Im Kantipark Drogen verkauft

Eine Schweizerin und ein Mann aus Bosnien-Herzegowina haben Drogenhändler chauffiert und im Kantipark «Gassenbriefchen» verkauft. Beide befinden sich zurzeit in einer stationären Suchttherapie.

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Das Paar war an der Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen geständig. Die 23jährige Frau und der 31jährige Mann gaben an, selber seit langer Zeit Drogen konsumiert zu haben: sie täglich bis zu zwei Gramm Heroin, er zwischen zwei und fünf Gramm Heroin und Kokain. Auf die illegalen Geschäfte hätten sie sich eingelassen, um den Drogenkonsum zu finanzieren.

Im Denner randaliert

Der vorsitzende Richter hielt dem Paar eine ganze Liste von Straftaten vor. Zum einen chauffierten sie einen Drogenhändler von Bühler nach Olten, erwarben Heroin, packten es in Briefchen ab und verkauften es im Kantipark. Zum anderen lenkten sie ein Auto ohne Führerausweis, ohne gültige Verkehrsschilder und ohne Haftpflichtversicherung. Die Frau fuhr zudem mehrmals ohne gültiges Billett im Zug. Ihr Partner randalierte in einer Denner-Filiale und zerbrach Weinflaschen.

«Alles völlig egal gewesen»

Durch den Heroinkonsum sei ihr alles egal gewesen, erklärte die Beschuldigte, die bereits in jungen Jahren harte Drogen konsumiert hatte. Sie habe Dinge getan, welche sie heute nicht mehr nachvollziehen könne. Seit sie nach der Verhaftung eine stationäre Suchtbehandlung begonnen habe, sehe sie wieder Perspektiven. Trotz drei kleineren Rückfällen sei sie zuversichtlich, dass sie künftig ohne illegale Drogen leben könne. Sie wolle eine Lehre beginnen und ihr Leben retten.

Auch der Beschuldigte betonte, es gehe ihm seit Therapiebeginn sehr viel besser. Er habe eine Arbeit in Aussicht und wolle die Suchtbehandlung fortsetzen. Der «Tritt in den Hintern», der die Verhaftung gewesen sei, sei für ihn nötig gewesen. Während des langjährigen Drogenkonsums habe er den Durchblick verloren. Ihm sei alles egal gewesen. Er habe deshalb nie ernsthaft in Erwägung gezogen, sich therapieren zu lassen.

Freiheitsstrafen und Bussen

Anklage und Verteidigung waren sich bei den Schuldsprüchen einig. Nur beim Strafmass wichen die Anträge leicht voneinander ab. Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte die Frau zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten und einer Busse von 900 Franken, den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einer Busse von 800 Franken. Beide erhielten die Anweisung, ihre stationäre Suchtbehandlung fortzuführen. Die Kosten des Verfahrens betragen rund 6800 und 11 500 Franken. Sie gehen zulasten der Beschuldigten.

Er hoffe sehr, dass sie jetzt die Chance der Therapie packten, gab der Richter den beiden Verurteilten nach der Urteilseröffnung mit auf den Weg. Verlaufe die Suchtbehandlung erfolgreich, bliebe ihnen ein Gefängnisaufenthalt erspart. Da sie einen gemeinsamen Lebensweg planten, gelte es, auch an das Wohl des anderen zu denken. Werde einer von ihnen rückfällig, ziehe er automatisch auch das Gegenüber «nach unten». (cis)

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