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Immer auf Glatteis

Wer bauen will, kommt kaum an ihm vorbei. Seit 24 Jahren leitet Ernst Michel das Amt für Baubewilligungen. Er spricht über Krach unter Nachbarn und ein Bärengehege.
Malolo Kessler
Der Leiter des Amts für Baubewilligungen, Ernst Michel, referiert am FDP-Morgenstamm. (Bild: Ralph Ribi)

Der Leiter des Amts für Baubewilligungen, Ernst Michel, referiert am FDP-Morgenstamm. (Bild: Ralph Ribi)

Er bewegt sich täglich auf Glatteis. Schon fast sein halbes Leben. Ausgerutscht und so richtig auf dem Latz gelandet, das sei er aber noch nie, sagt Ernst Michel. Der 59-Jährige leitet seit 24 Jahren das städtische Amt für Baubewilligungen. «Ein Amt, das viel direkteren Kontakt zu den Bürgern hat als viele andere.» Und ein Amt, das mit seinen Entscheiden viele Konflikte löst – aber welche auslöst.

1000 Gesuche, 175 Einsprachen

Gestern stellte Michel sein Amt und seine Arbeit am FDP-Morgenstamm im Restaurant Züghüsli vor. Gegen 30 Zuhörerinnen und Zuhörer kamen zu seinem Referat, das sich vor allem um den derzeitigen Bauboom, St. Galler Visionen und Krach zwischen Nachbarn drehte.

Durchschnittlich werden pro Jahr rund 1000 Baugesuche beim Amt für Baubewilligungen eingereicht. Daraufhin werden 2900 Nachbarn angeschrieben, 175 von ihnen legen Einsprache ein. «Und nur sieben Gesuche werden im Schnitt pro Jahr schliesslich abgewiesen», sagt Michel. Die Abweisung eines Gesuches sei das «letzte Mittel» in einem langen Prozess, in dem gemeinsam versucht werde, Kompromisse zu machen und schliesslich eine Lösung zu finden. Über mehr als die Hälfte aller Gesuche werde in weniger als 30 Tagen entschieden. «Aber für viele Gesuchsteller dauert das immer noch zu lange.» Er träume davon, dass zwischen Gesuchstellern und Einsprechern öfter einvernehmliche Lösungen gefunden würden. Aber manche alte Rechnungen, unter Nachbarn etwa, könnten nicht übers Gesetz geregelt werden.

Nicht das Auge beleidigen

Die erste Bauordnung der Politischen Gemeinde St. Gallen stammt aus dem Jahr 1864. Ein kleinformatiges, 20seitiges Heftchen. «Im Allgemeinen soll jede Erstellung von Garten- oder Hofeinfassungen längs den Strassen, Gassen oder öffentlichen Plätzen dem Gemeinderat angezeigt werden, welcher darauf sehen wird, dass sie kein das Auge beleidigendes und gegen die Umgebungen zu grell abstechendes Äussere bekommen», heisst es darin. Das sei heute noch so, sagt Michel. Die immer neuen gesetzlichen Bestimmungen, die in den letzten Jahrzehnten dazugekommen seien, machten die Arbeit nicht einfacher. Allerdings spannender.

Seilbahn auf den Freudenberg

St. Gallen bezeichnet Michel als «Stadt des Baubooms», aber auch als «Stadt der unverwirklichten Visionen». In den 1920er-Jahren hatte ein Architekt die Idee, im Tal der Demut eine Olympiastadt mit Flughafen zu bauen. 1952 wollte ein Ingenieur den Freudenberg mit einer Seilbahn erschliessen. Auch ein in den 1980er-Jahren geplantes Bärengehege auf «Peter und Paul» kam nie zustande – obwohl das Baugesuch bewilligt wurde. «Zum Glück für das Quartier Rotmonten», sagt Michel.

Er erwartet, dass – wie schon in den letzten zehn – auch in den nächsten paar Jahren um die 1000 Baugesuche jährlich eingereicht werden. «Und wenn jeweils ein Projekt bei der Bevölkerung gut ankommt, kennt jeder am Ende den Architekten. Wie beim Helvetia-Bau auf dem Rosenberg», sagt Michel. Komme hingegen ein Projekt weniger gut an, wisse jeder einfach nur noch, wer's bewilligt habe.

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