Im Juni regnet es in St.Gallen Rekurse

ST.GALLEN. Ende Mai erhalten Eltern Bescheid, welchem städtischen Kindergarten oder welcher Schule ihr Kind zugeteilt ist. In diesem Jahr sind rund 70 Rekurse dagegen eingegangen. Schulamtsleiter Christian Crottogini erklärt, was ihn daran freut.

Odilia Hiller
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Millimeterarbeit im städtischen Schulamt: Die Verteilung der Jüngsten auf die Kindergärten. Jede blaue Nadel entspricht einem Kind. (Bild: Michel Canonica)

Millimeterarbeit im städtischen Schulamt: Die Verteilung der Jüngsten auf die Kindergärten. Jede blaue Nadel entspricht einem Kind. (Bild: Michel Canonica)

Der Leiter des städtischen Schulamtes ist baff. «Das hätte ich nicht erwartet», sagt Christian Crottogini. Grund zur Freude gibt ihm die Zahl der Rekurse zum Thema Einzugsgebiet der Schulquartiere. Gerade einmal vier von 70 Rekursen des laufenden Jahres beziehen sich auf das Thema der neuen, aufgeweichten Schulquartiersgrenzen.

Wochenlang beschäftigt

Seit einem Jahr gibt es in der Stadt Zonen, die nicht mehr einem bestimmten Schulquartier zugeteilt sind. Knapp 200 Kinder, die in diesen Gebieten wohnen, können beim Eintritt in die erste Klasse vom Schulamt grundsätzlich mehr als einem Schulhaus zugeteilt werden. Diese Massnahme, die das Stadtparlament im September 2010 abgesegnet hatte, erlaubt es der Schulverwaltung, die Schulhäuser und Klassen flexibler «aufzufüllen» und so die Klassengrössen konstanter zu halten. Handkehrum kann es passieren, dass ein Kind unter Umständen nicht wie seine Gspänli in ein bestimmtes Schulhaus gehen soll, sondern einem andern Schulhaus zugeteilt wird.

Nach der Einführung der neuen Einzugsgebiete der Schulquartiere rechneten die Verantwortlichen damit, dass mehr Rekurse gegen diese Einteilungen eintreffen könnten. Dass jetzt nur gerade vier Rekurse eingereicht wurden, ist für den Schulamtsleiter ein gutes Zeichen: «Für mich heisst das vor allem, dass unsere Leute sehr, sehr genau hinschauen, wie sie die Kinder einteilen.» Die Abteilungsleiter und Sekretariate des Schulamtes beschäftigen sich laut Crottogini wochenlang mit den Einteilungen: «Eine gigantische Übung für uns.» Davon zeugt auch ein grosser, über und über mit Nadeln besetzter Stadtplan im Schulamt: Jede Nadel steht für einen Kindergärtler.

Spezialfall Krippenkinder

Auch die Einteilung in die Kindergärten ist eine Herausforderung für das Schulamt. Davon zeugen in diesem Jahr 17 Rekurse. Es gilt nicht nur, Kinder aus den Quartieren in die verschiedenen Kindergärten einzuteilen, sondern auch Krippenkinder. Solche also, deren Eltern sie nicht dort in den Kindergarten schicken möchten, wo sie wohnen, sondern dort, wo sie die Krippe besuchen.

«Da kommt es in einigen Quartieren zu eigentlichen Staus, wenn ein Kindergarten sich in der Nähe einer Krippe befindet, die viele <externe> Kinder betreut», sagt der Schulamtsleiter. So kann es geschehen, dass Krippenkinder halt einmal per Schulbus zum übernächsten Kindergarten transportiert werden, wie es in der Kinderkrippe Tripp Trapp an der Oberstrasse der Fall ist.

Eher viele Rekurse betreffen die Oberstufe. 24 Sechstklässler sind mit der Einteilung in ein bestimmtes Sekundar- oder Realschulhaus nicht einverstanden. Dahinter stünden meist Gründe wie persönliche Beziehungen oder der Schulweg, so Crottogini.

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