Im Bordell das Messer gezückt

St.Gallen. Zusammen mit einem Komplizen hat ein 26jähriger Mann in einem Bordell Frauen mit einem Messer bedroht. Er hatte es auf Geld abgesehen. Am Kantonsgericht erwirkte er nun eine leicht mildere Strafe.

Claudia Schmid
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Der seit seiner Kindheit in Deutschland lebende, kasachstanische Staatsangehörige kam bereits in seiner Jugend mit dem Gesetz in Konflikt. Wie er an der Berufungsverhandlung am Kantonsgericht St. Gallen erzählte, sei es für ihn nicht einfach gewesen, als er als Neunjähriger nach Deutschland gekommen sei. Er sei immer der «Ausländer» geblieben. Es habe häufig Streit und Schlägereien mit Gruppen anderer Nationen gegeben.

Ein neues Leben anfangen

Noch nicht volljährig, wurde der Beschuldigte in Deutschland wegen Körperverletzung und Raub verurteilt. Später kamen Betrug und ein Strassenverkehrsdelikt hinzu. Die Straftaten seien jeweils zusammen mit Kollegen passiert. Um aus allem herauszukommen, habe er beschlossen, in die Schweiz zu gehen. Er habe ein neues Leben anfangen wollen.

Als ein Kollege auf Besuch kam, gingen die beiden im Juni 2012 in ein St. Galler Bordell. Nachdem es zu einem Streit gekommen war, zückte er ein Messer, forderte Geld und bedrohte die Frauen mit dem Tod, falls sie ihm die Summe nicht geben würden. Eine der Frauen gab ihm schliesslich 300 Franken. Er sei stark betrunken und nicht sich selbst gewesen, betonte der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung.

Mit Service nicht zufrieden

Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte den Mann im Februar dieses Jahres wegen Raubes und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Dieses Strafmass sei eindeutig zu hoch, erklärte der Verteidiger. Strafmildernd müsse berücksichtigt werden, dass sein Mandant stark alkoholisiert und unter Einfluss von Ecstasy gewesen sei. Grosse Gewalt habe er beim Raub nicht angewendet. Zu bedenken sei auch, dass er mit dem Service im Bordell nicht zufrieden gewesen sei und es eigentlich deshalb Streit um das Geld gegeben habe.

Sein Mandant bereue sein Fehlverhalten sehr. Nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft habe er sofort wieder gearbeitet und sich auch ins soziale Leben integriert. Er treibe jetzt Sport, nehme an Wettkämpfen teil und trainiere den Nachwuchs. Als angemessenes Strafmass erachtete der Verteidiger eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

Ein Zeichen setzen

Die Anklage beantragte im Rahmen einer Anschlussberufung eine Erhöhung der teilbedingten Strafe auf zweieinhalb Jahre. Die Straftat sei als mittelschwer zu beurteilen, sagte die Staatsanwältin. Da der Beschuldigte die Dienste im Bordell in Anspruch genommen habe, könne die Alkoholisierung nicht so stark gewesen sein, dass sie strafmildernd zu berücksichtigen sei. Angesichts der Vorstrafen müsse man ein Zeichen setzen.

Das Kantonsgericht verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwanzig Monaten. Davon sind acht Monate vollziehbar. Bei zwölf Monaten wird der Vollzug mit einer dreijährigen Probezeit aufgeschoben.