In der goldenen Mitte politisieren

Seit Juni sitzt Beat Rütsche für die CVP im Stadtparlament. Starke Bildungsinstitutionen und attraktive Standortbedingungen für die Wirtschaft sind ihm ein Anliegen. Und, dass im Parlament konsensorientiert diskutiert wird.

Janina Gehrig
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Er nimmt selten Extrempositionen ein: Beat Rütsche (CVP) sitzt seit Juni neu im Stadtparlament. (Bild: Hanspeter Schiess)

Er nimmt selten Extrempositionen ein: Beat Rütsche (CVP) sitzt seit Juni neu im Stadtparlament. (Bild: Hanspeter Schiess)

Beim Rasenmähen ist er von seinem Nachbarn überzeugt worden, fürs Stadtparlament zu kandidieren. Und «fast über Nacht» sei er dann, am 14. Juni, auf Guido Keller für die CVP nachgerückt, erzählt Beat Rütsche. Er sitzt im «Nonolet» gegenüber dem Waaghaus. Hier kehren er und seine Parteikollegen ein, bevor sie die Parlamentssitzungen besuchen. An seine erste Sitzung kann sich der 42-Jährige gut erinnern. «Spannend waren die Diskussionen und der Umgangston zwischen links und rechts und zwischen Regierung und Parlament», sagt er.

«Nicht einer, der laut poltert»

Selbst bezeichnet er sich nicht als «einen, der laut poltert», sondern eher als einen, der die Themen sachlich angehe, analysiere und dann argumentiere. Als einer von 63 Parlamentariern wolle er nun einen Beitrag dafür leisten, dass die Stadt funktioniere. «Meine Berufsgruppe ist im Parlament untervertreten. Ich möchte auch gewisse Interessen einbringen», sagt Rütsche, der als Wirtschaftsprüfer arbeitet. Einsetzen möchte sich der St. Galler etwa für attraktive Standortbedingungen für die Wirtschaft. Rütsche schaut aus dem Fenster in Richtung Calatrava-Halle. «Ich finde es extrem schade, dass die Marktplatz-Vorlage nicht angenommen wurde. Es stört mich, dass die Bevölkerung das Thema nicht weitsichtiger und weltoffener angegangen ist.»

Nicht bei der Bildung sparen

Auch die Kinderbetreuung für berufstätige Eltern müsse verbessert werden. «In Luxemburg gibt es vorbildliche Modelle dafür», sagt der zweifache Vater, der sieben Monate dort verbracht hat. Wichtig seien ihm auch starke Bildungsinstitutionen. «Nur so können wir uns als Land und Stadt weiterentwickeln. Sparübungen sind dort fehl am Platz.»

Und schliesslich, findet Rütsche, sollen sich die umliegenden Gemeinden stärker an den Zentrumslasten der Stadt beteiligen. Der CVP beigetreten ist Rütsche für die Wahlen im Jahr 2008. «Überredet hat mich der Fraktionspräsident Philip Schneider mit den Worten, ich müsse schon nicht mit einer Wahl rechnen.» Was dann auch so kam. Als Zweiter schaffte er den Einzug ins Parlament nicht auf Anhieb. Der gute Platz habe ihn dennoch gefreut. Die CVP sei «seine» Partei, weil er sich in der Mitte positioniere, konsens- und lösungsorientiert sei. «Die CVP bietet Platz für viele Meinungen, auch innerhalb der Partei.» Wohin er einmal in der Politik will, das weiss er noch nicht. «Vor fünf Jahren hätte ich auch noch nicht gedacht, einst im Stadtparlament zu sitzen. Vieles ist im Leben nicht voraussehbar», sagt er und lacht.

Auf Skitouren und als Klaus

Seit 17 Jahren weiss Rütsche aber wohl, wohin er beruflich gehört. Schon so lange arbeitet der gelernte Kaufmann mit Fachhochschulabschluss bei der Firma PricewaterhouseCoopers, leitet die Abteilung Banken und Investment Fonds. «Die Vielseitigkeit und der Kundenkontakt gefallen mir besonders», sagt er. Und, dass er von seinem Wohnort am Kammelenberg zu Fuss zu seinem Büro im Neumarkt gehen könne. Ansonsten sei er oft in der Ostschweiz und im Fürstentum Liechtenstein unterwegs.

Gerne unterwegs ist Rütsche in der Freizeit auf Skitouren in Österreich, Italien und der Schweiz. Oder verkleidet als Samichlaus, begleitet von Knecht Ruprecht und zwei Engeln. Denn Rütsche ist Präsident der Klausgruppen St. Gallen, die Familien und einsame Leute besucht und die Gassenküche finanziell unterstützt. Seine Frau ist Gesangspädagogin und singt oft in verschiedenen Kirchen, weshalb er auch dort öfters anzutreffen sei. Er hofft, Freizeit, Beruf und Familie weiterhin unter einen Hut zu bringen – auch mit seinem neuesten Hobby: dem Stadtparlament.