ILLEGAL: Wer gratis entsorgt, wird gebüsst

Immer wieder werden in der Stadt Abfälle illegal entsorgt. Die Täter kommen nicht immer ungestraft davon, denn die Stadt beschäftigt eigens einen sogenannten Abfallcontroller. Müll durchwühlen gehört zu seinem Job.

Marlen Hämmerli
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Dieses Sofa stand am Dienstag noch an der Wildeggstrasse. Nachdem der Abfallcontroller intervenierte, verschwand es. (Bild: Marlen Hämmerli)

Dieses Sofa stand am Dienstag noch an der Wildeggstrasse. Nachdem der Abfallcontroller intervenierte, verschwand es. (Bild: Marlen Hämmerli)

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Graubraun, dreckig und durchgesessen. So präsentierte sich diese Woche ein Sofa an der Wildegg­strasse. Irgendjemand hatte es auf dem Trottoir deponiert. Ohne Gebührenmarke, dafür mit einem Zettel «Gratis». Dies wohl in der Hoffnung, sich die Entsorgungsgebühren sparen zu können. Aber wer möchte schon ein zerfleddertes Sofa?

Ein Fall für den sogenannten Abfallcontroller. Nachdem ihm am Dienstag die illegale Entsorgung gemeldet worden war, machte er den Besitzer ausfindig und verwarnte ihn: Bis zum nächsten Tag blieb ihm Zeit, eine Gebührenmarke anzubringen. Ansonsten drohte eine Busse von hundert Franken. Dabei arbeitet der Abfallcontroller eng mit der Stadtpolizei zusammen, wie Christian Helbig, Bereichsleiter Abfalllogistik und Deponie der Entsorgung St Gallen, sagt.

Der Abfallcontroller selbst möchte aus Sicherheitsgründen anonym bleiben. Sein Job sei nicht gerade angesehen. Trotzdem schwingt in seiner Stimme Stolz mit, wenn er seine Tätigkeit beschreibt: «Man muss den richtigen Riecher haben, um herauszufinden, wer es war.» Dafür befragt der Abfallcontroller etwa Anwohner oder durchwühlt Müll. Die Chance, dass er den Täter ­erwische, sei hoch.

1708-mal wurden im letzten Jahr Abfälle illegal entsorgt

Dabei ist der Abfallcontroller nicht nur für Sperrgut ohne Gebührenmarke zuständig, sondern für alle illegalen Entsorgungen auf Stadtgebiet. Dazu zählt unter anderem auch Abfall, der nicht in einem Gebührensack entsorgt wird, oder Elektroschrott, der einfach irgendwo abgeladen wird. Im vergangenen Jahr wurden gemäss der Statistik von Entsorgung St. Gallen 1708 solche Entsorgungen gemeldet. Bei ­jeder zweiten Meldung konnte nicht festgestellt werden, wer den Abfall illegal entsorgt hatte. In zehn Prozent der Fälle erfolgte eine Verwarnung durch den Abfallcontroller. Daraufhin wurde der Abfall korrekt entsorgt. In weiteren 16 Prozent der Meldungen half die Verwarnung nicht; der Täter wurde verzeigt und gebüsst. Die restlichen 409 Fälle blieben ungeklärt, weil der Abfall wieder verschwand. «Vermutlich nahmen die Leute ihn wieder zurück», sagt Marc Mauerhofer von Entsorgung St. Gallen. Alles in allem sei die Entsorgungsdisziplin der St. Gallerinnen und St. Galler sehr gut. «Die Zahl der illegalen Entsorgungen betrug in den ­letzten Jahren immer ungefähr 1500.» Bei rund 79000 Einwohnern sei dies ein guter Wert.

Aufregung um ein Sofa im Lachen-Quartier

Ein anderes Beispiel für illegale Entsorgung kommt aus dem Lachen-Quartier. Dort regten sich einige Bewohner über ein rosa Sofa auf. Dieses stand laut einem Anwohner, der anonym bleiben möchte, mehrere Wochen an der Verzweigung Metall- und Andreas­strasse. «Ein Nachbar verständigte die Kehrichtabfuhr. Diese sagte, sie sei nicht zu­ständig.» Ein anderer Anwohner habe deshalb beim Abfalltelefon angerufen. Doch es sei nichts geschehen. «Erst nach zehn Tagen klebte jemand von Entsorgung St. Gallen einen Zettel auf das Sofa. Die Gebührenmarke fehle.» Laut Anwohner verstrichen weitere Tage, bis das Sofa abtransportiert wurde. Darüber seien die Anwohner froh. «Schliesslich blockierte dieses rosa Ungetüm das Trottoir, was vor allem für Gehbehinderte mühsam war.» Ärgerlich sei auch, dass nach einiger Zeit weitere Leute ihren Müll auf dem Sofa stapelten. «Warum wurde es nicht schneller entsorgt?», fragt sich der An­wohner.

Abfallcontroller war in den Ferien

Während des Vorfalls war der Abfallcontroller in den Ferien und ein Stellvertreter zuständig. Er wisse deshalb nicht, was genau passiert sei. «Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass das Sofa wirklich so lange rumstand.» Er sei seit 17 Jahren Abfallcontroller. «In der Regel entsorgen wir ­Abfälle nach einer Woche.» Man arbeite mit Mitarbeitern der Kehrichtabfuhr zusammen. Diese fahren wöchentlich durch die Quartiere. «Entdecken sie ille­gale Abfälle, kleben sie einen ­gelben Hinweiszettel dran und machen eine Meldung an uns.» Beim rosa Sofa sei allenfalls etwas falsch gelaufen. «Vielleicht ging die Meldung unter.» Er habe das Sofa nach seinen Ferien eingesammelt.

Um seinen Job erledigen zu können, ist der Abfallcontroller auf Hilfe von Einwohnern angewiesen. «Ich sehe nicht in alle Ecken der Stadt. Deshalb bin ich froh um Mithilfe.»

Illegale Abfälle könnten auf mehrere Arten gemeldet werden: Entweder über die App «Stadtmelder» oder das Abfalltelefon, das unter der Te­lefonnummer 071 224 50 50 erreicht werden kann. Und wer hofft, einen Abnehmer für sein Möbel zu finden, kann dieses mit einem Zettel rausstellen. «Am Tag darauf muss aber eine Gebührenmarke dran sein.»