In grossem Stil Heroin verkauft

Ein junger Mann hat in der Region St. Gallen-Rorschach für einen Drogenring mit Heroin gedealt. Jetzt droht ihm eine Strafe von bis zu sechseinhalb Jahren.

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Die Behörden ermittelten gegen eine Gruppe serbischer Staatsangehöriger, weil der Verdacht bestand, dass sie in der Region St. Gallen und Rorschach grosse Mengen Heroin absetzte. Im November 2012 wurden sechs Personen verhaftet. Darunter war der 28jährige Student, der gestern vor dem Kreisgericht St. Gallen stand.

Familie in Gefahr

Laut Anklageschrift reiste der Mann aus dem serbischen Nis über Ungarn und Österreich in die Schweiz ein. Wenige Tage nach seiner Ankunft liess er sich in St. Gallen nieder und begann mit dem Strecken und Portionieren von Heroin. Von seiner Wohnung an der Speicherstrasse aus belieferte er seine Kundschaft. Anfänglich soll er das Heroin in Zürich geholt haben, später wurde es ihm nach St. Gallen geliefert.

Er könne nicht sagen, von wem er die Drogen erhalten habe, erklärte der Beschuldigte an der Gerichtsverhandlung. Seine Familie in Serbien sei in Gefahr. Er wisse, dass er sich nur mit einer Aussage vor einer hohen Strafe retten könne, doch müsse er seine Familie schützen. Er bereue sehr, was er getan habe. Mit dem Drogenverkauf habe er sein Leben zerstört.

Wie es dazu komme, dass sich ein Student kurz vor seinem Abschluss auf illegale Geschäfte einlasse, hakte der Verteidiger in der Befragung nach. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in Serbien seien sehr schwierig, antwortete der Beschuldigte. Selbst mit Studium verdiene man kaum Geld. Sein Vater habe viele Schulden. Er habe sich auf den Drogenhandel eingelassen, um der Familie zu helfen.

Erlös nach Serbien geschickt

Gemäss Ausführungen des Studenten sandte er den grössten Teil des Drogenerlöses der Bande nach Serbien. Er selber habe sehr wenig verdient. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, er habe innerhalb von sieben Monaten zwölf Kilogramm Heroin im Wert von rund 430 000 Franken verkauft. Sie klagte ihn wegen schwerer Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Ausländergesetz an. Als Strafmass erachtete sie eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren als gerechtfertigt.

Geständig und unter Druck

Der Verteidiger forderte eine Freiheitsstrafe von 40 Monaten. Es sei erwiesen, dass sein Mandant Drogengeschäfte in grosser Zahl abgewickelt habe, betonte er. Doch müssten das Geständnis und seine wirtschaftlich verzweifelte Situation strafmildernd berücksichtigt werden.

Der Beschuldigte wisse nicht, wer der Kopf der Drogenbande sei. Er selber sei ein einfacher Läufer innerhalb dieser Organisation gewesen. Zudem sei davon auszugehen, dass er nicht mit zwölf, sondern zehn Kilogramm Heroin gehandelt habe. Sein Mandant habe mehrmals aussteigen wollen, doch hätten ihm dies seine Auftraggeber nicht erlaubt.

Das Urteil des Kreisgerichts steht noch aus. (cis)