Improvisiertes Theater vor naiver Kunst

Museum im Lagerhaus Reto Trunz erklärt dem Publikum kurz die Spielregeln: «Sie dürfen uns etwas zurufen, und wir setzen das dann grad um», sagt der Schauspieler des Theater-Ensembles «Tiltanic». Wenige Minuten später lacht das Publikum Tränen.

Roger Berhalter
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Museum im Lagerhaus Reto Trunz erklärt dem Publikum kurz die Spielregeln: «Sie dürfen uns etwas zurufen, und wir setzen das dann grad um», sagt der Schauspieler des Theater-Ensembles «Tiltanic». Wenige Minuten später lacht das Publikum Tränen. Die improvisierten Szenen des Quartetts sind aber nicht nur lustig, sondern auch beeindruckend. Denn nichts ist vorbereitet, alles entsteht spontan. «Live und ohne doppelten Boden», wie Trunz sagt. Normalerweise begleitet er Interessierte in szenischen Führungen durch das Museum im Lagerhaus und improvisiert einzelne Szenen zu einzelnen Kunstwerken. Diesmal macht «Tiltanic» zum ersten Mal an der Museumsnacht mit.

Zehn Geschichten in zwei Minuten

Mit den vielen Besuchern können die Theaterleute aber nicht einfach durch die Ausstellung spazieren. Stattdessen beschränken sie sich auf eine Ecke und schauspielern vor Bildern von Niki de Saint Phalle und Eugène Ionesco. Zum Aufwärmen spielen Reto Trunz, Pina Casabona, Regina Leemann und Mario Wiech zehn Geschichten in zwei Minuten. Ein Schuhlöffel aus dem Publikum verwandelt sich in wechselnden Szenen in ein Smartphone, eine Angelrute, eine Hostie und eine Kontaktlinse. Das Tempo ist rasant, die Flexibilität der Schauspieler verblüffend. So interpretiert Pina Casabona eine Pose auf dem Bild hinter ihr als Yoga-Figur. Spätestens als sie sich mit einer fiktiven Gebärdensprache körperlich verausgabt – zur Freude des Publikum – ist klar: Improvisiertes Theater und bildende Kunst passen bestens zusammen.

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