Im Tricot von Stéphane Besle

Der Gossauer Cyrill Bauer spielt morgen und am Sonntag an den Regional Games in St. Gallen. Obwohl er im Tor steht, hofft der 23-Jährige, vor Heimpublikum einen Treffer zu erzielen.

Raya Badraun
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Goalie Cyrill Bauer trägt nicht nur im Spiel das Tricot des FC St. Gallen, sondern auch im Training. (Bild: Hanspeter Schiess)

Goalie Cyrill Bauer trägt nicht nur im Spiel das Tricot des FC St. Gallen, sondern auch im Training. (Bild: Hanspeter Schiess)

BEHINDERTENSPORT. An den Regional Games in St. Gallen erkennt man das Heimteam sofort: Die Spieler des FC St. Gallen Valida tragen auf dem Platz die weissen Auswärtstricots des FC St. Gallen. «Das ist eine Ehre für sie», sagt Trainer Daniel Spring. Die meisten sässen jeweils in der AFG Arena im Publikum, manche würden ihrem Lieblingsclub gar an alle Auswärtsspiele folgen. Auch der Gossauer Cyrill Bauer ist ein Anhänger der Super-League-Mannschaft, über zehn Leibchen hängen in seinem Schrank. Auf dem Platz trägt er als Goalie jeweils die Nummer 1, als Feldspieler die 15 – das Leibchen von Stéphane Besle. «Mein Lieblingsspieler ist Scarione, doch der ist ja gegangen», sagt der 23-Jährige.

An den Regional Games, einem Turnier für behinderte Menschen, wird er wieder im Tor stehen, darin hat er Erfahrung. Ein ehemaliger Schulkollege von ihm habe das Goalietraining absolviert und ihn später auf dem Platz ins Tor gestellt, sagt Bauer. So wurde er immer besser. «Am Anfang hatte er noch Angst, ein Goal zu kassieren und von seinen Mitspielern deshalb aufgezogen zu werden», sagt Spring. Doch das passiere nie. Er sei sowohl als Feldspieler, als auch als Goalie gut, sagt Bauer und wendet sich dann dem Trainer zu. «Am Turnier wechseln wir aber auch einmal die Position? Ich würde gerne wieder einmal ein Tor schiessen.»

Trainieren bei Fortitudo Gossau

Nervös ist er nur ein bisschen, sagt Bauer. Der St. Galler hat bereits an vielen Turnieren teilgenommen – als Fussballer und Handballer. Seit 17 Jahren spielt er bei Fortitudo Gossau. «Ich schaute oft meinem Vater beim Spielen zu», erinnert er sich. Von Anfang an habe ihm Handball sehr gefallen. Bei seiner Mutter, einer Nachwuchstrainerin, absolvierte er dann die ersten Trainings. Heute spielt er in der 4. Liga und trainiert jede Woche. 2008 gründete Spring dann das Fussballteam der Valida, der Lehr- und Arbeitswerkstätte für Menschen mit Behinderungen. Dort machte Bauer, der geistig behindert ist, eine Anlehre als Gartenpfleger und arbeitet heute in der Schreinerei. «Ich wollte mit den jungen Leuten etwas erreichen, dass sie sich dadurch weiterentwickeln und so ihr Selbstbewusstsein steigern», sagt der Trainer Spring.

Jörg Stiel übergibt die Medaillen

Seither hat die Mannschaft an zahlreichen Turnieren im In- und Ausland teilgenommen. An diesem Wochenende findet nun das erste grosse Heimturnier für die Mannschaft statt. «Für mich ist das ganz speziell», sagt Bauer, dessen Eltern im Publikum sitzen werden. Am Sonntag werden dann Christa Rigozzi und Jörg Stiel die Medaillen verteilen. Als Bauer das hört, strahlen seine Augen. Neben dem Platz ist der Fussballer ganz der Fan.