Im dritten Jahr schwarze Zahlen

Zweifler und Kritiker sind nach wie vor da. Doch Zeki Ok ist drei Jahre nach seiner Ankunft noch immer Pächter im Seerestaurant – so lange hat das vor ihm viele Jahre niemand geschafft. Ok plant zu bleiben und schmiedet Zukunftspläne.

Corina Tobler
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Gastgeber Zeki Ok (links) fühlt sich im Rorschacher Seerestaurant wohl und sucht das Gespräch mit seinen Gästen, hier im Steakhaus. (Bild: Corina Tobler)

Gastgeber Zeki Ok (links) fühlt sich im Rorschacher Seerestaurant wohl und sucht das Gespräch mit seinen Gästen, hier im Steakhaus. (Bild: Corina Tobler)

RORSCHACH. «Ich bin sehr zufrieden, es lief dieses Jahr gut, trotz des schlechten Sommerwetters. Die ersten zwei Jahre schrieben wir auch wegen der Investitionen in den Umbau rote Zahlen, jetzt aber erzielen wir Gewinn», sagt Zeki Ok. Es ist eine Aussage, wie sie von einem Seerestaurant-Pächter nach drei Jahren vor Ort lange nicht zu hören war.

Ferien liegen nicht drin

Ok hat seit seiner Ankunft das Seerestaurant mit finanzieller Hilfe des indischen Besitzers Ravinder Kumar fast komplett umgestaltet. Konkurrenzierten sich früher die einzelnen Bereiche gegenseitig, ist nun das Aqua Fine Dining/Steak House klar das Hauptrestaurant. Ergänzt wird es vom Biergarten im Freien, von der Siddharta Buddha Lounge, in der Häppchen und Apéros serviert werden und Tanzveranstaltungen stattfinden, sowie von El Caribe, wo Cocktails im Angebot sind. Dazu kommen der Jazzkeller und Räume im Obergeschoss, die für Seminare und Bankette genutzt werden. «Sind alle Räume besetzt, haben 1500 Leute Platz. Wir sind das grösste Gasthaus der Ostschweiz. Ein bisschen verrückt muss man schon sein, um ein solch riesiges Haus inklusive der komplizierten Technik führen zu wollen», sagt Ok schmunzelnd. Er sei im Normalfall täglich da, Ferien habe er zuletzt vor acht Jahren gemacht.

120 000 Franken im Monat nötig

Die Zahlen geben ihm recht. «An einem durchschnittlichen Sonntag haben wir bei schönem Wetter 1500 bis 1800 Gäste, unter der Woche 900 pro Tag. In einem Sommermonat kommen wir auf über 20 000 Gäste.» Die Zahlen sind nötig, zahlt der Pächter doch eine hohe Miete: «Pro Monat müssen wir im Winter 120 000 Franken umsetzen, um schwarze Zahlen zu schreiben.»

Ok relativiert Online-Kritik

Wenn das wirklich gelingt, muss das Essen überzeugen. Ok betont, dies sei der Fall, das Steak House habe sich etabliert. Die 46 Bewertungen im Internet, etwa auf TripAdvisor, sprechen aber zu mehr als der Hälfte eine andere Sprache. Zwar schwärmte am 17. Dezember jemand: «Zuvorkommender Service. Wirklich hervorragende Küche». Doch zahlreiche Bewertungen verpassen dem Restaurant das Siegel «Ungenügend». Die Kritik reicht von «liebloses Essen an super Lage» über «kaum frische Zutaten» im Salat und «die Pizza war die allerschlechteste, die ich je gegessen habe» bis hin zu «Essen nicht warm und fade» und der Vermutung, dem Lokal gehe wohl bald die Luft aus. Letzteres, versichert Ok, sei nicht der Fall. Und von Dosenfutter auf dem Teller will er nichts wissen. «Wir arbeiten mit frischen Zutaten.» Natürlich gebe es Ausnahmen: «Den Mais im Salat kann wohl kein Restaurant frisch anbieten.» Essen sei auch Geschmacksache, bei rund 20 000 Gästen in einem Monat seien ein oder zwei Unzufriedene wohl in Kauf zu nehmen. Und: «Ich bettle bei den vielen zufriedenen Gästen nicht um Online-Bewertungen, nur um das Bild aufzubessern. Seriöse Kritik nehme ich aber ständig auf.»

Stromrechnung massiv gesenkt

Meinungen im Internet hin oder her, Ok ist ins Seerestaurant gekommen, um zu bleiben. Doch wie schafft er das? «Wir haben die Technik in den Griff bekommen, konnten allein die Stromrechnung im Vergleich zu den Vorgängern massiv senken. Zudem sind wir ein Familienbetrieb, vier Familienmitglieder arbeiten hier. Das sehe ich als grosse Stärke.» Haupteinnahmequellen seien das Steak House und Anlässe von Firmen und Privaten. «Gerade bei den Anlässen konnten wir uns 2014 enorm steigern. Für 2015 sind etwa zwölf grosse Hochzeiten angemeldet, 2012 hatten wir im ganzen Jahr nur vier.» Ok und sein Team macht also vieles richtig. «Wir leiden aber noch immer unter dem schlechten Ruf, den das Seerestaurant unter früheren Pächtern bekam.» Ok schmiedet aber bereits weitere Pläne. «2015 oder 2016 will ich im Biergarten anstelle der heutigen Bar eine offene Küche einrichten. Die Küche ist 60 Meter entfernt – unsinnig. Eine Küche draussen gäbe uns viel mehr Flexibilität.» Eventuell werden auch Kochkurse angeboten. «Der Besuch hier soll ein Erlebnis werden.»