Im Labor des Lebens

Das Naturmuseum führt in seiner neuen Ausstellung in die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der Galápagos-Inseln ein. Fotos von St. Galler Experten ergänzen die Wanderausstellung.

Beda Hanimann
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Galápagos im Naturmuseum: Direktor Toni Bürgin in Guide-Montur mit Riesenschildkröte, quasi dem Wappentier der Galápagos-Inseln. (Bild: Ralph Ribi)

Galápagos im Naturmuseum: Direktor Toni Bürgin in Guide-Montur mit Riesenschildkröte, quasi dem Wappentier der Galápagos-Inseln. (Bild: Ralph Ribi)

Am Anfang war Charles Darwin fast ein bisschen enttäuscht. Als er 1835 auf seiner mehrjährigen Forschungsreise die GalápagosInseln erreichte, irritierte ihn die Kargheit der Landschaft. Doch dann erkannte er die Inseln als reichhaltiges natürliches Labor, in welchem sich Pflanzen und Tiere aufgrund der Gegebenheiten unterschiedlich entwickeln. Das bestätigte seine früheren Vorstellungen einer Evolution durch natürliche Selektion.

Diese Erkenntnis habe Darwin auch Bauchweh gemacht, weil sie der Darstellung von Leben in der Bibel widersprach, sagt Toni Bürgin, der Direktor des Naturmuseums. Deshalb habe Darwin seine Beobachtungen und Überlegungen vorerst in einem geheimen Tagebuch festgehalten und sich mit der Publikation zwanzig Jahre Zeit gelassen. Erst 1859 erschien sein revolutionäres Buch über die Veränderlichkeit der Arten. «Die Arten sind nicht unveränderlich… Mir ist, als gestehe ich einen Mord», soll Darwin selbst dazu gesagt haben.

Vulkanischer Ursprung

Von da an war die Inselgruppe tausend Kilometer westlich von Ecuador ein bevorzugtes Forschungsgebiet. Auch die Universität Zürich verfolgt derzeit Projekte auf dem Archipel. Für Toni Bürgin ist die Wanderausstellung «Galápagos – Experimentierfeld der Evolution» deshalb eine «Ausstellung aus erster Hand». Sie wurde vom Zoologischen Museum der Universität Zürich konzipiert und reist nach St. Gallen in die USA weiter. An der Vernissage von heute abend spricht auch Hendrik N. Hoeck, der von 1978 bis 1980 Leiter der Charles-Darwin-Forschungsstation auf Galápagos war.

Die rund 120 grösseren und kleineren Inseln sind vulkanischen Ursprungs und zwischen 3 und 10 Millionen Jahre alt. Nach ihrem Entstehen waren sie totes Lavagestein, auf dem sich aber nach und nach Leben entwickelte. Der Wind brachte Insekten, Vögel und Samen her, auf natürlichen Flossen aus Schwemmholz, die nach Unwettern vom südamerikanischen Festland westwärts trieben, erreichten Tiere und Pflanzen die Inseln. Und weil sie auf jeder der Inseln aufgrund des unterschiedlichen Alters und folglich unterschiedlicher Vegetation auf andere Gegebenheiten trafen, entwickelten sie sich anders – indem sie sich anpassten. So entstanden die verschiedenen Echsen-, Schildkröten-, Finken- oder Drosselarten, für die Galápagos heute berühmt ist.

Reichhaltiges Meeresreservat

Eine weitere Eigenheit ist die Lage am Kreuzpunkt verschiedener Meeresströmungen. «Das ist einer der Gründe für das reichhaltige Leben», sagt Bürgin. Sowohl die dem Kaltwasser angepassten, aus der Antarktis stammenden Pinguine wie die tropische Art der Fregattvögel haben hier einen Lebensraum gefunden. Nach dem Barrier Riff in Australien ist Galápagos das grösste Meeresreservat der Erde mit über 500 Fischarten und über 50 verschiedenen Arten von Haien und Rochen.

Gefahr durch den Menschen

Verschiedene Ausstellungsinseln erläutern die Entstehung des Archipels, die besonderen Klimaverhältnisse und die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt mit Filmen, Tiermodellen und Objekten. Thematisiert wird aber auch die Gefährdung des Reservats durch den Menschen und eingeschleppte Tiere wie Ziegen, Hunde und Katzen.

Ergänzend stellt das Naturmuseum ausserdem einen St. Galler Bezug her. Es zeigt Fotoschauen mit Impressionen des St. Galler Urzeitforschers Urs Oberli und der St. Gallerin Patricia Stucki, die seit fast zwanzig Jahren als Tourismusguide auf Galápagos lebt.