In der Pferdewelt zu Hause

Oscar Zürrer hat die St. Galler Pferdetradition mitgeprägt. Schon als der CSIO noch «Pferdesporttage» hiess, war er dort «Pferdedoktor». Mitte Januar ist der Tierarzt im Alter von 88 Jahren gestorben.

Daniel Klingenberg
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Oscar Zürrer, 23. Mai 1928– 19. Januar 2016. (Bild: pd)

Oscar Zürrer, 23. Mai 1928– 19. Januar 2016. (Bild: pd)

St. Gallen und das Pferd gehören heute zusammen: Der CSIO hat internationale Ausstrahlung, die Offa-Pferdemesse ist ein Publikumsmagnet. Von selbst ist St. Gallen aber nicht «auf das Pferd» gekommen. Dazu brauchte es initiative Pferdeliebhaber. Der heutige VIP-Anlass CSIO beispielsweise fing in den 1950er-Jahren unter dem Namen «Pferdesporttage» als kleine Veranstaltung auf dem Breitfeld an. Damals standen die «Rösseler» noch unkompliziert bei einem Bier zusammen.

Zuständig für 200 Pferde

Eine dieser Personen ist Oscar Zürrer. Er übernimmt 1959 eine Gross- und Kleintierpraxis in St. Gallen und wird auch «Platztierarzt» an den Pferdesporttagen. Seine Liebe zum Pferd geht auf die Militärdienstzeit als Leutnant der Kavallerie zurück. «Ich hatte beim Abverdienen während 19 Wochen rund 200 hart arbeitende Pferde zu betreuen. Damit ergab sich automatisch eine besondere Beziehung zum Pferd», sagt Oscar Zürrer in einem Porträt als Tierarzt. Auch an der Offa prägt er die St. Galler Pferdewelt. Als damaliger Bezirkstierarzt ist er seit der ersten Auflage der Frühlingsmesse im Jahr 1977 Messeveterinär und trägt wesentlich dazu bei, dass die sieben Jahre später eingeführte Offa-Pferdemesse ein Publikumsliebling wird.

«Macher» mit Familienteam

Das Beispiel der Pferdemesse zeigt eine typische Seite von Oscar Zürrer: Er war ein «Macher». So führte er zusammen mit Olma-Direktor René Käppeli in einem Forum begleitende Veranstaltungen zur Pferdemesse ein und sagte dazu: «Wir haben uns gesagt, beginnen wir damit doch einfach. Wenn wir Erfolg haben, ist es schön, wenn nicht, haben wir es zumindest versucht.»

Seine anpackende Art führte auch dazu, dass Oscar Zürrer Präsident der Tierärzte-Gesellschaft St. Gallen-Appenzell und Olma- sowie Peter-und-Paul-Tierarzt wird. Zudem sass er für die FDP von 1977 bis 1986 im Grossen Gemeinderat, dem heutigen Stadtparlament. Er setzte sich auch (vergeblich) dafür ein, dass St. Gallen auf Peter und Paul eine Bärenanlage bekommt.

Die Tierarztpraxis, in der Oscar Zürrer in Regel bereits morgens um 6 Uhr stand, füllt sein Leben ebenfalls aus. 1962 zog er mit seiner Frau Ruth vom Magniberg, wo er zunächst praktizierte, an die Iddastrasse. Die Familie wurde vierköpfig, Leben und Arbeiten gehörten nun örtlich zusammen. Die Praxis war im Erdgeschoss des Wohnhauses und Oscar Zürrer konnte beim «Hüten des Telefons» und beim Vorbereiten von Operationen auf ein «Familienteam» zählen.

Operieren auf dem Bauernhof

Ein Schwerpunkt der Veterinärarbeit waren damals Impfungen von Kühen auf den Bauernhöfen, denn die Maul- und Klauenseuche war eine stete Gefahr. Oscar Zürrer operierte aber auch bei «Hausbesuchen», wenn eine Kuh etwa einen Fremdkörper verschluckt hatte oder eine Geburt nicht planmässig verlaufen war. In die Praxis kamen Kleintiere von Rennmäusen bis Katzen und Hunden. Knochenbrüche und Operationen waren an der Tagesordnung.

Mit der Übergabe der Praxis im Jahr 1993 an seine Nachfolger bekamen die Hobbies von Oscar Zürrer mehr Platz. Er war begeisterter Fliegenfischer und ein Pilzkenner. Das Appenzellerland kannte er aus Wanderungen in- und auswendig, auch das Engadin und das Wallis waren beliebte Ferienziele. Schiffsreisen führten ihn zusammen mit seiner Frau quer durch Europa.

Am 16. Januar 2016 ist Oscar Zürrer im 88. Lebensjahr gestorben.

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