In der Wohnung wird's eng

Die Gemeinde Andwil sucht derzeit eine Wohnung für eine neunköpfige Flüchtlingsfamilie. Die Suche gestaltet sich jedoch schwierig. Auch die umliegenden Gemeinden müssen immer nach Wohnraum für Asylbewerber Ausschau halten.

Perrine Woodtli
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Eine neunköpfige Familie aus Syrien ist derzeit in Andwil auf Wohnungssuche. Vorrätig Platz hat die Gemeinde aber nicht. (Bild: Urs Jaudas/Archiv)

Eine neunköpfige Familie aus Syrien ist derzeit in Andwil auf Wohnungssuche. Vorrätig Platz hat die Gemeinde aber nicht. (Bild: Urs Jaudas/Archiv)

ANDWIL. Wohnraum für Flüchtlingsfamilie gesucht. Dies war im «Andwiler» bereits mehrmals zu lesen. Die Gemeinde Andwil sucht derzeit eine Wohnung für eine neunköpfige Flüchtlingsfamilie – bisher jedoch erfolglos. «Es ist sehr schwierig, eine Unterkunft für neun Personen zu finden. Zumal es in Andwil kaum Leerwohnungen gibt», sagt Gemeinderatsschreiber Patrik Strässle, der die Familie bei der Suche unterstützt.

Familie soll in Andwil bleiben

Die Familie stammt aus Syrien und wohnt seit vier Jahren in Andwil. Sie sind anerkannte Flüchtlinge und «wirklich tolle Leute», wie Strässle betont. Das Problem sei nun der Platz. «Die Familie ist in dieser Zeit halt gewachsen. In der Wohnung, in der sie leben, wird es zu eng», sagt der Gemeinderatsschreiber. Doch eine Unterkunft für neun Personen zu finden, sei schier unmöglich. «Da müsste fast ein Haus her. Oder zwei Wohnungen nebeneinander.» Natürlich könne die Gemeinde die Familie nicht in einer topmodernen Unterkunft unterbringen, das könne man nicht zahlen. «Die Familie erwartet dies auch gar nicht. Sie sind sich aus ihrem Heimatland an wenig Platz gewöhnt und an die Tatsache, dass nicht jeder ein eigenes Zimmer hat.»

Natürlich wäre es schön, wenn die Familie in Andwil oder in der näheren Umgebung bleiben könnte, wie Strässle sagt. Andwil wolle die Familie ja «nicht abschieben». Arnegg wäre eine Alternative, da die Kinder in derselben Schule bleiben könnten. Strässle ist zuversichtlich: «Wir suchen einfach weiter.»

Künftig weniger Asylbewerber

Auch andere Gemeinden sind verpflichtet, im Verhältnis zur Einwohnerzahl Asylbewerber aufzunehmen. Der Gemeinde Waldkirch ist ein Sollbestand von 21 Asylbewerbern zugeteilt. «Aktuell haben wir in Waldkirch 18 Asylbewerber», sagt Oliver Müller, Leiter für Soziales. Bis dato war es noch nie ein Problem, eine Unterkunft für diese zu finden. «Ich habe das Glück, dass ich hier verständnisvolle Leute habe, die mir Privatwohnungen vermieten», sagt Müller, betont aber, dass es sich dabei auch nicht um neunköpfige Familien handelt. «Sonst würde das vermutlich anders aussehen.» Wie die Asylbewerber jeweils in der Gemeinde aufgenommen werden, hänge stark von ihnen selbst ab. «Wenn die Asylbewerber offen auf die Bewohner zugehen und bereit sind, sich zu integrieren, gibt es auch keine Probleme.»

Anfang Jahr stieg der Sollbestand in Waldkirch von 17 auf 21 Asylbewerber. Bedenken, dass die Zahl weiter steigen wird, bis Platzmangel herrscht, hat Müller keine. «Klar ist irgendwo gegen oben Schluss. Aber so wie es ausschaut, werden die St. Galler Gemeinden künftig weniger Asylbewerber aufnehmen, da der Kanton den Asylvollzug ändern will.» Asylsuchende sollen im Kanton künftig anders verteilt werden. Wer ausreisen muss, wird nur noch in den kantonalen Zentren betreut. Personen, die in der Schweiz bleiben können, sollen so früh wie möglich auf die Gemeinden verteilt werden. Bei Personen, die wieder ausreisen müssten, mache dieser Ansatz aber wenig Sinn.

Eigene Liegenschaften gekauft

In der Stadt Gossau beträgt der Sollbestand knapp 100 Asylbewerber, wobei Arnegg zu dieser Zahl dazugehört. Aktuell seien rund 60 Asylbewerber in der Stadt untergebracht. Platz habe es für diese momentan genug. Gossau habe für alle einen Wohnraum und auch noch Kapazitäten, falls noch mehr dazukommen würden, wie es beim Amt für Soziales heisst. Gossau bringt die Asylbewerber in Liegenschaften unter, die die Gemeinde gekauft oder gemietet hat. Diese wurden aber nicht nur für jene Leute gekauft, sondern auch aus strategischen Gründen. Aus diesen Liegenschaften soll irgendwann etwas Neues entstehen. Bis die Gebäude teils abgerissen werden, dienen sie als Übergangslösung für eine Unterkunft für die Asylbewerber. Auch wenn momentan genügend Platz vorhanden sei, müsse man trotzdem immer Ausschau halten und dranbleiben. Die Zahlen würden regelmässig steigen und man könne nicht sagen, in welche Richtung das mit den Asylbewerbern in den Gemeinden gehen werde.