Immer noch kein Biogas aus Bazenheid

Im Frühjahr zeigte sich die Geschäftsleitung der TMF Extraktionswerk AG Bazenheid noch optimistisch – der Baubeginn einer neuen Biogasanlage wurde für diesen Sommer angegeben. Seitdem herrscht Funkstille, der Spatenstich blieb aus.

Julia Nehmiz
Merken
Drucken
Teilen
Die TMF Extraktionswerk AG in Bazenheid plant eine Biogasanlage. (Bild: Ralph Ribi)

Die TMF Extraktionswerk AG in Bazenheid plant eine Biogasanlage. (Bild: Ralph Ribi)

Im März hiess es von der TMF Extraktionswerk AG Bazenheid euphorisch: «Wir bauen die grösste Biogasanlage in ganz Europa.» Projektleiter Werner Käufeler wollte 7000 Einfamilienhäuser oder 10 000 Mietwohnungen mit Biogas aus der TMF heizen. Ziel war, die neue Biogasanlage im Sommer 2012 in Betrieb zu nehmen. Sie sollte für 80 000 Tonnen Tier- und Schlachtabfälle ausgelegt werden – mehr als doppelt so viel wie die Biogasanlage von Biorender in Münchwilen.

Teures Biogas sucht Kunden

Doch im Unterschied zur geplanten Anlage der TMF produziert Biorender seit März Biogas. Die Städte Wil, St. Gallen, Winterthur und Schaffhausen sowie Flawil, Uzwil und die Erdgas Toggenburg Werdenberg AG (Etwag) sind an Biorender beteiligt und gleichzeitig Abnehmer des Biogases.

Solche Kunden fehlen der zukünftigen Bazenheider Anlage. «Wir sind immer noch auf der Suche nach Abnehmern, die das Biogas zu einem für die TMF wirtschaftlich rentablen Preis kaufen», sagt Geschäftsleiter Harald Lüling. Die Projektleitung sei guten Mutes, solche Abnehmer früher oder später zu finden. Trotzdem nennt er keinen konkreten neuen Baubeginn: «Erst, wenn wir unterschriebene Verträge haben, gehen wir damit an die Öffentlichkeit.» Die TMF sei in Verhandlung mit potenziellen Kunden, allerdings wolle er keine Namen nennen.

Freier Markt diktiert den Preis

«Biogas ist für Konsumenten teurer als herkömmliches Erdgas» so der Geschäftsleiter, «für die Biogasproduktion muss ein grosser Aufwand betrieben werden.» Und wieso läuft die Biogasanlage von Biorender? «Bei der Münchwiler Konkurrenz sind die Aktionäre gleichzeitig die Einkäufer, dort diktiert also nicht der freie Markt den Preis», sagt Lüling.

Futtermittel und Brennstoffe

Die Bazenheider TMF Extraktionswerk AG produziert aus den Schlachtabfällen weiterhin Tiermehl und Tierfette. Das Tiermehl wird als Brennmaterial an Zementfabriken geliefert. Die Tierfette dienen als Grundstoff zur Herstellung von Biodiesel. Das Tiermehl wurde bis zur BSE-Krise 1996 als Futtermittel verwendet. Das ist seither verboten, doch Harald Lüling glaubt, dass schon in naher Zukunft diese Vorschriften geändert werden könnten. «Die Alternative zu Tiermehl ist Soja aus Argentinien», gibt er zu bedenken. Und in Tiernahrung würden heute schon tierische Nebenprodukte verfüttert an Hund und Katz. Die TMF will die Biogasanlage nicht auf die heutige Verfügbarkeit ausrichten, sondern auf den Materialanfall der Zukunft.

Entsorgung von Risikofleisch

Und von diesem Material, also den Schlachtabfällen und Tierkadavern, gebe es trotz Konkurrent Biorender genug: «Wir sind der zertifizierte Abnehmer für Risikofleisch aus der ganzen Ostschweiz», sagt Lüling. Die TMF möchte aus diesen Abfällen etwas «Sinnvolles» herstellen. Die Pläne und Investoren sind bereit, man könne sofort starten. Die Biogasanlage sei ein Blick in die Zukunft. Doch die liegt im Moment noch im Ungewissen.