Im Grosslift zu den Zügen

RORSCHACH. Die Rorschacher entscheiden am 15. Mai an der Urne über 1,5 Mio. Franken für den Bau einer gedeckten Passerelle und eines Lifts als Alternative zu den steilen Wegen zum Hauptbahnhof. Hinzu kommen 0,5 Millionen von Rorschacherberg und 0,2 Millionen vom Kanton.

Fritz Bichsel
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Der Lift überwindet die Höhendifferenz von der Promenadenstrasse bis in die Bahnhofunterführung. (Bild: Bildmontage/Visualisierung: Architekturbüro Alex Buob)

Der Lift überwindet die Höhendifferenz von der Promenadenstrasse bis in die Bahnhofunterführung. (Bild: Bildmontage/Visualisierung: Architekturbüro Alex Buob)

Steil und auf der kürzeren Variante teilweise über Treppen führen Wege von der Promenadenstrasse zwischen Bäumen und Büschen zur Bahnhofunterführung. Neu sollen Bahnreisende erst geradeaus über eine 40 Meter lange, auf einer Seite offenen oder verglasten Passerelle und dann mit einem Lift in 15 Sekunden 23 Meter senkrecht hinunter gelangen – und umgekehrt. Wenn sie spät dran und die Liftbenützer schon abgefahren sind, lässt sich der Zug über Treppen am Liftturm noch erreichen.

Diese Daten nennt der Stadtrat in seinem gestern veröffentlichten Gutachten zur Urnenabstimmung am 15. Mai.

Schwierig und unsicher

Wo das Gelände steil gegen den See abfällt, hatte für den Hauptbahnhof ein früherer Steinbruch Platz geschaffen. Entsprechend schwierig ist der Zugang. Diesen zu erleichtern und bei Dunkelheit sicherer zu machen ist in der Bevölkerung seit Jahrzehnten ein Anliegen. Anlauf hatte vor zwanzig Jahren FDP-Gemeinderat Peter Hirzel genommen. Das Parlament genehmigte seine Motion, strich aber die Idee, auch einen Schräglift zu prüfen. Trotz des Auftrags unternahm der Stadtrat nichts. Begründung: «fehlende finanzielle Mittel» und «Pläne für bessere Erschliessung des Bahnhofs mit Agglobussen».

Verbesserter Vorschlag

Erst in neuer Zusammensetzung nahm der Stadtrat das Anliegen gemeinsam mit dem Gemeinderat Rorschacherberg in Angriff, denn der Hauptbahnhof dient auch den Bahnkunden im Ostteil der Nachbargemeinde und liegt teilweise auf deren Gebiet. Ein Schräglift (wie Mühlegg in St. Gallen) wurde nun geprüft, schied aber aus: nach Auskunft von Stadtpräsident Thomas Müller zu langsam. Als machbare Lösung für eilige Zugbenützer als auch für gehbehinderte und ältere Leute ergab eine Studie 2007 Lift und Steg. Dafür waren die Kosten auf etwas über eine Million geschätzt. Die Behörden strebten jedoch ein langfristig und besser dienendes Werk an, mit Betonturm für den Lift und gedeckter Passerelle statt offenem Steg, der auf dieser Höhe Unsicherheit bewirken könnte und im Winter ständig von Schnee oder Eis befreit werden müsste. Aus einem Wettbewerb unter drei Architekturbüros ging 2009 der Vorschlag von Alex Buob, Rorschacherberg, als Siegerprojekt hervor. Für die verbesserte Variante stiegen die Kosten auf 1,585 Mio. Franken. Der Gemeinderat beschloss für Rorschacherberg einen Beitrag von 0,5 Millionen (ein Drittel abgerundet), was die Bürgerversammlung 2010 genehmigte.

«Nicht am Nutzen schrauben»

Der Stadtrat liess das Projekt so weiterbearbeiten, dass es noch benutzerfreundlicher, leistungsfähiger und sicherer wurde: grösserer Lift für 26 Personen (statt 18); am Liftturm eine jederzeit begehbare Treppe bis hinunter zur Unterführung (statt einer Nottreppe) – damit niemand den Zug verpasst; die Passerelle auf der offenen Seite bei Bedarf verglast – worüber der Stadtrat aufgrund von Erfahrungen entscheiden würde. So stiegen die Kosten gegen zwei Millionen. Hinzu kommen 130 000 Franken für Sicherheitsmassnahmen im Bahnbetrieb während des Baus und eine Reserve. So ergibt sich ein Kredit von 2,2 Mio. Franken.

«An den Kosten könnte man zwar schrauben», sagt Stadtpräsident Müller zu dieser Verdoppelung gegenüber der einfachsten Variante. «Aber das hiesse am Nutzen schrauben.» Das will der Stadtrat nicht. Er verweist auf die Bedeutung «dieser Schnittstelle im öffentlichen Verkehr» für Umstieg vom inzwischen verwirklichten Seebus und vom Regiobus auf die Bahn. Auch wenn der Hauptbahnhof später zusätzlich auf der Nordseite Busanschluss erhält, kommt die Mehrheit der Passagiere von Süden.

Die Finanzierung

Nach dem Beitrag von Rorschacherberg und den bereits bewilligten 175 000 Franken für die Projektierung ergibt sich ein Kredit von 1,525 Millionen für Rorschach. Darüber stimmt die Bürgerschaft ab. Zu erwarten sind 180 000 Franken vom Kanton. Den Anteil von Rorschach will der Stadtrat finanzieren mit 0,6 Millionen aus dem Jahresgewinn der Stadt – wie von der Bürgerversammlung genehmigt – und durch Abschreibung von 0,9 Millionen innert 25 Jahren. Zusätzlich rechnet er mit jährlichen Betriebskosten von 20 000 Franken.

Die Passerelle bietet auch Platz für Kinderwagen und Rollstühle.

Die Passerelle bietet auch Platz für Kinderwagen und Rollstühle.

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