Im Zentrum Curling-Europas

Die Interessengemeinschaft ECC2017 will in zwei Jahren die Europameisterschaften im Curling in St. Gallen austragen. Der Stadtrat hat grosses Interesse an diesem internationalen Sportereignis – und hat's den Weltverband wissen lassen.

Daniel Wirth
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Die Schweizer Curling-Frauen gewannen erst vor wenigen Wochen in Champéry den EM-Titel. (Bild: freshfocus/Gerard Berthoud)

Die Schweizer Curling-Frauen gewannen erst vor wenigen Wochen in Champéry den EM-Titel. (Bild: freshfocus/Gerard Berthoud)

An Allerheiligen ist die neue Curlinghalle im Lerchenfeld im Westen der Stadt eröffnet worden. Betrieben wird sie seither vom Verein Curling Center St. Gallen. Dessen Präsident Ferdinand Flühler bezeichnet die Halle mit ihren fünf Rinks (Curling-Bahnen) als die modernste Anlage der Schweiz. Gekostet hat die neue Halle rund 5,6 Millionen Franken; die Stadt St. Gallen hat sich daran mit einem Baubeitrag von 400 000 Franken beteiligt und dem Verein Curling Center darüber hinaus ein vergünstigtes Darlehen von rund vier Millionen Franken gewährt. Das hatte das Stadtparlament beschlossen.

«Sehr im Sinne» der Stadt

Dass in der neuen Halle eine internationale Meisterschaft im Curling ausgetragen werden soll, ist ganz im Interesse der Stadtregierung, wie Stadtpräsident Thomas Scheitlin auf Anfrage bestätigt. Der Stadtrat habe dem Curling-Weltverband (World Curling Federation) im Herbst einen Brief geschrieben und ihm darin mitgeteilt, dass eine Austragung der Curling-Europameisterschaften 2017 sehr im Sinne der Behörden ist. Jetzt könne der Stadtrat erst wieder aktiv werden, wenn St. Gallen den Zuschlag für die EM erhalte. Die Vergabe der Europameisterschaften erfolgt in diesem Jahr.

Die IG und das Curling-Center

Die Europameisterschaften dauern im November 2017 rund zehn Tage. Gemäss der Interessengemeinschaft (IG) ECC2017 nehmen 46 Teams daran teil. An der Spitze der IG ECC2017 steht der Sportevent-Manager Peter Beeler. Der ehemalige Banker organisiert auch die European Masters, die jährlich im Lerchenfeld ausgetragen werden. Beeler kooperiert mit dem Verein Curling Center St. Gallen, wie dessen Präsident Ferdinand Flühler bestätigt. Mit dem Bewerbungsdossier, das dem Curling-Weltverband via den nationalen Verband Swisscurling an den diesjährigen Europameisterschaften in Champéry in den Walliser Alpen eingereicht wurde, wolle man die Fühler ausstrecken, sagt Flühler. Bei einer allfälligen Zusage werde man dann auch die verschiedenen Curling-Clubs, die in der neuen Halle spielen, ins Boot holen. Denn der November falle mitten in die Curling-Saison; lokale und regionale Clubs müssten während den Europameisterschaften hinten anstehen. Doch Flühler ist überzeugt: «Das nähmen die Ostschweizer Curler sicher in Kauf angesichts der Strahlkraft, die eine EM hat.»

Anlass mit Strahlkraft

Die von Flühler angesprochene Strahlkraft ist mit ein Grund, weshalb sich der Stadtrat für den Anlass stark gemacht hat. Stadtpräsident Thomas Scheitlin: «Es gehört zu unserer Strategie, dass einmal im Jahr ein Anlass auf nationalem oder internationalem Niveau in der Stadt stattfindet.» St. Gallen verstehe sich als Stadt mit internationaler Ausrichtung und als eine Sportstadt, sagt Scheitlin. Internationale Sportwettkämpfe würden den Namen «St. Gallen» in die Welt hinaustragen. Dazu zählt Scheitlin Fussball-Länderspiele in der AFG-Arena, Unihockey-Europameisterschaften im Athletik-Zentrum oder der CSIO (Springreiten) im Gründenmoos. Mit der Durchführung solcher wie auch nationaler Grossanlässe beweise die Stadt, dass sie in der Lage sei, auch «grosse Kisten» zu stemmen. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest etwa fand letztmals 1980 in St. Gallen statt und soll nun 2025 über 300 000 Besucher hierher locken (Tagblatt vom 22. Dezember).

Und wer solch grosse Kisten heben mag, kriegt dafür auch etwas zurück. Peter Beeler von der IG ECC2017 rechnet gemäss Communiqué damit, dass die Curling-EM der Hotellerie in Stadt und Region rund 6000 Übernachtungen bringen wird. Ein eidgenössisches Schwingfest hätte gar eine geschätzte Bruttowertschöpfung für Stadt und Region von rund 60 Millionen Franken.