Büffel extrem robust. «Dadurch brauchen wir den Tierarzt nur sehr selten.»

Eine Besonderheit beim Wasserbüffel ist die dicke Haut, die nur wenige Schweissdrüsen aufweist und somit kaum schwitzen kann. In den Sommermonaten sind deshalb Suhlen für diese Tiere sehr wichtig. Auf der Wiese haben sich die Wasserbüffel deshalb selber eine Suhle gegraben, die in den trockenen Sommermonaten aber oftmals austrocknet. Um die Tiere abzukühlen, können sie auch abgespritzt werden. «Wir haben deshalb auf dem Hof eine Sprinkleranlage mit Regenwasser installiert», sagt Lisbeth Gabler.

Milchalternative für Allergiker

Gegenwärtig ist die Wasserbüffelherde etwas kleiner. «Die Jungtiere verbringen die Sommermonate in der Nähe der Schwäg­alp», verrät Lisbeth Gabler. Ein Wasserbüffel gibt durchschnittlich rund 2500 Liter im Jahr, was etwa drei- bis viermal weniger als bei Milchkühen ist. Büffelmilch weist etwa acht Prozent Fett auf und damit doppelt so viel wie Kuhmilch, und rund vier Prozent Eiweiss. Weil sich die Eiweisszusammensetzung von der Kuhmilch unterscheidet, wird die Wasserbüffel-Milch häufig von Kuhmilch-Allergikern getrunken. Das Fleisch von Wasserbüffeln ist zudem sehr gesund. Im Vergleich zum Rindfleisch enthält es weniger Cholesterin.

Mit ihren Büffelprodukten sind die Gablers auch auf Märkten anzutreffen. «Das ist stets mit viel Aufwand verbunden», betonen sie. Tatkräftig unterstützt werden sie dabei von ihren fünf erwachsenen Töchtern und deren Partnern.

Der 55-jährige Alois Gabler hofft, dass der Landwirtschaftsbetrieb auch nach seiner Pensionierung weitergeführt wird. Doch für den Moment zählt für ihn nur das, was jetzt ist: «Wir sind glücklich mit unseren Tieren und froh, dass wir diesen Schritt gewagt ­haben.»

Wasserbüffel gelangten von Südostasien in den Mittleren Osten, von wo sie Kreuzfahrer ab dem sechsten Jahrhundert nach Europa brachten. Die Tiere werden vor allem in Bulgarien, Rumänien und Italien gehalten. In den Donauländern dienen sie überwiegend als Arbeitstiere, in Italien steht die Milch im Vordergrund. Die grössten Bestände sind in der Pontinischen Ebene. Aus dieser Gegend stammt auch der echte «Mozzarella di bufala». (yal)

Des Menschen bester Freund muss nicht zwingend der Hund sein, es kann auch jedes andere Tier sein. Den Sommer über erzählt die Stadtredaktion Geschichten spezieller tierischer Freundschaften. Von Menschen, die ein ungewöhnliches Haustier halten oder züchten. Aber auch von Freundschaften zwischen ­Tieren, die sich sonst eher aus dem Weg gehen. Kurz: herz­erwärmende Beziehungen zwischen Mensch und Tier. (red)