Im Dienst der Öffentlichkeit

Uneigennütziges und bereitwilliges Schaffen kennzeichnete Josef Enderli (1927–2015), der am vergangenen Donnerstag in Rorschach unter grossem Geleite zu Grabe getragen wurde.

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Josef Enderli Ehemaliger Gemeinderat (1927–2015) (Bild: zVg)

Josef Enderli Ehemaliger Gemeinderat (1927–2015) (Bild: zVg)

RORSCHACH. Josef Enderli wirkte jahrelang tatkräftig in den Behörden der Stadt, des Bezirks und in der katholischen Kirchgemeinde und engagierte sich stets besonders für Schule und Erziehung.

Als Bauernbub und ältestes von acht Geschwistern in Hagenwil im Thurgau aufgewachsen, war seine Jugend geprägt von der tiefen religiösen Erziehung in seiner Familie. Diese Grundhaltung blieb ihm zeitlebens eigen, ohne dass er je zu einem bigotten Eiferer wurde. Nach der Sekundarschule im Kollegium Appenzell absolvierte er eine kaufmännische Lehre beim Schweizerischen Bankverein in Bischofszell. In dieser Zeit lernte er auf Botengängen seine spätere Gattin Alice Ebneter kennen. Nach zwei Jahren im Welschland nahm er 1949 eine Stelle im Bankverein Rorschach an, wohl nicht ahnend, dass er bis zu seiner Pensionierung im Februar 1989 im Dienste dieses Bankinstitutes stehen sollte.

Vom Angestellten zum Direktor

Seine Karriere begann im ehemaligen, 1965 abgerissenen Jugendstilgebäude am Hafenplatz und endete im heutigen Faro-Haus. Dank seiner Fähigkeiten und seinem Pflichtbewusstsein wurde er regelmässig befördert, bis 1973 zum Filialdirektor. Mehr Mitarbeiter, die Umstellung auf Computer, das Wachstum der Banken verlangten von ihm ein grosses Engagement, ohne dass er den persönlichen Kontakt mit den Kunden verlor; eine Eigenschaft, die er an seinem Beruf am meisten schätzte. Er war Banker zu einer Zeit, als diese Berufsbezeichnung noch nicht für negative Schlagzeilen sorgte.

Schule und Erziehung

Neben seiner anspruchsvollen Aufgabe als Leiter einer Bank nahm sich Josef Enderli die Zeit, sich intensiv für die Öffentlichkeit zu engagieren, als Gemeinderat, Schulrat, Pfleger der katholischen Kirchgemeinde und als Präsident des Bezirksschulrats. Wie von seinem Beruf gewohnt, ging er Aufgaben sorgfältig an und scheute sich auch nicht, unbequeme Probleme in Angriff zu nehmen. Er förderte die musikalische Ausbildung in den Schulen und war Mitbegründer der Musikschule Rorschach.

An der Trauerfeier verglichen ihn seine Enkelkinder mit einem Baum, der solid gewurzelt über allen Familienmitgliedern stand. Ein schöner Vergleich für den ehemaligen Bauernsohn, der Alice im Jahr 1952 geheiratet hatte. Sie trauert mit zwei Töchtern und drei Söhnen und vierzehn Enkelkindern um ihren grosszügigen Gatten, der es verstanden hatte, Familie, Beruf und Dienst an der Öffentlichkeit gleich ernst zu nehmen. Die Rorschacher trauern um einen schaffensfreudigen, aufrechten Mann, der als Zugezogener in Rorschach heimisch wurde, nie gern im Rampenlicht stand und der Öffentlichkeit viel gegeben hat. (el)

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