In der Pflegefamilie gut behütet

Die Pflegekinder-Aktion vermittelt und betreut jährlich über 200 Kinder in Tagesfamilien und zu Pflegeeltern. Die Nachfrage ist ungebrochen gross. Deshalb werden immer wieder Interessierte gesucht, die ein Kind betreuen wollen.

Claudia Schmid
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Konstantin mit seiner Tagesmutter. (Bild: Pflegekinder-Aktion St. Gallen)

Konstantin mit seiner Tagesmutter. (Bild: Pflegekinder-Aktion St. Gallen)

Tagesfamilie, Pflegefamilie, Kontakt- und Ferienfamilie: Die Pflegekinder-Aktion St. Gallen unterscheidet in ihrer Tätigkeit drei Betreuungsformen. Die Vermittlung von Kindern in Dauerpflegefamilien gehört seit seiner Gründung 1951 zur Aufgabe des Vereins (siehe Kasten). In den 1970er- und 1980er-Jahren kam das Bedürfnis nach Tageseltern immer mehr auf. Das kleinste Tätigkeitsfeld ist die Vermittlung von Kontakt- und Ferienfamilien.

Sie nehmen an ein bis zwei Wochenenden pro Monat und für ein paar Wochen in den Schulferien ein Kind auf, das in einer Institution lebt. Das Kind hat so die Gelegenheit, zeitweise an einem Familienleben teilzunehmen. 2009 wurden 157 Kinder in Tagesfamilien, 35 Kinder bei Pflegeeltern und 22 in Kontaktfamilien betreut.

Das Kind schützen

In eine Dauerpflegefamilie vermittelt die Pflegekinder-Aktion Buben und Mädchen, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können.

«Die Gründe für die Fremdplazierung können sehr unterschiedlich sein. Manchmal geht es in einem solchen Fall um Vernachlässigung oder Gewalt in der Familie, manchmal spielen psychische Erkrankungen oder Suchtprobleme eines Elternteils eine Rolle», erklärt Heidi Mattmüller, Leiterin der Fachstelle Kinderbetreuung.

Meistens wende sich der Beistand eines Kindes mit einer Kinderschutzmassnahme an die Fachstelle.

Daraufhin versuche man, möglichst viel über das betroffene Kind zu erfahren, um eine geeignete Pflegefamilie zu finden. In einem weiteren Schritt werde ein Treffen zwischen den Pflegeeltern, den leiblichen Eltern, dem Beistand und der Pflegekinder-Aktion vereinbart.

Das Kind bleibe oft über mehrere Jahre in seiner Pflegefamilie. Nicht zuletzt deshalb sei es wichtig, dass sich die ganze Familie um die Betreuung des Pflegekindes kümmere.

«Wenn immer es die Situation erlaubt, streben wir aber auch regelmässigen Kontakt zu den leiblichen Eltern an», sagt Heidi Mattmüller im Gespräch.

Partnerschaft zweier Familien

Das Betreuungsmodell Tageseltern, das die Pflegekinder-Aktion ausschliesslich in der Stadt St. Gallen führt, beruht auf der Partnerschaft zweier Familien: Die Tageseltern oder Tagesmütter sind zu Hause tätig und betreuen ein Tageskind, meist zusätzlich zu eigenen Kindern.

Die Eltern sind berufstätig und suchen einen Ort, wo ihr Kind zwischen einem halben Tag bis zu fünf Werktagen in der Woche betreut ist.

«Dieses Modell ist wohl aus zwei Gründen sehr beliebt», erklärt Susi Noger, Präsidentin der Pflegekinder-Aktion St. Gallen. Erstens sei die Betreuung eines Kindes in einer Familie sehr persönlich und zweitens könnten Tageseltern zeitlich flexibel auf die Bedürfnisse der Eltern eingehen, bis hin zu einzelnen Übernachtungen. Dies sei in einer Krippe etwa in den Abendstunden nicht möglich.

Susi Noger stellt aber klar, dass sie keinesfalls Tageshorte, Krippen und die Pflegekinder-Aktion gegeneinander ausspielen wolle: «Glücklicherweise gibt es die verschiedenen Angebote. Ansonsten wäre die Nachfrage nach ausserfamiliärer Kinderbetreuung gar nicht zu bewältigen.»

Kurse für Pflegeeltern

Für die Pflegekinder-Aktion sei es wichtig, dass sich das Angebot an guten Tagesfamilien stets erneuere und sie auf Familien zählen könne, die sich auch zur Verfügung stellten, betonen Susi Noger und Heidi Mattmüller.

Die Erfahrung zeige, dass die Aufnahme eines fremden Kindes in die eigene Familie eine anspruchsvolle Aufgabe sei, die Verständnis und Einfühlungsvermögen erforderten. Ebenso wichtig sei eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern. Sie bedinge Offenheit, Gesprächs- und Konfliktbereitschaft.

Pflegefamilien leisteten wiederum einen wichtigen Beitrag in der Kinder- und Jugendhilfe.

Neben Unterstützung und Anerkennung für ihre Arbeit müsse eine gute Kontrolle über die Entwicklung des Kindes gewährleistet sein. In diesem Spannungsfeld seien Behördenmitglieder wie Aufsichtspersonen anspruchsvollen Erwartungen ausgesetzt. Um sowohl Tageseltern wie auch Pflegefamilie auf ihre Aufgabe vorzubereiten, organisiert die Pflegekinder-Aktion Grund- und Weiterbildungskurse.

Informationen unter www.pasg.ch oder unter Telefon 071 277 48 38