Im Objekt der Begierde

In der Hauptpost verbirgt sich enormes Nutzungspotenzial, seit Postfinance in den oberen Stockwerken ausgezogen ist. Die Bibliotheks-Initiative ermöglichte einen Einblick in das Gebäude.

Fredi Kurth
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Viel Platz für Bücher: Der Saal im 3. Stock der Hauptpost lässt die Anhänger einer neuen Bibliothek bereits träumen. (Bilder: Urs Bucher)

Viel Platz für Bücher: Der Saal im 3. Stock der Hauptpost lässt die Anhänger einer neuen Bibliothek bereits träumen. (Bilder: Urs Bucher)

Viele Menschen sind unten in der Hauptpost schon tausendmal angestanden. Aber nur wenige haben eine Ahnung vom Innenleben dieses mächtigen Baus auf den weiteren Etagen. Am Donnerstagabend hatte man bei einer Einladung der Bibliotheks-Initiative Gelegenheit, diese Bildungslücke zu schliessen.

11 000 Quadratmeter

Erster Stock, zweiter Stock, dritter Stock. Rund 70 Personen nehmen die Treppe ausserhalb des Liftschachts, um die momentan interessanteste Ebene zu erklimmen, wo unter anderem das Amt für Kultur seit Anfang Jahr zu Hause ist. Darunter sind neben der Post die kantonalen Ämter für Strassenverkehr und Migration einquartiert. Doch hier oben öffnet sich auf der Südostseite ein riesiger Saal, gähnend leer, von der Post seit dem Umzug in den Hechtacker geräumt.

«Es gibt keinen besseren Ort für eine Publikumsbibliothek», sagt Ralph Hug vom Initiativkomitee. In der von Regierung und Kantonsparlament zurückgewiesenen, ursprünglichen Variante wäre der ganze Bau mit 11 000 Quadratmetern belegt worden.

Für eine abgespeckte Variante mit Förderung aller Bibliotheken im Kanton hat die Initiative schon Minuten zuvor geworben. In einem Flash Mob sollte im Dunkel der Nacht das «Objekt der Begierde», so Ralph Hug, umzingelt werden. Mit rund 100 Personen bei starkem Regen gelang das Unterfangen nicht ganz. Die verlangten 4000 Unterschriften sind aber seit einiger Zeit beisammen.

Der nächste Saal ist bestuhlt, nennt sich «Raum für Literatur». Im Amt für Kultur wird Kultur also nicht nur verwaltet, sondern auch gelebt. Lesungen finden statt, und die Wand ist mit Zeichnungen und Zitaten verziert. «Hier und jetzt frohes Fleisch und Literatur», ist zu lesen. Auch die kleineren Räume, in denen sich die Belegschaft des Amtes aufhält, sind nur scheinbar klein. Sitzt ein Mensch drin, wirkt er fast zwergenhaft. Das Skelett eines Huhns namens Gallus ist aber gross genug, um Aufmerksamkeit zu erregen: Erstaunlich, wie feingliedrig ein Huhn ist, wenn man es bloss vom Pouletschenkel her kennt.

Da ist schon eine Bibliothek

«Sitzungszimmer/Bibliothek» ist auf einem Schildchen zu lesen. Aha, da hat es ja schon eine. Sie könnte dann in die neue eingegliedert werden. «Wir wissen noch nicht, was dann später mit uns geschieht», sagt Katrin Meier, Leiterin des Amtes für Kultur.

Unter die Besucher hat sich auch Briefträger Erich Bischof gemischt, der bis letztes Jahr hier gearbeitet hat. «Die Einteilung ist weitgehend unverändert geblieben», sagt er. «Hier war die Verwaltung, dort vorne die Sortierung, da drüben sass der Chef.» Auf der Nordseite jedoch erspäht Bischof eingezogene Wände. Dort werden im Auftrag des Kantons traumatisierte Flüchtlinge von der Gravita betreut. «Als wir hier ankamen, hätte man Basketball spielen können», sagt Michael Anderegg, Leiter der Organisation. In einem Zwischenraum auf diesem Stock reicht das Format eines Töggelikastens für aktive Entspannung.

Ja, die 1915 zur Stickereiblüte erbaute Hauptpost ist mächtig. «Doch der neue Bau im Hechtacker ist grösser», sagt Bischof.

Eine kleine Vorahnung gibt die Bibliothek im Amt für Kultur. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Eine kleine Vorahnung gibt die Bibliothek im Amt für Kultur. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Ein Raum für Literatur ist jetzt schon vorhanden. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Ein Raum für Literatur ist jetzt schon vorhanden. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Schöne Aussicht: Zwei Frauen werfen einen Blick auf den Bahnhofplatz. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Schöne Aussicht: Zwei Frauen werfen einen Blick auf den Bahnhofplatz. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

In der Pause wird im 3. Stock der Hauptpost Fussball gespielt. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

In der Pause wird im 3. Stock der Hauptpost Fussball gespielt. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))