Immer mehr Frauen greifen zur Waffe

Buben verkleiden sich als Cowboys mit Colts. In der Pubertät wird auf dem Computer mit dem Ego-Shooter gezockt. Und als Männer schauen sie gerne Filme, in denen geballert wird.

Katharina Brenner
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Daniela Riedener von der Schützengesellschaft Wittenbach lebt in Wittenbach. Ihr Ergebnis: 68 Punkte. (Bilder: Urs Bucher und Benjamin Manser)

Daniela Riedener von der Schützengesellschaft Wittenbach lebt in Wittenbach. Ihr Ergebnis: 68 Punkte. (Bilder: Urs Bucher und Benjamin Manser)

Buben verkleiden sich als Cowboys mit Colts. In der Pubertät wird auf dem Computer mit dem Ego-Shooter gezockt. Und als Männer schauen sie gerne Filme, in denen geballert wird. Und spätestens als Mitglied eines Schützenvereins sind sie davon überzeugt, gut schiessen zu können: Soweit die Klischees. Die Realität sieht anders aus.

Kein Männersport mehr

«Seit einigen Jahren ist ein gewisser Trend festzustellen, dass mehr Frauen schiessen», sagt Christian Zwicker vom Regionalschützenverband (RSV) St. Gallen. Nicht nur in den Vereinen in der Region, auch auf nationaler und internationaler Ebene sei diese Trendwende zu beobachten. «Schiessen ist kein Männersport mehr.»

Wie viele Frauen in den Vereinen des RSV St. Gallen aktiv sind, weiss Zwicker nicht. Doch jeder der 22 Vereine zwischen Gossau und dem Bodensee habe weibliche Mitglieder. Auch beim diesjährigen Feldschiessen hätten Frauen aus jedem dieser Vereine teilgenommen. Zwicker betreut als RSV-Vorstandsmitglied das Feldschiessen. Dort habe der Frauenanteil in diesem Jahr bei zwölf Prozent gelegen – anderthalb Prozent höher als 2015.

Feldschiessen ist eine Ausnahme

Und wer erzielt die besseren Resultate? Männer oder Frauen? «Beim Feldschiessen muss man beachten, dass es offen ist für alle», sagt Zwicker. Jede und jeder Interessierte ab zehn Jahren kann daran teilnehmen – egal, ob Laie oder Profi. Da viele Männer im Militär waren, hätten sie mehr Übung mit Waffen und erzielten die besseren Ergebnisse, sagt Zwicker. Das gelte allerdings nur für das Feldschiessen.

Denn bei den Vereinsmitgliedern gebe es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. «Männer und Frauen sind absolut gleichberechtigt», sagt Zwicker. Ein hartes Training, eine gute Technik und Talent entschieden darüber, ob jemand gut schiesse – nicht das Geschlecht. Der Schiesssport sei in dieser Hinsicht absolut neutral.

Die beste Frau in Wittenbach

Eine Vereins-Schützin, die am Feldschiessen teilgenommen hat und sich über ihr Resultat freut, ist Daniela Riederer. Seit 2002 ist die 30-Jährige Mitglied in der Schützengesellschaft Wittenbach. Mit 68 von 72 möglichen Punkten war sie die beste Frau im Erlenholz. «Damit hätte ich nie gerechnet», sagt sie.

Am Schiesssport schätze sie die Herausforderung und die Kollegialität. Über eine Einladung zum Jungschützenkurs ist sie zum Verein gekommen. Ausserdem sei ihr «Oberstift» bereits Mitglied gewesen. Zusammen mit ihrer Schwester und einer Kollegin ging sie zum Kurs – und wurde vom Schiesssport überzeugt.

Die Kollegin war Gabi Schütz. Die 30-Jährige ist ebenfalls seit 2002 Mitglied in der Schützengesellschaft Wittenbach. Sie schätzt das Miteinander, dass sich Junge wie Alte engagierten.

Vater war Schützenpräsident

Auch Sandra Altherr findet es toll, dass in der Schützengesellschaft Wittenbach unterschiedliche Altersgruppen zusammenkommen. «Der Jüngste ist zehn Jahre alt, die Ältesten sind über 80.» Sie ist seit 23 Jahren Mitglied. Das habe nahe gelegen: Ihr Vater war viele Jahre Präsident der Gesellschaft. Am Schiessen fasziniert Altherr, dass es einem grosse Konzentration abverlange. Erst wenn man ganz ruhig sei und die Abläufe stimmten, könne ein guter Schuss gelingen. Ausserdem reizen sie die Wettkämpfe.

Über den Mann in den Verein

Cécile Königs Ehemann war seit einem Jahr Mitglied in der Schützengesellschaft Wittenbach, als sie ihn zu einem Training begleitete. «Ich wollte mir das einmal anschauen», sagt sie. Und ist geblieben. Seit gut zehn Jahren ist die 47-Jährige Mitglied. «Beim Schiessen kommt der Puls runter.»

Die vier Frauen sind jeweils über Familienangehörige oder Freunde zur Schützengesellschaft gekommen. Das sei meistens die Motivation für einen Beitritt sagt Christian Zwicker. Die Vereine würden nicht gezielt Frauen rekrutieren. Das passiere ganz von alleine. Und offensichtlich immer häufiger.

Sandra Altherr von der Schützengesellschaft Wittenbach lebt in Wittenbach. Ihr Ergebnis: 64 Punkte. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Sandra Altherr von der Schützengesellschaft Wittenbach lebt in Wittenbach. Ihr Ergebnis: 64 Punkte. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

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