Im Einsatz für junge Afrikaner

Nach einer vierwöchigen Reise per öV und Anhalter ist der Goldacher Urs Locher im westafrikanischen Natitingou angekommen. Dort bildet der Pensionär ein halbes Jahr lang ehrenamtlich Maschinenmechaniker aus – unter schwierigen Bedingungen.

Linda Müntener
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Der Goldacher Urs Locher wurde in Westafrika herzlich aufgenommen. (Bild: pd/Urs Locher)

Der Goldacher Urs Locher wurde in Westafrika herzlich aufgenommen. (Bild: pd/Urs Locher)

GOLDACH/NATITINGOU. 8200 Kilometer, sechs Länder, vier Wochen: Es ist eine turbulente Reise, die der Goldacher Urs Locher hinter sich hat. «Überglücklich, das Abenteuer gesund und ohne einen Unfall überstanden zu haben, bin ich am 9. Oktober mit einem Motorradtaxi in Natitingou angekommen», schreibt der 64-Jährige in einer E-Mail. Dass er diese überhaupt versenden konnte, ist nicht selbstverständlich. Denn das Ausbildungszentrum in Westafrika, wo der Goldacher ehrenamtlich arbeitet, wartet seit einem Jahr auf einen Stromanschluss. Und nun ist auch noch der Dieselgenerator ausgestiegen. «Jetzt ist Improvisation gefordert.»

30 Stunden im Bus

Urs Locher bildet ein halbes Jahr lang ehrenamtlich Maschinenmechaniker in Westafrika aus. Im Ausbildungszentrum Centre de Formation Liweitari gibt der pensionierte Maschinenmechaniker sein Fachwissen jungen Afrikanern weiter. Mitte September begab er sich auf die Reise von Goldach nach Natitingou/Benin – per öV und Anhalter (das Tagblatt berichtete). Eine beschwerliche, riskante Reise, die ihn jeden Tag aufs Neue gefordert hat – nicht nur wegen des heissen Wetters und der hohen Luftfeuchtigkeit. «Die Überlandbusse waren immer überfüllt, die Buschtaxis sehr eng.» Vor allem die 1200 Kilometer lange Busfahrt von Dakar über Senegal nach Mali sei «extrem anstrengend» gewesen. Während der Fahrt musste der Bus immer wieder ungeplante Zwischenstops einlegen – wegen Reifenpannen und einem Kupplungsdefekt. So war der Bus 30 Stunden unterwegs, ohne Möglichkeiten zur Verpflegung. «Zum Glück hatte ich meinen Reiseproviant gut berechnet», schreibt Locher. «Ich habe gestaunt, wie gelassen das die anderen Passagiere – Frauen, Kinder und ältere Menschen – hingenommen haben.» Mit Ebola sei er während seiner Reise nie konfrontiert worden. «Einzig an der Grenze von Senegal wurde ich beim Verlassen eines Busses auf Fieber untersucht.»

Zeit, Geduld und starke Nerven

Seit zwei Monaten arbeitet Urs Locher nun im Centre de Formation Liweitari, das vom Toggenburger Heinrich Roth und Einheimischen geführt wird. Dieses Jahr werden dort 35 Lernende in den Berufen Elektriker, Maurer und Polymechaniker ausgebildet. Neben Urs Locher sind zwei junge Schweizer im Einsatz, die ihren Zivildienst absolvieren. «Zurzeit sind wir sehr gut ausgelastet, so dass einige Teams sogar Aufträge ausserhalb des Zentrums leisten.» Im Ausbildungszentrum selber werden Motorenblöcke überfräst, Ersatzteile hergestellt sowie Solarküchen, Türen oder Fenster montiert. «Natürlich sind wir auch im Häuserbau aktiv.» Die Arbeitsbedingungen in Afrika könne man in keinster Weise mit jenen in der Schweiz vergleichen, schreibt Locher. In Afrika brauche es viel Zeit und Geduld. Und vor allem: starke Nerven. «Frage in Afrika nie nach dem Warum», schreibt Locher. «Denn eine Antwort erhältst du nicht.»

«Kein Zeichen von Ablehnung»

Lochers Visum gilt noch für weitere vier Monate, so lange wird er im Ausbildungszentrum arbeiten. Der Goldacher hat sich bereits gut in seinem Zuhause auf Zeit eingelebt. «Man wird hier in Benin sehr freundlich aufgenommen», schreibt er. «Es gibt nicht ein kleinstes Zeichen von Ablehnung. Im Gegenteil: Wenn ich mit dem Töff unterwegs bin, winken mir die Kinder strahlend zu.»