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In Geschichten denken

GOSSAU/BERN. Der Gossauer Christoph Badertscher ist ausgebildeter Typograph, schreibt skurrile Kurzkrimis und protokolliert vertrauliche Sitzungen von Nationalräten. Bei letzterem kann es durchaus vorkommen, dass ihm die Haare zu Berge stehen.
Gisela Tobler
Christoph Badertschers Krimis handeln oft in Kleinstädten. Das widerspiegle wohl seine Herkunft. (Bild: Michel Canonica)

Christoph Badertschers Krimis handeln oft in Kleinstädten. Das widerspiegle wohl seine Herkunft. (Bild: Michel Canonica)

GOSSAU/BERN. Bereits vor einem Vierteljahrhundert hat Christoph Badertscher Gossau verlassen, wo er im Lindenhof an der Bischofszellerstrasse aufgewachsen ist. Aber er kehrt gerne und regelmässig zurück, um seine Eltern zu besuchen: Mutter Rita, geborene Keller, eine Gossauer Familie, und Vater Alois, dessen Vater aus dem Emmental in die Ostschweiz zugereist war und der seinem Sohn schon im Vorschulalter das Lesen beigebracht hatte. «Mein Vater ist auch eine Leseratte und hat mich oft in die Volksbibliothek mitgenommen, wo er samstags jeweils die Bücher herausgab», erinnert sich der mittlerweile 46-Jährige. «Ich liebte es, in diesen Räumen in völlig neue Welten einzutauchen und genoss es, dass mein Vater meine Begeisterung fürs Lesen förderte.»

Lesend im Park

Weil sich Christoph Badertscher nicht nur für den Inhalt der Bücher interessierte, sondern auch für deren Herstellung und Beschaffenheit, absolvierte er in der Druckerei Flawil eine Ausbildung zum Typographen. Als 20-Jähriger zog er nach St. Gallen, wo er in seiner Freizeit lesend in den Stadtpärken oder bei den Drei Weieren anzutreffen war. Er beschäftigte sich systematisch mit Literatur, las sich durch zahlreiche Klassiker und begann schliesslich selber, Kurzprosa zu schreiben. Ab 1987 wurden diese in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht und einst erhielt er für sie den Werkzeitbeitrag der Stadt St. Gallen. Ab 1993, mit 27 Jahren, studierte er an der Übersetzerabteilung der Dolmetscherschule Zürich Deutsch, Englisch und Französisch und legte 1996 ein Auslandsemester an der London Guildhall University ein. «Für mich war es paradiesisch, sich ausschliesslich mit Sprache und Geschichte zu beschäftigen», schwärmt er noch heute.

Seit 1999 arbeitet Christoph Badertscher zu fünfzig Prozent als Online-Redaktor bei den Parlamentsdiensten in Bern, in einem Team von rund vierzig Mitarbeitenden, das für die Protokollierung sämtlicher Sessionen und Kommissionssitzungen verantwortlich ist. Während die Protokolle der Sessionen auf www.parlament.ch öffentlich zugänglich sind, bleiben die Debatten in den Kommissionssitzungen geheim, und die Redaktoren unterstehen der Schweigepflicht. Christoph Badertscher verrät daher nur so viel: «Die Arbeit ist ausserordentlich interessant, aber manchmal stehen einem schon die Haare zu Berge bei dem, was unsere Politiker mitunter von sich geben.» Um seinen Horizont abermals zu erweitern, absolvierte er von 2008 bis 2011 an der Universität Zürich ein Nachdiplomstudium in Geschichte. Seither übersetzt er auch für das Historische Lexikon der Schweiz, das im Internet unter www.hls-dhs-dss.ch gratis abrufbar ist und auch ein Kapitel über Gossau enthält, das Christoph Badertscher jedem geschichtlich interessierten Gossauer zur Lektüre empfiehlt.

Dramatische Geschichten

Seine grosse Leidenschaft ist aber nach wie vor die Schriftstellerei. 2004 veröffentlichte er den Kinderroman «Toboggan oder Das gestohlene Bild», zu dem ihn sein mittlerweile erwachsener Sohn inspiriert hatte. Zurzeit schreibt er vor allem Kurzkrimis für Erwachsene. «Meine Geschichten sind skurril, oft makaber, wobei ich versuche, Dramatisches und Witzig-Komisches miteinander zu verbinden», sagt Badertscher. Meistens spielen die Krimis in Kleinstädten. «Was wohl meine Beziehung zu Gossau widerspiegelt.»

Als Lesetip ein Kurzkrimi

Christoph Badertscher ist Mitglied beim «Syndikat», dem rund 800 Krimiautorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angehören. Das «Syndikat» hat sich zum Ziel gemacht, die deutschsprachige Kriminalliteratur zu fördern. Seine Krimis erscheinen regelmässig in Anthologien wie zum Beispiel demnächst in «Berner Blut», das im Hinblick auf das im April stattfindende Berner Krimifestival herausgegeben wird. Gefragt, nach einem Lesetip, schlägt Badertschers seinen Kurzkrimi vor mit dem Titel «Feuerwerk in Malz und Totschlag – Kleine Morde unter Bierfreunden», herausgegeben im Gmeiner Verlag 2011.

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