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Im «Fässli» gibt's kein Bier mehr

Seit mehr als einem Jahrhundert befindet sich das Restaurant Zum goldenen Fass im Besitz der Familie Indermaur. Most und Bier prägen die Geschichte der kleinsten Beiz von Rorschach, die seit Ende März leer steht.
Valentin Schneeberger
Das Restaurant zum goldenen Fass um 1900. (Bild: pd)

Das Restaurant zum goldenen Fass um 1900. (Bild: pd)

RORSCHACH. Die Eingangstüre bleibt zu, aus den Zapfhähnen fliesst kein Bier mehr. Nachdem Wirtin Susanne Riedener den Betrieb Ende März aufgegeben hat, ist die kleinste Beiz von Rorschach geschlossen. Mehr als ein Jahrhundert lang verkehrten im Restaurant Zum goldenen Fass an der Rosenstrasse 8 die Gäste – tranken Bier, klopften einen Jass, genossen die familiäre Atmosphäre auf engstem Raum.

Diese Zeiten scheinen nun vorbei zu sein. Nach 108 Jahren im Besitz der Familie Indermaur ist noch offen, wie es mit der Liegenschaft weitergeht.

Beiz und Mosterei

Unzählige Erinnerungsstücke an das «Fässli» hat Yvonne Hinder im Nachlass ihrer 2011 verstorbenen Mutter gefunden. Darunter zahlreiche Fotos und Zeitungsartikel. Sogar den originalen Kaufvertrag hatte Lydia Indermauer behalten. «Meiner Mutter hat das <Fässli> immer viel bedeutet», sagt Yvonne Hinder.

Der Kaufvertrag trägt die Unterschrift von Johann Indermaur aus Berneck. Küfermeister, Wirt und Grossvater von Yvonne Hinder. Dieser hatte die Liegenschaft am 5. März 1905 erworben. Während er mit seiner Frau im Erdgeschoss das Restaurant Zum goldenen Fass führte, nutzte er den Keller als Mosterei und Lager für seine Holzfässer. Die sechsköpfige Familie bewohnte den ersten Stock des Hauses.

Unterwegs mit Pferdekarren

Yvonne Hinder lernte ihren Grossvater nicht mehr kennen. Er verstarb 1934 – 15 Jahre vor ihrer Geburt. «Ich kann mich aber noch an die Saftpresse erinnern, die noch lange Zeit im Keller stand», sagt sie. Auch der Stall, der früher einmal zum Haus gehört hatte, ist ihr in Erinnerung geblieben. Dort waren Pferd und Karren untergebracht, mit denen der Grossvater die Äpfel für seinen Most durch Rorschach transportierte. «Durch eine grosse Öffnung im Boden wurden die Äpfel zur Weiterverarbeitung in den Keller gelassen», sagt Yvonne Hinder.

Bier mag sie nicht

Nach dem Tod von Johann Indermaur – dem letzten Vertreter der Rorschacher Küferzunft – blieb das Haus im Besitz der Familie. Zwar musste die Mosterei den Betrieb einstellen, im «Fässli» waren die Gäste jedoch weiterhin willkommen. Die Witwe kümmerte sich fortan alleine um das Restaurant. «Meine Grossmutter war eine geborene Beizerin», sagt Yvonne Hinder. Oft habe sie ihr als Kind im «Fässli» einen Besuch abgestattet. «Die Gäste liessen mich dann manchmal vom Bierschaum probieren», sagt sie. Das sei wohl der Grund, weshalb sie heute kein Bier mehr mag.

Lieber Fotografin als Beizerin

Nachdem die Grossmutter ins Altersheim gezogen war und keines der vier Kinder die Beiz übernehmen wollte, wurde das Restaurant verpachtet. «Meine Mutter hatte zwar eine Schwäche für das <Fässli>, sie selbst war jedoch keine Beizerin», sagt Yvonne Hinder. Stattdessen absolvierte Lydia Indermaur in St. Gallen eine Lehre als Fotografin und arbeitete später unter anderem für das St. Galler Tagblatt.

Doch immer wieder zog es sie zurück in die Beiz ihrer Eltern. «Für meine Mutter war das <Fässli> wie ein Teil der Familie», sagt Yvonne Hinder. Bis ins hohe Alter kümmerte sich Lydia Indermaur um die Anliegen der Pächter und der Mieter im ersten Stock. 2004 erhielt sie im Rahmen der 100-Jahr-Feier des «Fässlis» von der Brauerei Haldengut gar eine Urkunde für ihre langjährige Treue.

Nun geht die Ära der Familie Indermaur zu Ende. Dass das kleine Lokal mit seinen 25 Plätzen in Zukunft weiterhin als Beiz genutzt wird, hält Yvonne Hinder eher für unwahrscheinlich.

Lydia Indermaur (rechts) mit ihrer Grossmutter Lydia.

Lydia Indermaur (rechts) mit ihrer Grossmutter Lydia.

«Fässli»-Gäste klopfen einen Jass.

«Fässli»-Gäste klopfen einen Jass.

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